Interview mit dem Coach des SV Westfalia Rhynern

Björn Mehnert: "Ich bin kein Trainer für eine Nacht"

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Trainer Björn Mehnert verfolgt ehrgeizige Ziele. Ob diese deckungsgleich mit den Plänen des SV Westfalia Rhynern sind, wird sich bis zum Saisonende zeigen.

Hamm - Während alle anderen Oberliga-Teams am Wochenende noch einmal um Punkte kämpfen, können die Fußballer des SV Westfalia Rhynern bereits die Füße hochlegen und die Weihnachtspause genießen. In einem Gespräch mit Patrick Droste verrät Trainer Björn Mehnert, was in der Hinserie am Papenloh alles schief gelaufen ist, was im neuen Jahr besser werden soll und wie er persönlich mit der zwischenzeitlichen Krise umgegangen ist.

Herr Mehnert, wie entspannt können Sie Weihnachten feiern, nachdem Ihre Mannschaft die beiden letzten Spiele in diesem Jahr gewonnen hat?

Mehnert: Ich bin zumindest etwas beruhigter, nachdem zuvor zwei Drittel der Hinserie nicht so waren, wie wir uns das vorgestellt hatten. Im letzten Drittel ist es dann besser geworden, auch von der Punkteausbeute her. Da haben wir uns ein bisschen Luft nach unten verschafft, aber ausruhen können wir uns nicht. Die Liga ist in diesem Jahr so brutal.

Was lief lange Zeit in Rhynern schief, so dass die Westfalia zwischenzeitlich bis auf den vorletzten Platz abgestürzt war? 

Mehnert: Da gibt es mehrere Gründe. So hat sich nach dem Ausfall von Aaron Vasiliou zum Beispiel unsere Kaderplanung bis in die Vorbereitung hinein gezogen, so dass die neuen Spieler erst spät fit und integriert waren. Hinzu kam der Erfolg der Vorsaison. Ich konnte das realistisch einschätzen. Denn wir waren da am Maximum, manchmal sogar über dem Maximum. Aber das war nicht jedem Spieler klar. Manch einer dachte, es geht genauso weiter. Aber wenn man oben bleiben will, muss man noch mehr tun als vorher.

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Gab es eine Phase, wo Sie sich selbst und Ihre Arbeit angesichts des ausbleibenden Erfolgs in Frage gestellt haben? 

Mehnert: Ich weiß, dass ich in Rhynern sehr gute Arbeit geleistet habe und auch jetzt leiste. Und ich wusste auch, dass ich in der Lage bin, so eine Situation zu meistern, denn ich mache ein gutes Training, stelle die Jungs gut auf die Spiele ein. Und da ich früher ja auch Spieler war, kenne ich beide Seiten und konnte die Sache gut einschätzen und auch gut damit umgehen.

War es trotzdem eine besondere Herausforderung für Sie, zumal Sie zwischenzeitlich sogar die Frage nach dem Sinn Ihrer Trainertätigkeit am Papenloh gestellt hatten? 

Mehnert: Ja klar war das eine besondere Herausforderung. Wenn man Erfolg hat, ist vieles einfacher, dann läuft fast alles von alleine. Aber wenn der Erfolg mal ausbleibt, dann zeichnet es einen Trainer aus, wie er mit der Mannschaft die Kurve kriegt. Für mich war die Situation jedenfalls sehr lehrreich und hat mir geholfen, mich weiter zu entwickeln.

Jürgen Klopp hat bei Borussia Dortmund im Frühjahr nach sieben Jahren freiwillig einen Rückzieher gemacht und gesagt, wenn er weiter beim BVB bleibe würde, müsse sich einiges ändern. Oder er gehe, dann kann vieles so bleiben, wie es ist. Gibt es da Parallelen zu Ihnen und Westfalia Rhynern? 

Mehnert: Es gibt nicht nur Parallelen zu Dortmund, sondern auch zum Karlsruher SC, der nach dem Fast-Aufstieg in die Bundesliga im Sommer nun Probleme hat. Oder zu Borussia Mönchengladbach. Nach der starken Vorsaison lief es bei den Gladbachern am Anfang dieser Spielzeit auch überhaupt nicht. Das ist dieses Phänomen, dass die Spieler schneller selbstzufrieden werden. Dasselbe wie vorher reicht dann nicht mehr, um dasselbe zu erreichen.

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Drei Spieler verlassen den Verein, zwei oder drei weitere sollen noch folgen. Warum gibt es so große personelle Korrekturen in der Winterpause? Hatten Sie im Sommer auf die falschen Akteure gesetzt? 

Mehnert: Es war einfach den Umständen geschuldet, dass wir erst spät Korrekturen am Kader vorgenommen haben. Dadurch haben wir uns mit dem einen oder anderen Neuzugang nicht so intensiv beschäftigt wie wir es sonst gemacht haben. Und aufgrund unserer finanziellen Möglichkeiten müssen wir auch immer hoffen, dass die personellen Entscheidungen passen, das hat bei dem einen oder anderen auch nicht so geklappt wie wir es uns erhofft hatten. Aber es lag nicht nur an den Neuzugängen. Auch die Spieler, die schon vorher da waren, haben nicht die Leistung gezeigt, die wir erwartet hatten.

Wo wir gerade bei Personalien sind: Wie wird es mit Ihnen am Papenloh weitergehen? Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Westfalia im nächsten Sommer einen neuen Trainer suchen muss? 

Mehnert: Da kann ich derzeit nichts zu sagen. Ich bin ein ehrgeiziger und erfolgsbessener Trainer, der gewisse Ziele erreichen will. Und ich muss das Gefühl haben, dass ein Verein genauso ehrgeizig ist, dass er voran kommen will. Denn Stillstand bedeutet Rückschritt. Ich habe mir als Spieler schon immer ganz genaue Ziele gesetzt, das mache ich auch als Coach. Ich will als Trainer an die Tür zur Regionalliga anklopfen oder in dieser Liga eine Mannschaft trainieren – das ist das Mindeste, und dafür lebe ich als Fußballtrainer.

Haben Sie Angst, dass Sie in Rhynern in einer Sackgasse sind, dass Ihnen aufgrund der langen Zusammenarbeit die Wege zu anderen Vereinen verbaut sind? 

Mehnert: Es kann natürlich sein, dass man in die Schublade gesteckt wird, man sei mit einem Verein verheiratet. Aber das ist bei mir nicht der Fall. Ich bin mit Westfalia Rhynern nicht verheiratet. Ich bin Andreas Kersting (Anm. der Redaktion: Sportchef in Rhynern) dankbar dafür, dass er mich damals geholt hat und mir diesen Einstieg auf hohem und gutem Niveau ermöglicht hat. Dass ich so lange in Rhynern arbeite, muss aber auch keine Sackgasse sein, sondern kann auch von einem anderen Verein positiv gesehen werden: Nämlich, dass ich nicht jedes Jahr eine neue Station in meiner Vita habe, sondern kontinuierlich arbeite, mich mit Mannschaft und Verein identifiziere, dort wo ich arbeite. Ich bin kein Trainer für „eine Nacht“ (lacht).

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Kommen wir zurück zur sportlichen Situation in der Oberliga. Der Vorsprung auf einen Abstiegsplatz ist hauchdünn, der Rückstand nach oben aber auch nicht sehr groß. Was ist von der Westfalia in der Rückrunde noch zu erwarten? Was sind Ihre Ziele? 

Mehnert: Unser Blick geht weiter ganz klar nach hinten. Die meisten anderen Teams haben ein oder zwei Spiele weniger als wir absolviert. Außerdem stehen mit Stadtlohn und der Hammer SpVg zwei Mannschaften hinter uns, die in der Rückserie kommen werden und da auf keinen Fall hingehören, wo sie momentan stehen. Für uns heißt das, dass wir hart arbeiten müssen.

Wird harte Arbeit allein reichen? 

Mehnert: Es muss sich einiges ändern – auch in den Köpfen der Spieler. Es darf jetzt keiner denken: Wir haben zweimal gewonnen, es läuft doch. So wird es nicht funktionieren. Ja, wir müssen hart arbeiten. Aber es muss auch jeder bereit sein vom Kopf her. Denn die Rückrunde wird noch schwerer als die Hinserie. Die Liga ist extrem eng, jeder kann jeden schlagen, da muss man höllisch aufpassen.

Mit Cihad Kücükyagci steht ein Neuzugang fest, was für Spieler sollen noch folgen? Welche Kriterien müsse sie erfüllen? 

Mehnert: Es gibt nur ein Kriterium, das für mich zählt: Die Jungs müssen Bock auf Fußball haben, die müssen Lust haben, vier- oder fünfmal mit uns zu trainieren. Da ist es mir egal, ob derjenige 18 oder 19 Jahre alt ist oder schon 35 Lenze auf dem Buckel hat. Fakt ist, dass wir auf den Außenverteidigerpositionen was machen müssen. Markus Maier und Felix Böhmer waren fest eingeplant, aber da haben wir durch ihre Ausfälle Nachholbedarf. Auch vorne sollte noch was passieren, unser Flügelspiel, das uns in der Saison zuvor so stark gemacht hat, ist uns ein wenig abhanden gekommen.

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