Bislang kein Ausweichstadion

Getrübte Freude in Rhynern: Regionalliga-Lizenz ist in Gefahr

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Arnulf Kleine, der Vorsitzende des SV Westfalia Rhynern, kann die Erfolgsserie der Oberliga-Mannschaft nur bedingt genießen.

Hamm - Westfalia Rhynern mischt in der Oberliga ganz oben mit. Der Vorsitzende Arnulf Kleine kann sich darüber nur bedingt freuen - Schuld ist ein Problem mit dem Lizenzierungsverfahren. 

Durch den glücklichen 4:3-Sieg bei der Spvgg. Erkenschwick und die gleichzeitigen Punktverluste der Konkurrenten im Aufstiegsrennen hat Oberligist SV Westfalia Rhynern wieder gute Karten, den Sprung in die Fußball-Regionalliga zu schaffen. Welche Probleme der Verein vom Papenloh allerdings hat, die Lizenz für die vierte Liga zu erhalten, verrät der Vorsitzende Arnulf Kleine in einem Gespräch mit Patrick Droste.

Herr Kleine, sehen Sie den derzeitigen Höhenflug der Mannschaft von Trainer Björn Mehnert mit Freude oder auch mit Sorge?

Arnulf Kleine: Aus sportlicher Sicht bereitet mir der Blick auf die Tabelle derzeit natürlich viel Freude. Wir können nicht nur die Mannschaften, die unbedingt in die Regionalliga aufsteigen wollen, gehörig unter Druck setzen, sondern haben selbst die Chance, den Sprung zu schaffen und Erster oder Zweiter zu werden.

Und was bereitet Ihnen weniger Freude?

Kleine: Das Lizenzierungsverfahren des Westdeutschen Fußball- und Leichtathletik-Verbandes. Im Gegensatz zu anderen Verbänden haben wir die Fristen sehr früh gesetzt bekommen. Dadurch ist ein kleiner Verein, wie wir es sind, kaum in der Lage, das umzusetzen. Wir wissen derzeit doch noch gar nicht, ob wir tatsächlich in die Regionalliga aufsteigen. Und trotzdem müssen wir schon verschiedene Dinge erfüllt haben.

Rhynern bittet um Frist-Verlängerung

Was ist denn aktuell das dringendste Problem?

Kleine: Wir können derzeit kein Ausweichstadion benennen, wo wir die so genannten Risikospiele wie gegen RW Essen, Alemannia Aachen oder Wuppertaler SV austragen können. Bis zum ersten Abgabetermin der Unterlagen hatten wir kein Stadion – und wir haben auch jetzt noch keines. Die Frist ist jetzt bis Ende dieser Woche verlängert worden, aber mit einem Schreiben vom Dienstag haben wir um eine erneute Verlängerung gebeten. Wir sind absolut bemüht, eine schriftliche Genehmigung zu bekommen, aber noch haben wir keine für ein Ausweichstadion.

Welche Stadien stehen denn dabei zu Auswahl?

Kleine: Wir haben beim SV Lippstadt und bei Borussia Dortmund für das Stadion Rote Erde angefragt, aber zwei Absagen erhalten. Bei RW Ahlen haben wir aufgrund der Widerstände der Polizei noch keine Zusage bekommen. Eine weitere Möglichkeit wäre das Stadion von SuS Hüsten, wo schon mal ein DFB-Pokalspiel stattgefunden hat. Aber der zuständige Mann, der dies zu entscheiden hat und uns eine Zusage geben kann, hat derzeit Urlaub und kommt erst in der nächsten Woche zurück.

Was ist das Problem beim Stadion am Papenloh?

Kleine: Vor zwei Jahren hatten wir ja schon einmal die Lizenz für die Regionalliga beantragt. Da ist uns gesagt worden, dass wir 70 bis 75 Prozent der Heimspiele bei uns auf dem Platz austragen könnten. Da müssten wir nur ein paar wenige Dinge umbauen, das wäre kein Problem und ist zu schaffen.

Ausweichstadion Evora Arena?

Das heißt, ohne die Zusage aus Hüsten wäre das Thema Regionalliga für den SV Westfalia Rhynern gestorben?

Der Papenloh in Rhynern

Kleine: Nein, wir stehen auch noch in Kontakt mit der Stadt und der Hammer SpVg wegen der Evora Arena. Dort wird ja auch versucht, das Stadion tauglich für die Regionalliga zu machen. Und da dies ein städtisches Stadion ist, wäre das auch noch eine Ausweichmöglichkeit für uns – wenn es entsprechend umgebaut wird.

Angesichts dieser ganzen Probleme – wie viel Freude haben Sie da überhaupt noch an den Siegen Ihres Teams?

Kleine: Das trübt natürlich den sportlichen Erfolg. Es ist aber ganz allgemein eine schwierige Situation. Wir müssen die Probleme dieser Lizenzierung bewältigen. Und gleichzeitig müssen wir auch eine neue Mannschaft zusammenstellen – ohne zu wissen, in welcher Liga wir in der nächsten Saison spielen.

"Könnte das nervlich nur schwer aushalten"

Für die Fußballfans in Hamm ist es aber eine überaus spannende Situation, denn im Optimalfall könnten Rhynern und auch die HSV aufsteigen?

Kleine: Es ist in der Tat unglaublich eng oben im Aufstiegsrennen. Ich mag gar nicht daran denken, dass es vielleicht im Mai zu einem vorentscheidenden Spiel in der Evora Arena kommen kann, wenn wir dort auf die HSV treffen. Ich persönlich könnte das nervlich nur schwer aushalten. Aber unsere Mannschaft hätte sich dieses Spiel verdient. Man kann nur den Hut vor dem ziehen, was der Trainer und die Jungs in dieser Saison leisten – und das bei Konkurrenten wie Erndtebrück, HSV und Lippstadt, alles Mannschaften, die in finanzieller Hinsicht viel mehr Potenzial haben als wir.

Käme der mögliche Aufstieg nicht ein Jahr zu früh? Wäre es nicht besser, sich in in der Oberliga neu aufzustellen? Denn im Sommer wird es einen personellen Umbruch innerhalb der Mannschaft geben, und mit Marko Schott übernimmt ein neuer Trainer das Kommando.

Kleine: Das stimmt natürlich. Aber wir können und werden der Mannschaft nicht den Drive nehmen, den sie derzeit hat. Wenn die Truppe den Aufstieg schaffen sollte, hat sie den verdient, und wir werden alles unternehmen, um das entsprechend zu unterstützen und zu fördern.

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