Reform bei jüngsten Kickern: Geteilte Meinungen bei Hammer Trainern

Durch die Reform sollen die Minikicker – hier die des VfL Mark – individuell besser geschult werden.
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Durch die Reform sollen die Minikicker – hier die des VfL Mark – individuell besser geschult werden.

Schon seit längerer Zeit plant der Verband eine Reform im Juniorenfußball (der WA berichtete). Nach den Sommerferien wird sie nun umgesetzt.

Hamm - In der Spielzeit 2021/22 bahnen sich somit einige Änderungen bei den Minis/G-Junioren an: Die jungen Fußballer sollen so viel wie möglich spielen und dadurch mehr Erfolgserlebnisse sammeln, damit ihre Entwicklung mehr gefördert wird.

Vier gegen vier und Verzicht auf den Torhüter

Die größte Änderung ist der Verzicht auf den Torwart. Es wird – anders als zuvor im sieben gegen sieben – im vier gegen vier auf Mini-Tore ohne Keeper gekickt. Eine Partie dauert demnächst acht mal fünf und nicht mehr wie vorher zwei mal 20 Minuten. Und es treffen nicht zwei Vereine aufeinander, sondern in Turnierform mehrere Teams. „Zu jedem Spieltag sollen vier Mannschaften mit jeweils maximal 16 Akteuren erscheinen. Hierfür bräuchte man daher statt vorher einen halben nun einen ganzen Platz, da im Maximalfall 64 Spieler vor Ort sind und somit acht Spielfelder benötigt werden. Wir rechnen aber eher mit 40 Spielern“, sagt Thomas Trahe, Vorsitzender des Kreisjugendausschusses.

Die Klubs will der Verband bei der Reform unterstützen. „Die Vereine erhalten ein Angebot zu guten Konditionen für die Anschaffung der Mini-Tore, die aber nicht verpflichtend sind. Als Ersatz kann man auch Hütchen oder Stangen nutzen. Zudem wird es für die Trainer der Minikicker und F-Jugenden dementsprechend vor der kommenden Saison eine Zusatzschulung geben“, so Trahe weiter.

Aufgrund der Minitore nachrüsten

Die Vereine haben zu diesen Änderungen jedoch geteilte Meinungen. Insgesamt sehen sie zwar Vorteile für die Entwicklung der jungen Spieler, da jeder zu viel Einsatzzeiten und Ballaktionen kommt. Jedoch wird das Spiel ohne Torwart und das Organisatorische von einigen kritisch angesehen. André Hähnel vom Jugendvorstand der SG Bockum-Hövel meint: „Ich sehe das eher traditionell, und für mich ist das Einführen des Torhüterspiels erst in der E-Jugend zu spät. Trotzdem bringt die Reform auch Vorteile mit sich, zum Beispiel, dass die Kinder mehr in Aktion treten und ihre Entwicklung mehr gefördert wird“. Organisatorisch „müssen wir aufgrund der Mini-Tore noch nachrüsten, jedoch sind wir aber durch die große Anlage im Gesamten gut aufgestellt.“

Robin Berghaus, Jugendleiter der Hammer SpVg, sieht die Reform generell positiv. „Die individuelle Förderung der Spieler ist dadurch stärker, da sie deutlich mehr Anteile am Geschehen haben.“ Zudem sei auch das Spiel ohne Torhüter eine gute Sache, da von ihnen heutzutage fußballerisch einiges verlangt wird. „Die Organisation stellt ebenfalls kein Problem dar, weil der Kreisjugendausschuss gut mitarbeitet.“

„Spielerische Anlage wird verbessert“

Helmut Wöckel, Trainer der G-Jugend des SV Westfalia Rhynern, kommt diese Reform ebenfalls entgegen. „Es ist insgesamt nur ein Umdenken für die Trainer, und vor allem die spielerische Anlage der Spieler wird dabei verbessert.“ Und auch Konstantin Rühl, Geschäftsführer und Jugendtrainer des SVE Heessen, steht den Änderungen positiv gegenüber: „Die Entwicklung der Spieler wird durch die Reform noch effizienter. Dass es bei den Minis keinen Torwart gibt, sehe ich sogar eher als Vorteil, weil sie besser Fußball spielen lernen.“

Der Jugendleiter des VfL Mark, Frank Südhoff, befürchtet allerdings, dass auf die Trainer ein großer organisatorischer Aufwand zukommen wird. „Durch die vielen kleineren Mannschaften müssen die Trainer am Abend vor den Spielen viel mehr planen als zuvor. Aber dafür finde ich die Zusatzschulung für Trainer, die vom Verband angeboten wird, richtig gut.“ Für den Verein selbst wird es seiner Meinung nach keine großen Herausforderungen geben.

Mehr Zeitaufwand für die Trainer

Thorsten Carow, Abteilungsleiter Fußball vom Hammer SC, ist zwiegespalten: „Durch die Reform hat jedes Kind die gleichen Chancen. Dazu werden auch die eigenen Entwicklungs- und Entscheidungsmöglichkeiten gefördert“, meint er, erklärt aber auch: „Für uns ist aber eben auch ein Nachteil, dass den Torhütern zwei Jahre ihrer Ausbildung fehlen. Die Position wird dadurch einfach vernachlässigt. Man könnte im Training zwar speziell einen Torwart ausbilden, doch dann ist er unter der Woche Torwart und am Wochenende Feldspieler. Das sehen wir als Problem an.“ Doch es gibt nicht nur sportliche, sondern auch organisatorische Kritik vom HSC an den Änderungen. So hätte er sich als Verein gerne ein Mitspracherecht vom Verband gewünscht, was das Durchsetzen der Reform angeht. Zudem weist er auf die die Kosten für die Beschaffung des Equipments hin.

„Außerdem haben die Trainer aus unserer Sicht einen gewaltigen Nachteil, da der Zeitaufwand massiv ansteigt. Mit den anderen Vereinen, die dann zu einem Spiel kommen, sollen die Trainer sich absprechen, mit wie vielen Spielern man erscheint und so weiter. Das ist aus unserer Sicht sogar fast schon Ausbeutung des Ehrenamtes“, sagt er. „Dazu kommt, dass die Trainer unmöglich ihre ganze Mannschaft an Spieltagen beaufsichtigen können. Das Coachen soll zwar vermieden werden, trotzdem müssen die Trainer sich um die Spieler kümmern, sei es beim Schleife machen oder bei Verletzungen.“

Pelkumer Trainer lehnt Reform komplett ab

Michael Kastilan, 1. Vorsitzender des 1. FC Pelkum, kritisiert vor allem den finanziellen Aspekt: „700 Euro für die Anschaffung der Mini-Tore sind für einen kleinen Verein, wie zum Beispiel uns, viel Geld.“ Herbert Willenberg, einer von zwei Trainern der Pelkumer Minis, lehnt die Reform komplett ab: „Ich habe meinen Trainerschein seit 1982 und frage mich, was ich den Kindern jetzt beibringen soll, vor allem, da es auch keinen Torwart und kaum bis keine taktischen Aspekte mehr gibt. Ich würde einfach die alte Form beibehalten“, stellt er klar und fügt hinzu: „Am Sonntag haben wir eine Elternversammlung, bei der ich das neue System erkläre. Ich bin echt auf die Reaktionen gespannt.“

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