Mit dem Ziel, die Vereine zu entlasten

Reform auf dem Vormarsch: Droht dem B-Jugendfußball bald das Aus?

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Die C-Junioren der Hammer SpVg (rotes Trikot) spielen in der Westfalenliga. Sollte sich auch der Westdeutsche Fußballverband mit der Reform beschäftigen, würden C-Jugendfußballer künftig direkt in die älteste Nachwuchsklasse wechseln.

Von Grund auf reformieren will der Bayerische Fußballverband (BFV) den Jugendbereich auf Kreisebene. Momentan ist es noch nicht mehr als eine Idee, die im fernen Süden ihre Wurzeln schlägt.

Hamm - Doch eines Tages könnte es auch in Nordrhein-Westfalen zu jener Reform kommen. Für die Funktionäre im Hammer Amateurfußball muss diese dann aber besser durchdacht werden.

Die Nachwuchsprobleme ziehen sich quer durch den deutschen Juniorenfußball. Sorgenfalten sind nicht nur bei den Koordinatoren im Westdeutschen Fußballband (WDFV) zu sichten, sondern auch im Süden der Republik. Dort bastelt der BFV derzeit an einer Reform, die den Vereinen die Jugendarbeit erleichtern soll.

Das Augenmerk liegt dabei auf der A- und B-Jugend, die in ihrer bisherigen Struktur jeweils zwei Jahrgänge abdecken. Doch eine Einteilung in U17 und U19 könnte, zumindest auf Kreisebene, bald der Vergangenheit angehören. Christian Bernkopf, Kreisvorsitzender Niederbayern Ost, stellte Mitte Januar das neue Konzept vor, von dem höherklassige Mannschaften ausgeschlossen wären.

B-Junioren müssten fortan in der A-Jugend ran

Grundsätzlich sieht die Umstrukturierung eine Auflösung der B-Jugend-Mannschaften vor. Zudem wird der U19-Jahrgang dem Herrenbereich zugeordnet, sodass die Jahrgänge U16, U17 und U18 die neue A-Jugend bilden. U19-Spieler haben keine Spielberechtigung mehr für den Juniorenbereich.

Wenn es Vereine gibt, die nach wie vor eine reine U17 stellen wollen, will der BFV eine separate B-Jugend-Kreisliga anbieten, die den Aufsteiger in die U17-Bezirksoberliga (BOL) ausspielt. Der Absteiger aus der BOL würde wiederum in dieser separaten Liga eingegliedert werden. Sollte nicht mehr genug Interesse für einen U17-Spielbetrieb bestehen, werde es ein Qualifikationsturnier geben.

Damit will der Verband dem mangelnden Nachwuchs im Jugendbereich entgegensteuern. Für Ingo Müller, Vorsitzender der Jugendabteilung des SVE Heessen, ist es kein Zufall, dass jene Überlegung aus Bayern stammt: „Für ländliche Gebiete, in denen es den Vereinen schwerfällt, ihren Nachwuchs aufrechtzuerhalten, halte ich die Idee für sinnvoll.“ Dort sei die Personalnot der Jugendteams akuter.

„Aber in den Ballungsräumen wie dem Ruhrgebiet und Hamm, ist so eine Reform gar nicht notwendig. Zwar gibt es hin und wieder Fusionen von Vereinen, aber im Moment kann doch fast jeder Verein eine Jugendmannschaft stellen. Da können wir in zehn Jahren noch einmal drüber sprechen.“

Idee stößt auf Anklang, wo die Not größer ist

Während der SVE in jedem Jahrgang mindestens eine Mannschaft an den Start schickt, sind die Juniorenabteilungen beim 1.FC Pelkum deutlich ausgedünnter. „Aktuell stellen wir nur Teams von den Mini-Kickern bis zur D-Jugend“, schildert Junioren-Geschäftsführerin Sabine Biel. „Das liegt daran, dass unsere Fusion mit dem TuS Wiescherhöfen vor wenigen Jahren geplatzt ist und unsere Spieler trotzdem rübergewechselt sind.“

Folgerichtig musste der Klub aus dem Hammer Westen seinen Jugendbereich wieder von unten aufbauen. „Ab dem kommenden Jahr haben wir dann erstmals wieder eine C-Jugend“, berichtet Biel und hofft, dass schon bald auch die älteren Jahrgangsstufen wieder besetzt werden. „Aber es wird immer schwieriger in Zeiten, in denen jeder Verein um seinen Nachwuchs kämpfen muss. Deshalb könnte eine Reform durchaus sinnvoll sein, um die Vereine zu entlasten.“

Bis eine Veränderung tatsächlich in die Tat umgesetzt und auch in NRW angekommen ist, könnte Pelkum seine Wehwehchen aber schon ganz alleine in den Griff bekommen haben. Denn es handelt sich um einem bloßen Vorschlag, über den sich jetzt erst die Vereinsverantwortlichen Gedanken machen sollen, ehe weiter an der Idee gefeilt wird.

Modell muss noch reifen

Betroffen sind auch die Seniorentrainer, schließlich müssen sie die Jugendspieler nach einer Reform früher in die Herrenteams eingliedern. „Der Übergang für die Jugendspieler würde schwer werden“, kommentiert Sven Pahnreck, Trainer der ersten Mannschaft des SVF Herringen, das Gedankenspiel. „Denn der Unterschied zwischen den Spielern der A-Junioren in der Kreisliga A und den Senioren in der Kreisliga A ist jetzt schon groß. Und im Zuge einer Reform würden die Jungen nach der U18 hochkommen, der Sprung wäre noch größer“, mutmaßt Pahnreck.

Ein ähnliches Problem sieht Ingo Müller derweil bei einem direkten Schritt von der C- in die A-Jugend, wenn ein 15-Jähriger plötzlich unter den ältesten Jugendspielern mitmischen muss. „Da wird der Abstand auch einfach zu groß und Spieler der selben Jugend liegen körperlich zu weit auseinander“, kritisiert der Jugendvorsitzende.

Der erschwerte Übergang für die Jugend bleibt nicht der einzige Kritikpunkt der Hammer Funktionäre. Christoph Golombeck vom Kreisjugendausschuss bemängelt vor allem die fehlende Einheitlichkeit. „Das muss alles noch ausreifen. Ein Konzept, das nur auf Kreisebene funktioniert, erscheint mir nicht sinnvoll“, so Golombeck. Außerdem würde nach einer Reform kein Spieler vom U18-Kreismeister in den Herrenbereich aufrücken, da er schließlich in die U19-BOL aufsteigt.

Golombeck: "Es wird etwas passieren"

Beim Absteiger aus der U19-BOL kommen dafür in einem Jahr zwei Jahrgänge in den Herrenbereich, sodass potenziell schwächere U19-Spieler früher in den Herrenbereich wechseln als stärkere. Im Falle eines Abstiegs aus der A-Jugend-BOL verliert der Verein zwei Jahrgänge an den Herrenbereich.

Dass das Modell in der Praxis besser taugt, als die Hammer es ihm zutrauen, könnte der BFV bald demonstrieren. Alle stimmberechtigten Vereine Niederbayerns stimmen am 20. Mai über die Umsetzung ab. Bei einem durchschlagenden Erfolg ist es nicht unwahrscheinlich, dass auch die Hammer B-Jugendteams irgendwann der Vergangenheit angehören.

„Ob so oder anders – es wird etwas passieren, denn die Zahlen der Jugendspieler- und Mannschaften im Kreis sind nun einmal rückläufig“, erklärt Golombeck. „Derzeit testen wir verschiedene Konzepte wie zum Beispiel Qualifikationsrunden, die wir dann in aller Ruhe analysieren müssen.“

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