Fußball

Rhynerns Patrick Polk über das Coronavirus und die Auswirkungen

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Gemeinsames Training: Rhynerns Patrick Polk (rechts) mit Ahlens Adrian Cieslak.

Kein Training, keine Meisterschaftsspiele, kein Treffen mit Teamkollegen. Dafür nur individuelles Training im Wald oder zuhause – auch für die Sportler hat sich das Leben durch das Coronavirus drastisch geändert.

Hamm - Patrick Polk, 27 Jahre alter Fußballer des Oberligisten SV Westfalia Rhynern, verrät in einem Gespräch mit Patrick Droste, wie er sich auf die neue Situation eingestellt hat.

Herr Polk, wie gehen Sie mit dem Coronavirus und dem veränderten Alltagsleben um?

Ich wollte eigentlich die Semesterferien (Anm. der Redaktion: Polk studiert Sport und Geschichte auf Lehramt) nutzen, um ein bisschen in den Lehrerjob hinheinzuschnuppern und erste Erfahrungen zu sammeln. Damit hatte ich vor drei Wochen angefangen. Doch das hat sich ja jetzt durch die Schließung der Schulen erledigt. Leider gab es an der Schule, an der ich als Vertretungslehrer gearbeitet habe, einen positiven Fall, so dass ich mich dann auch unter häusliche Quarantäne gestellt habe, obwohl ich mit dieser Person überhaupt keinen Kontakt hatte.

Das heißt, Sie sitzen jetzt nur zuhause und können sich sportlich überhaupt nicht betätigen?

Ich war jetzt eine Woche zuhause, habe in der Sonne auf dem Balkon gesessen und Bücher gelesen. Zuerst die Biographie von Robert Lewandowski, jetzt habe ich mir das Buch von Jakub Blaszczykowski, dem früheren BVB-Spieler, vorgenommen. Aber da ich keine Symptome wie Halsschmerzen oder Fieber aufweise und ich wie gesagt zu der Person keinen Kontakt habe, gehe ich jetzt auch raus und mache Sport, passe aber schon sehr darauf auf, keinen engen Kontakt zu anderen Menschen zu haben.

Wie sehen Ihre sportlichen Aktivitäten aus?

Am Dienstag bin ich zum Beispiel zuerst 20 km mit dem Rad gefahren. Von mir zuhause in Dortmund aus am Kanal entlang fast bis nach Waltrop. Danach habe ich mich noch mit Adrian Cieslak, meinem früheren Mitspieler, getroffen, der ganz bei mir in der Nähe wohnt. Er hat genauso wie ich von Rhynern von seinem aktuellen Verein RW Ahlen einen individuellen Plan bekommen, wie er sich fit halten soll. Wir haben schon darauf geachtet, dass wir uns nicht zu nahe kommen und Abstand halten – außer kurz für ein Foto. Aber es macht zu zweit einfach mehr Spaß zu trainieren als alleine. Man versucht, sein Bestes zu geben und dabei fußballspezifisch zu arbeiten. Wir haben Intervall-Läufe über 50, 70 und 100 Meter gemacht, danach noch einen Ausdauerlauf. Zuhause mache ich noch Dehnübungen und andere Workouts. Man versucht halt alles, um fit zu bleiben. Es ist aber natürlich etwas ganz anderes als das Training mit dem Team.

Also fehlen Ihnen das Mannschaftstraining in Rhynern und das Miteinander mit den Teamkollegen bereits jetzt?

Auf jeden Fall. Fußball ist sonst komplett in meinen Alltag integriert, ein Leben ohne Fußball kenne ich nicht. Und für uns ist das gerade besonders bitter. Durch die vielen Ausfälle hatten wir eine extrem lange Vorbereitung und waren alle so froh, als mit dem Nachholspiel in Erndtebrück die Rückrunde für uns endlich loszugehen schien, zumal wir da 2:0 gewonnen, ein gutes Spiel gemacht haben und alle heiß waren. Aber dann kam die nächste Hiobsbotschaft, dass die Saison mindestens bis zum 19. April ausgesetzt wird. Das ist super schade, aber die Gesundheit geht nun mal vor.

Wie ist Ihre Einschätzung: Wird es nach dem 19. April ganz normal weitergehen?

Derzeit scheint es da nicht nach auszusehen. Wenn jetzt alle Leute zuhause bleiben und wenig Kontakt zu ihren Mitmenschen haben und wenn dann die Zahlen der Neuerkrankungen zurückgehen, könnte es vielleicht klappen. Aber ich glaube da eher weniger dran. Wenn es dann doch dazu kommen sollte, dann bin ich gespannt, wie wir bis zum 24. Mai, dem geplanten Saisonende, unsere 16 Meisterschaftsspiele und das Pokal-Halbfinale austragen sollen. Da müssten wir ja alle zwei Tage spielen. Das wäre dann ein sportliches Programm. Vielleicht wird ja die Saison verlängert, um das zu entzerren und den Spielbetrieb vernünftig zu Ende zu bringen. Das wäre auch keine Wettbewerbsverzerrung, am Ende sitzen wir alle im selben Boot. Ich habe eigentlich mit Freunden schon eine Fernreise geplant für die Zeit nach dem Ende der Spielzeit. Aber da ja niemand weiß, wo man dann überhaupt hinfliegen kann, haben wir das erst einmal nach hinten verschoben.

Sie erhalten vom Verein für Ihr Fußballspielen eine kleine Aufwandsentschädigung. Wird die jetzt ausgesetzt oder erhalten Sie die weiter?

Wir wollten uns eigentlich mit der Mannschaft und den Verantwortlichen vom Verein zusammensetzen und das besprechen. Aber aufgrund der aktuellen Situation haben wir darauf verzichtet und das aus gesundheitlichen Gründen abgesagt. Aber das muss natürlich besprochen werden, damit man da eine für beide Seiten gute Lösung findet. In der 3. Liga und Regionalliga ist ja zum Beispiel teilweise schon auf Kurzarbeit umgestellt worden, weil die Vereine die vertraglich festgelegten Summen nicht bezahlen können, da die Klubs derzeit keine Einnahmen generieren können und nur Ausgaben haben. Es ist natürlich eine schwierige Situation. Vielleicht setzt man den Vertrag jetzt aus oder setzt einen neuen Vertrag mit anderen Bedingungen auf und passt diesen später, wenn alles wieder normal läuft, wieder an. Aber das muss man alles in Ruhe kommunizieren.

Im Frühjahr stellen Spieler und Vereine die personellen Weichen für die nächste Saison. Derzeit haben die Klubs aber ganz andere Sorgen. Wie sehen daher aktuell Ihre Planungen aus?

In der Tat müssen die Vereine jetzt erst einmal schauen, wie sie über die Runden kommen und diese schwierige Situation überstehen. Rhynern hatte dieses Jahr recht früh die Gespräche für die neue Saison aufgenommen, das haben wir jetzt erst einmal nach hinten geschoben. Aber ich könnte mir sehr gut vorstellen, in Rhynern in mein viertes Jahr zu gehen. Von der Truppe, vom Verein und von der Fahrerei her passt das alles gut.

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