Fußball

Oberliga-Trainer Kaminski und Degelmann hoffen auf viel perfekte Sonntage

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Steven Degelmann (links) und Michael Kaminski sind nach der langen Corona-Pause heiß darauf, am Sonntag in der Oberliga wieder in den Wettkampfmodus zu schalten.

Rhynerns Trainer Michael  Kaminski und HSV-Coach Steven Degelmann freuen sich auf den Auftakt der neuen Oberliga-Saison. 

Hamm – Es sind gleich zwei starke Gegner, mit denen sich die beiden Hammer Fußball-Oberligisten am Sonntag auseinandersetzen müsssen. Während der SV Westfalia Rhynern den früheren Bundesligisten SG Wattenscheid 09 erwartet, reist die HSV zum RSV Meinerzhagen, der in der vergangenen Saison nur hauchdünn den Aufstieg in die Regionalliga verpasst hat. Patrick Droste sprach mit den beiden Trainern Michael Kaminski (Rhynern) und Steven Degelmann (HSV) über den Auftakt, über die Ziele sowie über die corona-bedingten Probleme und Sorgen.

Es war nach dem Abbruch der vergangenen Saison im März wegen der Corona-Pandemie eine überaus lange Pause. Wie gierig sind Sie wieder auf Spiele und Punkte?

Kaminski: Der Pegel der Vorfreude ist bei uns nach der langen Zwangspause schon sehr hoch. Wir haben alle wieder viel Lust. Dafür betreibt man ja auch diesen Aufwand, dass man sich im Wettbewerb mit anderen Mannschaften messen kann.

Degelmann: Spiele hatten wir zuletzt ja schon einige. Aber jetzt können wir uns wieder mit Punkten belohnen. Der richtige Wettkampfmodus geht wieder los, da sind wir alle schon sehr heiß drauf.

Es sind besondere Zeiten. Wie präsent ist die Corona-Pandemie im sportlichen Alltag, zumal die Hygiene- und Abstandsregeln bei jedem Auswärtsspiel anders sein werden?

Degelmann: Das wird uns in der Tat vor jedem Auswärtsspiel beschäftigen. Bei den Partien zuhause und beim Training hat sich das alles eingespielt, da ist es schon fast normal und es gehört irgendwie zum Alltag, die Anlage bei uns mit der Maske zu betreten. Aber ansonsten ist vor allem unser Geschäftsführer Gerald Stoffers gefragt. Er muss im Vorfeld bei den gastgebenden Vereinen nachfragen, wie es dann zu laufen hat, mit wie vielen Spielern wir in die Kabine können. Das ist dann vor allem Sache des Teams drumherum.

Kaminski: Natürlich sind die Schutzmaßnahmen gegen Corona immer präsent. Das ist in Rhynern am Platz vorbildlich gelöst. Schade finde ich dabei vor allem, dass man dadurch so wenig Kontakt zu den anderen Mannschaften hat. Ich bin ein Teamplayer und sehe nicht nur die erste Mannschaft, sondern auch die Reserve und die A-

Junioren. Aber man sieht sich derzeit eher selten, das ist sehr schade. Wir alle können nur hoffen, dass irgendwann wieder Normalität einkehrt.

Haben Sie Angst vor einem erneuten Saison-Abbruch?

Degelmann: Da sind uns ja die Hände gebunden. Wir können nur unseren Teil dazu beitragen, indem wir uns an die bestehenden Regeln halten. Wenn dann aber auf politischer Ebene entschieden wird, die Saison abzubrechen, weil die Fallzahlen wieder enorm angestiegen sind, dann wird es auch eine vernünftige Entscheidung sein, mit der wir dann leben können und müssen.

Kaminski: Klar, das kann angesichts der aktuellen Zahlen immer passieren. Und das hat auch jeder im Hinterkopf, davon kann sich niemand freisprechen.

Gibt es neben den Corona-Bestimmungen noch andere Herausforderungen, denen Sie sich stellen müssen und zuletzt auch mussten?

Kaminski: Wir haben 42 Spieltage – also viele Partien und viele englische Wochen – vor der Brust. Hinzu kommen die Begegnungen im Kreis- und Westfalenpokal. Bei uns wird die Meisterschaft ganz klar die Nummer eins sein und an erster Stelle stehen. Die Spieler sind ja Menschen und keine Maschinen. Es war eine lange Pause, da besteht jetzt eine große Verletzungsgefahr. Ich als Trainer muss das Training dann so gestalten, dass es Pausen gibt, dass die Jungs regenerieren können.

Degelmann: Der Spielplan mit 20 Gegnern ist sicherlich eine enorme Herausforderung. Sonst hatte man in der Woche mal tröpfchenweise Pokalspiele, jetzt sind wir regelmäßig unter der Woche in der Meisterschaft im Einsatz. Das wird uns schon fordern.

Eine große Herausforderung ist auch die große Zahl von Absteigern. Zwischen fünf und sieben Teams müssen am Ende der Saison den bitteren Weg in die Westfalenliga antreten. Wie gehen Sie damit um?

Kaminski: Klar ist das ein Thema. Aber das wird es bei rund 15 anderen Mannschaften auch sein. Ich finde, das ist nicht optimal gelöst. Das hätte man auch über zwei, drei Jahre verteilen und dadurch entzerren können. Wir wollen versuchen, damit möglichst wenig zu tun zu haben. Aber wir haben schon im Kreispokal-Halbfinale bei der Hammer SpVg gesehen, dass es nur dann geht, wenn jeder an seine Grenzen geht. Jetzt kommen jedes Wochenende und oftmals auch noch unter der Woche Spiele, wo wir mit dem Gegner auf Augenhöhe sein werden. Da entscheidet die Tagesform. Und wer bereit ist, mehr zu geben. Aber ich denke, wir werden wieder mutig und gallig sein. Das haben wir schon letzte Saison gut gelöst, wo wir am Ende den fünften Platz belegt haben.

Degelmann: Da hat man sich am Anfang mal kurz mit beschäftigt, aber eine Belastung ist das nicht. Und das drückt auch nicht auf die Stimmung. Die Situation ist klar, wir müssen uns darauf einstellen. Wir können nicht mehr machen, als so viele Punkte wie möglich zu sammeln. Und die Vorbereitung hat gezeigt, dass unsere neue Mannschaft durchaus in der Lage ist, mehr Zähler einzufahren als in der vergangenen Spielzeit. Sicherlich fängt man irgendwann an zu rechen und schaut, ob man über dem Strich steht.

Sie haben beide viele junge Akteure im Kader. Gilt jetzt das Motto „Jugend forscht“? Oder wie wichtig ist Ihnen auch die Erfahrung?

Degelmann: Es war ja wegen Corona für uns recht schwer, im Frühjahr Spieler zu beobachten. Aber ich glaube, wir haben aus dem Bauchgefühl her einige gute Entscheidungen getroffen, denn wir haben einige Glückstreffer gelandet. Unser Etat hat es auch nicht zugelassen, jede Position mit einem gestandenen Oberliga-Spieler zu besetzten, die kosten nun mal ein bisschen mehr Geld. Unsere Aufgabe ist es jetzt, diese jungen Leute zu fördern, zu entwickeln und sie fit für die Oberliga zu machen. Ich denke, das ist uns bislang recht gut gelungen. Allerdings sind erfahrene Spieler auch sehr wichtig. Wenn unsere Achse mit Philipp Grodowski, Dennis Klossek, Andrei Lorengel und Marcel Todte auf dem Platz steht, dann ist da schon mehr Stimmung. Die Mischung passt bei uns, die Mannschaft hat da auch schon eine gute Hierarchie gebildet.

Kaminski: Ja, wir haben wieder einige junge Leute dazugeholt. Aber wir haben es auch wieder geschafft, unsere Korsettstangen zu halten. Wir haben daher einige erfahrene Leute im Team, die die jungen Spieler führen. Ich denke, unsere Mischung passt.

Mit wie viel Selbstbewusstsein geht Ihr Team in die neue Saison?

Kaminski: Wir gehen mit viel Selbstvertrauen in die neue Saison. Aber auch mit viel Demut. Wir haben einen starken Kader, der gut zusammengestellt ist. Aber wir müssen uns auch alles hart erarbeiten. Das wissen wir. Und dazu sind wir bereit.

Degelmann: Sicherlich lief die letzte Saison ohne einen einzigen Sieg alles andere als gut für uns. Aber das ist gefühlt schon richtig weit weg. Und wir haben ja auch nicht mehr viele Spieler im Kader, die das miterlebt haben. Sicherlich haben wir in der Vorbereitung auch das eine oder andere schlechte Spiel abgeliefert, aber der Trend geht klar nach oben. Das hat man auch an unserem Sieg im Kreispokal-Finale gesehen. Daher können wir sicherlich mit breiter Brust in die neue Saison gehen. Dieses Selbstbewusstsein brauchen wir auch, denn wir wollen mutigen und leidenschaftlichen Fußball spielen.

Was ist das Besondere an Ihrer Mannschaft?

Degelmann: Die Fähigkeit und auch die Bereitschaft, viel aufzunehmen und zu lernen. Das wird von den Jungs sogar eingefordert, sie fragen gezielt nach, was sie anders und besser machen können. Außerdem unsere Geschlossenheit. Wir haben zwar 17 neue Leute dazu bekommen. Aber die Jungs haben alle ihren eigenen Charakter zurückgenommen und sich für das Team eingebracht. Das haben sie richtig gut hinbekommen.

Kaminski: Dass wir erneut den Stamm der Mannschaft gehalten haben, ist heutzutage nicht unbedingt üblich. Ich war früher auch kein Wandervogel. Und in Rhynern sind mit Leuten wie den Kleine-Brüdern, Alexander Hahnemann, Michael Wiese, Tim Neumann oder Maxmilian Eul viele Leute dabei, die schon seit vielen Jahren im Verein spielen. Das finde ich vorbildlich und zeigt den Charakter dieser Jungs. Dadurch ist es immer wieder möglich, dass die neuen Leute sich schnell einfinden und das Team innerhalb kurzer Zeit zusammen wachsen kann.

Was wird der Schlüssel für eine erfolgreiche Saison sein?

Kaminski: Man muss sich angesichts der vielen englischen Wochen immer wieder schnell auf den nächsten Gegner einstellen. Das wird für mich und die Mannschaft eine spannende Aufgabe. Und, wie bereits gesagt, man muss schnell regenerieren und den Tank wieder voll bekommen. Außerdem muss man sich darauf einstellen, dass man sich noch öfter am Platz trifft als sonst. Aber die Jungs zocken gerne zusammen, die werden das schon hinbekommen. Wir wollen am Ende wieder ein extrem unangenehmer Gegner sein.

Degelmann: Es ist immer wichtig, dass man gut in die Saison startet, schon früh Punkte holt und das Signal an die Konkurrenz sendet, dass man Siege einfahren kann. Wichtig wird auch sein, dass man gut durch die vielen englischen Wochen kommt und dass man seinen Rhythmus findet. Und der dritte Baustein wird sein, dass man sich durch einen Negativtrend nicht aus der Ruhe bringen lässt, sondern an sich glaubt und einen ausgeglichenen, stabilen Eindruck macht.

Wer ist der Schlüsselspieler in Ihrem Team?

Degelmann: Den haben wir so nicht. Wir sind in vielen Bereichen gut aufgestellt und können jeden Ausfall gut kompensieren. Dass das gut klappt, haben wir in den Testspielen schon gesehen.

Kamsinski: Bei uns ist die ganze Mannschaft der Schlüsselspieler. Das Team steht über jedem Einzelnen. Wir können nur als Einheit etwas gewinnen.

Wie sieht ein perfekter Sonntag für Sie aus?

Kaminski: Wenn ich zum Platz komme und direkt in fokussierte Gesichter blicke. Wenn wir dann ein gutes Spiel abliefern, in dem die Jungs alles geben. Und wenn ich dann am Ende erschöpfte, aber glückliche Spieler sehe.

Degelmann: Zuerst ein gemütliches Frühstück mit der Familie. Dann bei guten Wetter zum Platz fahren und eine entspannte Besprechung mit den Jungs haben. Dann

eine Fußball-Partie sehen, bei dem meine Spieler alles abrufen, mich glücklich machen und sich selbst belohnen.

Wenn Sie am Ende der Saison die Tabelle malen könnten, wo würde dann Ihr Verein stehen?

Degelmann: Dann würde ich mir wünschen, dass wir im gesicherten Mittelfeld landen und wir frühzeitig für ein weiteres Jahr in der Oberliga planen können.

Kaminski: Ich würde mir wünschen, dass wir schon zur Winterpause ein Fernglas herausholen müssen, um die Abstiegsplätze zu sehen. Ich bin kein Träumer, aber Platz sieben bis zehn würde ich sofort nehmen.

Ist Ihr aktueller Trainerjob die bislang schwerste Aufgabe in Ihrer Sportkarriere?

Degelmann: Nein, das fühlt sich überhaupt nicht so an. Ich bin absolut entspannt und locker. Da gab es schon mal andere Situationen, zum Beispiel in meiner Zeit beim TuS Wiescherhöfen, als wir die letzten fünf Spiele nicht verlieren durften. Denn sonst hätten wir den Aufstieg in die Landesliga nicht geschafft. Sicherlich ist der Trainerjob bei der HSV anspruchsvoll und auch zeitintensiv. Aber er fühlt sich derzeit nicht schwierig an.

Kaminski: Da ist überhaupt nichts schwer. Ich arbeite ja im Krankenhaus. Und wenn ich meinen Dienst beendet habe, kann ich durch Fußball meinen Kopf absolut frei bekommen. Fußball ist nun mal die schönste Nebensache der Welt. Ich fahre an jedem Tag, an dem wir Training oder ein Spiel haben, super gerne nach Rhynern und bin einfach dankbar, dass ich mit meinen 36 Jahren schon Cheftrainer einer Oberliga-Mannschaft sein darf. Das ist für mich ein großes Geschenk.

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