Fußball

René Lewejohann und Björn Mehnert vermissen ihre Leidenschaft

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Zwei Trainer auf Abruf: René Lewejohann (links), Ex-Coach der Hammer SpVg, und Björn Mehnert, früherer Übungsleiter des SV Westfalia Rhyern, sind aktuell ohne Job.

René Lewejohann, Ex-Trainer der Hammer SpVg und Björn Mehnert, früherer Coach von Westfalia Rhynern, sind derzeit auf der Suche nach einer neuen Herausforderung - was schwierig ist in Zeiten von Corona.

Hamm - Der Wettkampf-Sport liegt derzeit Brach. Für die Handballer, Volleyballer, Tischtennisspieler und viele andere auch sind die Spielzeiten schon abgebrochen, für die Fußballer derzeit noch unterbrochen. Es sind aber nicht nur die Aktiven, die unter dem Coronavirus leiden und ihre Lieblingstätigkeit nicht mehr ausüben dürfen. Sondern auch die Trainer können nur abwarten, was in den kommenden Wochen und Monaten passiert. 

Besonders hart ist die Zeit aber für die Coaches, die derzeit gar keinen Posten inne haben. So wie der in Hamm lebende

Björn Mehnert, der Anfang Januar beim Fußball-Oberligisten SC Wiedenbrück entlassen worden war

und seitdem auf ein neues Engagement hofft. Und für

René Lewejohann, der Ende Januar von der Hammer SVg vor die Tür gesetzt worden war

und auch noch keinen neuen Trainerposten gefunden hat. „Man hängt komplett in den Seilen. Gesegnet sind die, die einen Job haben”, sagt Lewejohann. Und Mehnert betont angesichts der Tatsache, dass überall die Planungen für die neue Saison fast komplett auf Eis liegen und keiner weiß, wann und wie es weiter geht: „Das ist schon blöd und sehr bescheiden.”

Lewejohann hatte die Zeit nach seiner Demission im Hammer Osten nutzen wollen, um sich fortzubilden. So hatte er bei der U19 des Zweitligisten VfL Bochum hospitiert und Trainer Matthias Lust bei seiner Arbeit über die Schulter geschaut. Anschließend wollte er in die Niederlande reisen und Peter Hyballa vom Erstligisten NAC Breda bei seinem Job begleiten. „Aber durch das Virus hat das leider nicht geklappt”, sagt der frühere HSV-Coach, der daher viel zuhause vor dem Laptop sitzt, sich Spiele anschaut und die Partien anaylsiert.

Lewejohanns Lauf-Aktion ist ein voller Erfolg

Dennoch fehlt ihm der Kontakt zu den Spielern, zu anderen Trainern und zu den Vereinsverantwortlichen. Daraus macht er keinen Hehl. „Man telefoniert viel, aber das kann die Nähe und das Miteinander sowie den Gang ins Stadion nicht ersetzen”, meint Lewejohann, der gerne zur neuen Saison wieder eine Mannschaft trainieren würde, aber noch nicht den passenden Klub gefunden hat. „Klar ist das derzeit alles sehr schwer. Nirgendwo wird ein Trainer wegen Erfolglosigkeit entlassen, überall warten alle ab, wann und wie es weiter geht. Der globale Fußball steht vor einer nie dagewesenen Situation“, sagt er – und fügt schon fast ein wenig trotzig hinzu: „Trotzdem ist es nicht unmöglich.” So hat er bereits mit möglichen neuen Arbeitgebern lockere Gespräche geführt, aber zu einem Abschluss ist es noch nicht gekommen. „Man muss sich mit der Aufgabe identifizieren und eine gute Basis haben, um zu arbeiten“, sagt er.

Daher ist er derzeit viel zuhause und spielt mit seinem drei Jahre alten Sohn, der offensichtlich enorm unter der Langeweile seines Vaters leiden muss. „Den habe ich mindestens schon 30 Mal umgegrätscht. Und er ist schon einige Male vom Trampolin geflogen. Der braucht keinen Schutzanzug mehr”, sagt Lewejohann mit einem Zwinkern in den Augen. Zudem treibt er viel Sport und versucht dabei über die sozialen Medien wie Instagram, viele Mitmenschen zum Mitmachen zu motivieren. „Ich markiere dann Freunde oder auch viele Ex-Profis, das klappt super”, sagt er.

Es funktioniert mittlerweile sogar so gut, dass Sky Sport News HD auf seine Aktion aufmerksam geworden ist und ihn am vergangenen Sonntag mit einem Kamerateam begleitet hat, um über Lewejohann und seine Trainingseinheiten einen Beitrag zu drehen. Auch andere Sportler sind von Lewejohanns Kampagne sehr begeistert. Mandy „Monster“ Böhm, Weltmeisterin im Mixed-Martial-Arts (MMA), schwärmt zum Beispiel in den höchsten Tönen. „Lewe bringt uns zusammen und vermittelt ein Gefühl von Gemeinschaft – und das in Zeiten von Social Distancing“, schreibt sie auf Facebook. „Eine Eigenschaft, die seine Qualität als Trainer sowie als Mensch unterstreicht. Ich kenne keinen Zweiten, der von Profiboxern über MMA-Kämpfer und Fußballer alle unter einen Hut bekommt.“

Mehnert plötzlich nur noch auf der Tribüne

Auch Björn Mehnert, von 2011 bis 2017 Trainer des SV Westfalia Rhynern, muss derzeit schweren Herzens ohne Fußball auskommen. „Gerade jetzt in dieser Zeit Ende April oder Anfang Mai, wenn es normalerweise um den Auf- oder Abstieg geht, freut man sich auf Fußball und schaut sich besonders gerne Spiele an”, sagt der 43 Jahre alte Ex-Profi. „Aber leider lässt die Situation das nicht zu.”

Bereits Anfang des Jahres hatte er eine schwermütige Phase zu überstehen. Seine Entlassung beim Oberliga-Spitzenreiter SC Wiedenbrück, mit dem er dem direkten Wiederaufstieg in die Regionalliga entgegensteuerte, hatte ihn hart getroffen. „Das tat schon weh”, gibt er unumwunden zu. „Das war meine Mannschaft, die ich zusammengestellt und aufgebaut hatte. Das war schon sehr emotional für mich.”

Anschließend musste er erstmals in seiner Trainerkarriere damit leben, das Geschehen aus der Ferne zu beobachten und nicht unmittelbar an der Seitenlinie involviert zu sein. So verfolgte er Begegnungen von der 3. Liga bis zur Landesliga herunter von der Tribüne aus als Zuschauer und versuchte, mit Spielern und Vereinsvertretern in Kontakt zu bleiben, suchte den intensiven Austausch mit Trainerkollegen.

Komisches Gefühl ohne Fußball

Doch seitdem der Spielbetrieb wegen des Coronavirus eingestellt ist, bleiben ihm als einziges das Lesen von Büchern über Taktik oder Mannschaftsführung sowie der heimische PC, um sich im Internet alte Spiele anzuschauen. „Das ist schon neu und daher auch komisch, gar keinen Fußball zu haben”, sagt er und hofft, dass der Ball möglichst schnell wieder rollt und er auch zeitnah wieder als Trainer einsteigen kann. „Aber leider weiß ja keiner, wann es weitergeht. Überall ist das Vereinsleben auf Null heruntergefahren, und die großen Vereine kämpfen genauso wie die kleinen Klubs um ihre Existenz.”

Er selbst besitzt beim SC Wiedenbrück noch bis zum 30. Juni 2021 einen Vertrag, hat aber nicht vor, so lange seine große Leidenschaft nur als Zuschauer zu verfolgen. „Dafür liebe ich den Fußball viel zu sehr”, meint er und kann nur auf das Prinzip Hoffnung setzen: dass der Kampf gegen das Virus gewonnen wird, und dass er einen neuen Verein findet, bei dem er wieder als Trainer arbeiten kann.

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