Reiten

Osterhoff freut sich über die ersten Lichtblicke

Mit der Oldenburger Stute Chacenny erzielte die Hammer Springreiterin Zoe Osterhoff auch international hervorragende Ergebnisse.
+
Mit der Oldenburger Stute Chacenny erzielte die Hammer Springreiterin Zoe Osterhoff auch international hervorragende Ergebnisse.

Nach dem Tod ihres Spitzenpferdes Chacenny erzielt Zoe Osterhoff ein gutes Ergebnis mit It’s a Miracle in Valkenswaard

Hamm - Es sollte ein sportlich interessantes Jahr werden. Eines, das die Hammer Springreiterin Zoe Osterhoff nach einem Neustart weiter nach vorne bringen sollte. Nicht zuletzt deshalb trennte sie sich von ihrem Trainer und Geschäftspartner Alexander Bontemps und wechselte Anfang März nach Holwierde bei Groningen in den Stall des niederländischen Teamweltmeisters Jur Vrieling. Die Teilnahme an der Global Champions Tour (GCT), höchst dotierte Serie weltweit, versprach Erfolg. Doch es folgten herbe Rückschläge. „Im Moment läuft einfach alles nur sehr unglücklich“, sagt die 22-Jährige – auch wenn es für sie ab und an Lichtblicke gibt.

Besonders hart getroffen hat Osterhoff der Tod ihres Spitzenpferdes – nicht nur aus sportlichen Gründen. Chacenny, die 14-jährige Oldenburger Stute, erholte sich nicht mehr von einer schweren Kolik. „Wenn ich darüber rede, habe ich gleich wieder einen dicken Kloß im Hals. Das zieht einen schon sehr runter, denn sie war weitaus mehr als nur mein Sportpartner über eine lange Zeit. Wir haben uns alles von den ersten schweren Springen an zusammen aufgebaut“, sagt Osterhoff.

2017 hatte sie die Braune von Pia-Katharina Beeking übernommen, und nach ein bisschen Anlaufzeit standen zum Beispiel Top-Platzierungen in der Global Champions Tour in Doha, Platz acht im Großen Preis des Viersterne-Turniers vor dem Schloss in Münster, Platz sieben im Weltcup-Springen von Posen oder der zweite Platz im offiziellen Nationenpreis von Deutschland bei den Jungen Reitern zu Buche. In der Weltrangliste ging es bis dahin nach oben, Osterhoff gehörte weltweit zu den Besten im U25-Nachwuchsbereich.

Zu diesem schweren Schlag gesellte sich eine Verletzung bei ihrer Nummer zwei, Elovely. Schon im Mai bei der GCT-Etappe in St. Tropez hatte sich der Wallach nicht von seiner besten Seite gezeigt: „Wir haben sofort gemerkt, dass irgendetwas nicht stimmt, weil er nicht seine gewohnte Leistung gezeigt hat.“ Es stellte sich heraus, dass sich das Pferd unglücklich selbst in die Vorderläufe getreten hatte, als es in einem Springen stolperte. „Es war jetzt nichts schwerwiegendes, aber er hat halt immer wieder versucht, das Bein zu entlasten.“ Der Tierarzt und der gesunde Menschenverstand sagten sofort: Pause. Inzwischen ist der 12-jährige Wallach auf dem Weg zurück zu alter Stärke. „Ich merke, dass es bei ihm immer besser wird“, sagt Osterhoff.

So standen ihr für die weiteren Stationen auf der Global Tour gegen die Besten der Welt nur noch zwei Pferde zur Verfügung: Ferrari VDL, ein 11-jähriger Wallach, sowie die erst 8-jährige Schimmelstute It’s a Miracle, die noch in der Youngster-Tour starten dürfte. Diese entpuppte sich tatsächlich als ein kleines Springwunder, verhalf ihrer Reiterin zu Platzierungen in Weltranglistenspringen in Prag, Valkenswaard, London und am vergangenen Wochenende erneut in Valkenswaard.

Da gab es im Rahmen der Global Champions Tour in einem 1,45-Meter-Springen den zweiten Platz hinter dem Franzosen Julien Epaillard mit Billabong du Roumois – und damit viele Zähler, um den – aus bekannten Gründen zwangsweisen – Absturz in der Weltrangliste abzufedern. „Und natürlich auch Geld“, sagt Osterhoff, die die 5 100 Euro Prämie gerne mitgenommen hat. „Es ist ein sooo cooles Pferd, und es macht sooo viel Spaß...“, freut sie sich über It’s a Miracle, die sich im Familienbesitz befindet. In Valkenswaard brachte die 22-Jährige eine weitere Nachwuchshoffnung an den Start: Hawaii-S, eine sehr gute, aber unerfahrene 9-jährige Stute. „Aber ich habe gemerkt, sie braucht noch ein bisschen Zeit, und ich habe da zu früh zu viel von ihr gewollt“, sagte Osterhoff, nachdem sie in einem 1,45-Meter-Springen aufgeben musste: „Sie ist zwar neun Jahre alt, aber als Sportpferd eher auf dem Stand einer 7-Jährigen.“ Das hat seine Gründe. Die von Inshallah de Muse aus einer Vermont-Mutter gezogene Niederländerin war für eine Springkarriere irgendwie nicht vorgesehen, sondern als Zuchtstute und sogar im Schulbetrieb im Einsatz. Eine Freundin hatte Osterhoff schließlich auf das Pferd aufmerksam gemacht. „Aber für die Global Tour reicht es in diesem Jahr noch nicht. Da kann man nun einmal nicht mit jedem Pferd hinfahren“, sagt sie.

So wird Zoe Osterhoff am Wochenende wieder mit Ferrari VDL und It’s a Miracle die deutsche Tour-Station in Hamburg anfahren: „Wir werden unser Bestes geben, Ferrari fühlt sich frisch und super an.“ Ob es die letzte Etappe in diesem Jahr neben dem Tour-Finale in Prag („Da ist richtig Spektakel“) sein wird, lässt die Hammerin noch offen. Shanghai ist inzwischen abgesagt worden, New York stand sowieso nicht auf ihrem Plan, und bei Rom als letzter Station in Europa zögert sie noch.

„Es war jetzt extrem viel los. Okay, die Global Tour macht natürlich viel Spaß, aber ich habe ja nicht nur zwei Pferde im Stall. Hawaii-S zum Beispiel braucht jetzt sehr viel Aufbauzeit.“ Im September werden noch einige Turniere draußen stattfinden, dann geht es nahtlos in die Hallensaison über. Da sind dann keine Turniere mehr auf Fünfsterne-Niveau, sondern eher kleinere mit zwei oder drei Sternen eingeplant. Die Zentren Peelbergen oder Opglabbeek zum Beispiel ließen sich von Holwierde aus recht komfortabel anfahren. „Und vielleicht“, sagt Osterhoff, „klappt’s ja auch noch mit ein bisschen Urlaub – eine Woche Strand und Meer. Einfach mal richtig durchatmen...“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare