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Rhynerns Michael Schäfers ist „herrlich bescheuert“ und hat einen großen Traum

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Von: Patrick Droste

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Fußballer, Kapitän, Vorsänger und Rhyneraner durch und durch: Michael Schäfers vom SV Westfalia.
Fußballer, Kapitän, Vorsänger und Rhyneraner durch und durch: Michael Schäfers vom SV Westfalia. © Foto: Beuning

Er ist erst 30 Jahre alt, doch Spitznamen hat er in seinem Leben bereits einige gesammelt. Michi, Schicha, wegen seiner zwischenzeitlichen Dauerwelle Locke oder ganz profan Schäfers wurde er schon gerufen.

Hamm - „Zurzeit mag ich am liebsten, wenn man mich Sichael nennt“, sagt Michael Schäfers, Fußballer des A-Kreisligisten Westfalia Rhynern II, der bei seinem Verein aber noch mehr Rollen eingenommen hat, als dass er Beinamen erhalten hat: Jugendspieler, junges Talent im Seniorenbereich, Leistungsträger, Kapitän, Spielertrainer und derzeit Routinier.

„Keiner kann widersprechen, dass Michi das Gesicht, die Leber, die Lunge und definitiv das Herz dieser Mannschaft ist. Er ist herrlich bescheuert, und dafür lieben wir ihn“, sagt Julius Schakulat, aktueller Mannschaftsführer der Rhyneraner Reserve über seinen Teamkollegen, der wohl wie kaum ein Zweiter das Papenloh-Herz in sich trägt. „Auch wenn unsere Erste seit Jahren die erfolgreichste Mannschaft in Hamm ist, sind wir ein Dorfverein, in dem gefühlt jeder jeden kennt. Man darf da der sein, der man ist. Ich glaube, so etwas gibt es nicht oft woanders“, erklärt Schäfers seine Liebe zum SV Westfalia.

50 000 Kilometer auf den Autobahnen

Dabei hat er berufsbedingt eigentlich kaum noch Zeit, um seinem geliebten Klub zur Verfügung zu stehen. Über 50 000 Kilometer legt er im Jahr in seinem Dienstwagen auf den Autobahnen in Deutschland, der Schweiz, Luxemburg, Belgien oder den Niederlanden zurück. Und dennoch ist der Hobbykicker, der nach Abschluss seines dualen Studiums im Industrieservice-Bereich auf Montage arbeitet und nach eigenen Angaben „viel in der Weltgeschichte unterwegs ist“, ein wichtiger Bestandteil der ehemaligen Dritten, die nun als Zweite aufläuft. „Einmal pro Woche verpasse ich meist das Training. Mit den Spielen ist das auch manchmal knapp. Aber dann sage ich meinem Chef auch mal, dass ich nicht schon sonntags nach Holland losfahre, sondern erst montagmorgens ganz früh“, erklärt er. „Aber dank der super Arbeit von Jörg Beuning haben wir einen großen Kader, da kann ich gut ersetzt werden, wenn ich mal nicht da bin.“

Michael Schäfers (links) beim Auswärtsspiel mit dem SV Westfalia Rhynern.
Michael Schäfers (links) beim Auswärtsspiel mit dem SV Westfalia Rhynern. © Foto: Beuning

In der F-II-Jugend hatte er vor vielen Jahren seine ersten fußballerischen Schritte unternommen, nachdem ihn sein bester Freund Andre Ebel zum Fußball geholt hatte. Anschließend durchlief er alle Jugendteams der Rhyneraner, wobei er meist in der zweiten Mannschaft zum Einsatz kam. „Da haben dann eher die gespielt, die besser bei einer anderen Sportart aufgehoben wären. Einer hatte sogar eine Rasenallergie“, sagt er und lacht. Als dann aber Thomas Schneider in der B- und A-Jugend sein Trainer wurde, kam auch bei Schäfers der Leistungsgedanke. So gehörte er nach seinem Wechsel in den Seniorenbereich zum Landesliga-Kader der Westfalia-Reserve, sammelte dort seine Einsätze („Ich war da aber eher Ergänzungs- als Stammspieler“), ehe er mit 22 Jahren für die Dritte in der Kreisliga C auflief: „Thomas Schneider hat mir das damals nahegelegt, weil er schon merkte, mit wie viel Herzblut ich Fußball spiele und dass er mir dafür nicht genug Einsatzzeiten geben konnte.“

Routinier ist ein wichtiger Bestandteil

Mit diesem Team, das er zwischenzeitlich als Spielertrainer betreute, stieg er zuerst in die Kreisliga B auf, ehe im Sommer 2020 der Sprung in die Kreisliga A gelang. Auch dort ist Schäfers mit seiner Routine ein wichtiger Bestandteil – auf, aber auch neben dem Platz. „Das sind meine Jungs, meine Kumpels, die ich schon seit zehn Jahren oder noch länger kenne. Ich war ja auch Coach in der Jugend bei uns und spiele jetzt mit den Jungs zusammen, die ich damals, als sie zwischen zehn und 17 Jahre alt waren, trainiert habe. Wir sind ein eingeschworener Haufen“, sagt Schäfers, der von sich selbst behauptet, dass er sich für keine Verrücktheit zu schade ist und dass er „auf jeden Fall einen Nagel im Kopf“ habe. „Aber bei uns wird jeder so akzeptiert, wie er ist“, stellt er klar.

Was für eine außergewöhnliche Mannschaft die Jungs um Schäfers herum sind, zeigt sich zum Beispiel beim berühmt-berüchtigten Disco-Dusching. Dann werden in der Dusche am Papenloh nach dem Training Discolichter aufgebaut und eine Bluetooth-Box eingeschaltet. „Dann geht die Party ab. Zwei, drei Bier dabei – am Tag danach ist man dann meistens kaputt. Daher dürfen wir diese Feten auch nie samstags machen, wenn am nächsten Tag ein Spiel ansteht“, erklärt er, will aber nicht näher ins Detail gehen: „Was in der Kabine passiert, bleibt in der Kabine.“

Auswärts mit dem Megafon

Auch in dem Regionalliga-Jahr der Westfalia hat Schäfers unterstrichen, welch facettenreicher Mensch er ist, als er mit einem Megafon in der Hand gerade bei den Auswärtsspielen den kleinen, meist 50 Mann starken Fanclub der Rhyneraner immer wieder animierte, das Team in der vierthöchsten Liga mit Anfeuerungsrufen zu unterstützen. „Das hat angefangen in Essen, da war das noch alles recht unkoordiniert. Da hat dann Sven Langenhorst gesagt, dass ich das machen soll, weil ich doch so viele Schlachtgesänge kennen würde. Und das habe ich dann gemacht“, sagt Schäfers, der sich nur zu gerne an die Auswärtspartien in Aachen auf dem Tivoli oder bei den Dortmunder Amateuren im Rote-Erde-Stadion erinnert. „Mir hat das einfach Bock gemacht. Mir ist da auch recht wenig peinlich. Ich denke, wir haben unseren Teil zu beigetragen, dass unser Verein in dem einen Jahr trotz des direkten Wiederabstiegs viele Sympathiepunkte gesammelt hat.“

An das Ende seiner Fußballer-Karriere hat er noch keinen Gedanken verschwendet. Zum einen fühlt er sich in der Truppe zu wohl, zum anderen hat er Andre Budde, der mit über 40 Jahren für den Bezirksligisten SVE Heessen aufläuft, als Beispiel vor Augen. „Ich habe mit Andre in Rhynern zusammengespielt. Ich denke, ich kann genauso wie er auch noch ein paar Jährchen spielen. Und so lange ich gebraucht werde, bin ich da“, betont er.

Außerdem hat er noch einen Wunsch, den er sich vor dem Ende seiner Karriere erfüllen will. „Ich möchte zumindest für eine Minute für unsere erste Mannschaft auflaufen. Da ich später noch bei den Alten Herren dabei sein will, hätte ich dann bis auf die Minis für alle Teams bei uns im Verein gespielt“, sagt Schäfers. Und wer weiß, vielleicht wird er dann noch einen weiteren Spitznamen erhalten.

Serie „Besondere Fälle“

„Besondere Fälle“ heißt die neue Serie, in der wir außergewöhnliche Spieler, verrückte Kicker, Stimmungskanonen, Kümmerer oder treue Seelen vorstellen, die in den Hammer Klubs auf und neben dem Platz wirken.

Folge 1: Erol Akyüz (TSC Hamm)

Folge 2: Michael Schäfers (Westfalia Rhynern)

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