Die Gefühlslagen nach dem Oberliga-Start:

Pure Erleichterung bei der HSV - Katzenjammer in Rhynern

Frust herrschte nach dem Abpfiff in Ennepetal rund um die Rhyneraner Bank.
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Frust herrschte nach dem Abpfiff in Ennepetal rund um die Rhyneraner Bank.

Die Rückkehr nach der langen Fußball-Zwangspause ist vollzogen – die Gemütslage nach den ersten Punktspielen seit November 2020 könnte bei den beiden Hammer Oberligisten unterschiedlicher nicht sein.

Hamm - Katzenjammer herrscht beim SV Westfalia Rhynern nach dem späten 3:2-Siegtreffer des TuS Ennepetal – pure Erleichterung bei der Hammer SpVg nach dem 4:0-Erfolg über den TuS Erndtebrück.

„Eine ganz neue Erfahrung“

Zehn der 28 sieglosen Partien der HSV seit dem 3:0-Erfolg am letzten Spieltag der Saison 2018/19 beim FC Gütersloh, der den Hammern damals den Klassenerhalt sicherte, erlebte Steven Degelmann auf der HSV-Bank. Oft war sein Team dran am Dreier – am Ende standen stets Frust und die Erkenntnis, dass das letzte Quäntchen zur Wettbewerbsfähigkeit in der Oberliga fehlt. „Der Druck war schon enorm“, räumt Degelmann nach seinem ersten Oberliga-Dreier ein. „Ich bin damit zwar gut klargekommen, aber das Gefühl, diese Serie über die Jahre mitzunehmen, war natürlich da. Im letzten Jahr haben wir viele Heimspiele erlebt, wo wir nie belohnt worden sind – jetzt so ein souveränes Spiel zu sehen, ist daher ja eine ganz neue Erfahrung.“

Vom Druck, den der Trainer ausmachte, spürten die Spieler eher weniger. „Nein, das hat mich überhaupt nicht belastet“, versichert Neuzugang Patrick Schmidt, der als Doppeltorschütze den HSV-Sieg eingeleitet hatte. „Ich habe bei meinem ersten Training hier schon gesehen, dass Qualität in dieser Mannschaft steckt. Und ich glaube, dass wir nichts mit dem Abstieg zu tun haben werden.“

Frisch und unbeschwert

Für Schmidt, der im Sommer vom Westfalenligisten SpVg Beckum in den Hammer Osten gewechselt war, gilt das gleiche wie für einen Großteil der Spieler des aktuellen Kaders: Er hat die Hammer Negativserie nur als unbeteiligter Beobachter erlebt.

Entsprechend frisch und unbeschwert ging das Team die Aufgabe zum Saisonstart gegen Erndtebrück an. Die vier Tore waren das Ergebnis einer bereits Erfolg versprechenden Vorbereitung. Jetzt grüßt die HSV nach dem ersten Spieltag sogar von Tabellenplatz zwei. Eine Momentaufnahme, die im Verein Freude auslöst – von Euphorie sind die Verantwortlichen aber weit entfernt. „Wir werden dieses Ergebnis erst nach ein paar Wochen richtig einordnen können“, hielt Fußball-Abteilungsleiter Dirk Blumenkemper den Ball verbal flach. Eines hat der Sieg allerdings sicher bewirkt: Diskussionen über die historische Negativserie muss im Hammer Osten vorerst niemand mehr führen.

Trost von der Freundin

Ganz anders war die Stimmung in Rhynern. Nach dem 2:2 durch Hakan Sezer in der 90. Minute hatte sich die Elf vom Papenloh beim TuS Ennepetal im Besitz eines Zählers gewähnt und nach dem ausgelassenen Jubel komplett Ordnung und Konzentration verloren. Die bittere Folge war der 3:2-Siegtreffer der Gastgeber im direkten Gegenzug. Und so hockte Sezer noch lange nach der Partie gefrustet auf der Tribüne und ließ sich von seiner Freundin trösten. „Mehr Emotionen als nach meinem Ausgleich gingen eigentlich nicht“, sagte der Torschütze, der nach dem Treffer überglücklich Richtung Auswechselbank gestürmt war und an der Seitenlinie ausgelassen mit den Mitspielern sein spätes Tor gefeiert hatte. „Und wenn man in der letzten Minute das Unentschieden schafft, nimmt man meistens einen Punkt mit“, sagt er.

Fahrlässigkeit nicht zu erklären

Doch es kam anders, weil Ibrahim Lahchaychi eine eigentlich nicht zu erklärende Fahrlässigkeit des SV Westfalia ausnutzte und mit einem Heber über Alexander Hahnemann nur eine Minute später das dritte Tor für den TuS markierte, Ennepetal damit drei Zähler bescherte und die Rhyneraner in eine kollektive Fruststimmung stürzte. „Ich verstehe einfach nicht, wie wir so weit vorne nach dem Anstoß anlaufen anstatt uns kompakt hinzustellen“, schüttelt Sezer den Kopf.

Schermbeck und Wattenscheid warten

Nach der Auftaktpleite steht die Elf von Trainer Michael Kaminski unter Druck. Das erklärte Ziel ist nach 20 Spielen der Sprung in die Aufstiegsrunde, in die die zehn besten Teams nach der Hinserie kommen. Allerdings warten mit der Heimpartie gegen den SV Schermbeck, der zum Auftakt Westfalia Herne mit 6:0 vom Platz gefegt hatte und erster Tabellenführer ist, sowie anschließend mit der Partie beim früheren Bundesligisten SG Wattenscheid 09 zwei hohe Hürden auf die Rhyneraner. „Wir dürfen uns daher nicht allzu lange ärgern, sondern müssen das möglichst schnell abschütteln und uns auf die nächsten Aufgaben konzentrieren“, sagt Kaminski.

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