Eishockey

Warum Eisbären-Trainer Ralf Hoja an Abschied denkt

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Denkt an Abschied: Ralf Hoja.

Nach der entscheidenden 0:6-Klatsche in der Finalrunde der Eishockey-Regionalliga West beim Herforder EV war die Enttäuschung im Hammer Lager groß. Trotz Vize-Meisterschaft. Eisbären-Trainer Ralf Hoja verrät im Gespräch mit Günter Thomas, wie er damit umgeht.

Die Finalserie ist für ihr Team mit 1:3 verloren gegangen, obwohl Sie die Hauptrunde dominiert haben. Im letzten Spiel sind Sie gar mit 0:6 untergegangen. Woran lag es?

Wir waren einfach nicht gut genug. Das hat in den Play-offs für Herford nicht gereicht, was wir fabriziert haben. Dinge, die vorher selbstverständlich waren, haben nicht mehr funktioniert. Beim 0:6 hätten wir noch fünf Stunden spielen können. Wir hatten Chancen, aber die Scheibe ging einfach nicht rein – ein Tag zum Vergessen. Schade, dass eine außerordentliche Saison so zuende geht.

Ihr Saisonfazit dürfte dennoch positiv ausfallen?

Das haben die Fans ja auch so honoriert. Ich brauche immer ein bisschen länger, ehe ich so ein Ausscheiden verdaut habe. Andere Sportarten gucken uns groß an wenn wir trotz so einer Hauptrunde nicht ganz oben sind – die Handballer sind dann Meister, wenn sie am Ende der Runde oben stehen. Das ist anders bei uns. Wir leben damit, und Herford hat es verdient. Dennoch war das eine sehr gute Serie. 31 Siege in der Vorrunde sprechen eine deutliche Sprache. Aber ab dem Halbfinale war zu sehen, dass wir unsere Souveränität verloren haben.

Kann man die Gründe dafür festmachen?

Nein. Ich weiß nicht, ob es damit zu tun hat, dass wir vorher ganz viel gewonnen haben. Wir waren eigentlich auf alles vorbereitet. Ich werde mit den Spielern sprechen, warum der Knoten im Finale nicht geplatzt ist. Es gibt solche Läufe: In der Vorrunde haben wir die Tore geschossen wie wir sie brauchten. In der Serie in Herford haben wir 0:3 zurückgelegen, uns darüber keine Gedanken gemacht und 6:3 gewonnen. Und wir sind eher eine Mannschaft für die feine Klinge, nicht so kampfbetont. Aber am Sonntag haben wir ja nicht mal schön gespielt.

Nach dem Halbfinale haben Sie gesagt, dass eine Niederlage gegen Limburg ihr letztes Spiel bedeutet hätte. Wie sieht das jetzt nach der Vize-Meisterschaft aus?

Darüber habe ich mir noch nicht so richtig Gedanken gemacht. Die Tendenz geht eher Richtung Abschied. Aber ich will da nicht so viel sagen. Ich bin nach dem Spiel mit Jan Koch (Anm. d. Red: Team-Manager) nach Hause gefahren, aber es ist noch nicht die Zeit, darüber zu reden. Wenn ich jetzt sage ne, und dann in einem Monat doch wieder Lust bekomme, wäre das ja blöd. Meine persönliche Tendenz ist momentan eher nein. Ich weiß aber nicht, ob das jetzt Gründe der Enttäuschung sind. Das muss ich in Ruhe prüfen.

Also können die Verantwortlichen Sie noch überreden?

Ob sie das wollen, weiß ich gar nicht. Es gibt ja genug Trainer auf dem Markt. Wir haben eine super Mannschaft, aber mit 58 Jahren kann man auch mal gucken, wie die Lebensplanung ist. Trainer im Eishockey zu sein, ist ja schon belastend, wenn das den Winter über jeden Freitag und Sonntag geht. Auch wenn meine Frau überhaupt nicht gejault hat. Mein Vater hat das Zeit seines Lebens gemacht, sitzt jetzt im Rollstuhl – mit 77. Aber wenn man fit und gesund ist, kann man mal verreisen im Winter. Der Trainerposten ist aber nicht die erste Personalie, die in Hamm interessiert.

Was muss passieren, damit die Eisbären das Abenteuer Oberliga noch einmal angehen?

Sportlich haben wir viele Jungs, die das machen wollen. Ob sie es beruflich können, weiß ich nicht. Ich bin im Öffentlichen Dienst beschäftigt und kann das organisieren. Aber die Rahmenbedingungen müssen stimmen. Die Zuschauerzahlen geben nicht so viel her, dass es möglich ist, das Sponsoring nicht. Die Mannschaft müsste komplett umgekrempelt werden, Spieler geholt, die beruflich durch die Gegend fahren können. Dass die Aufgabe sportlich reizvoll wäre, ist kein Ding. Aber man wird nicht oben mitspielen, sondern unten rumdümpeln. Ich weiß, dass es in der Oberliga schon bröckelt. Und der Sommer ist lang. Sollten einige Vereine finanziell nicht gut dastehen, weiß ich nicht, was alles so passiert. Aber nach Leipzig oder Halle zu fahren, macht wirtschaftlich keinen Sinn. Eine regionale Oberliga wäre machbar.

Wenn Sie die Saison Revue passieren lassen: Was war ihr positives, was Ihr negatives Highlight?

Die Playoff-Finalserie war sicherlich negativ – alles andere positiv. Wie sich die jungen Spieler entwickelt haben, wie die Mannschaft die Zuschauer begeistert hat. Wir haben uns als Team weiter entwickelt, dessen Gefüge homogen ist. Die verstehen sich alle gut, sind alle lieb – machmal zu lieb. Ich kann über den Verein und die Mannschaft nur das Positivste sagen. Die Verantwortlichen sind sehr bemüht. Wenn man überlegt, wo wir vor drei oder vier Jahren waren, als alle gedacht haben, Eishockey wird es hier nie wieder geben. Schön zu sehen, dass unser Sport ein kleines Nümmerchen in Hamm ist, auch wenn wir nicht an die Handballer herankommen.

Welche Spieler haben für Sie die Saison geprägt?

Kevin Thau und Kevin Orendorz haben mit Sicherheit deutlich höhere spielerische Qualität, auch Lucas Novacek. Dann waren da die alten Haudegen wie Dustin Demuth – auch Thomas Lichnovsky. Und Jonas Hoppe, der den Sprung geschafft hat. Das sind Dinge, die zeigen, dass Training was bewirken kann.

Das Ende jeder Serie bedeutet einen Umbruch. Lässt sich schon absehen, wie groß dieser bei den Eisbären ausfallen wird?

Bei Einigen hat sich privat etwas verändert, sie haben geheiratet, sind Vater geworden. Da muss man gucken, wer weiter machen möchte. Es gibt auch ganz viele Interessenten von Außerhalb. Um zu sagen, wie das Gesicht des Teams aussehen wird, ist es aber deutlich zu früh.

Was muss sich Ihrer Meinung nach ändern, um die Meisterschaft spannender zu machen?

Die Liga muss fester Bestandteil im Verband sein. Und Truppen wie Frankfurt und Nauheim können wir in der Regionalliga West überhaupt nicht brauchen mit ihren komischen Nachwuchsmannschaften. In der Schiedsrichter-Problematik muss sich etwas ändern. Und ich finde Eishockey, Handball oder Basketball attraktiver als Fußball und dass sich die Einstellung zum Eishockey in Deutschland generell ändern muss. Die Spieler sind nicht tumbe Vollidioten, die sich auf die Fresse hauen. Das Image muss besser werden.

Und gab es Interesse von anderen Vereinen, Sie als Trainer betreffend?

Anfragen gab es. Es wäre auch fatal, wenn ich sage, dass ich Eishockey müde bin. Aber wenn ich in Hamm nicht weiter machen würde, müsste ich das ja auch beruflich vereinbaren können. Entsprechend kann das kein Hochleistungsbereich sein. Und ich finde, da ist nicht allzu viel Attraktives vorhanden.

Und Ihre Planung für die nahe Zukunft?

Erstmal abschalten. Dann steht irgendwann Urlaub mit Freunden an. Mit Eishockey möchte ich in den nächsten Wochen nur noch ausgewählt zu tun haben.

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