Eltern unterstützen zeitaufwändiges Hobby

Philipp und Jonah Wagner aus Hamm kicken beim BVB

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Seit diesem Sommer ist Jonah Wagner (links) in der U12 von Borussia Dortmund im Einsatz. Bruder Philipp will mit der U17 des BVB im nächsten Jahr den DM-Titel verteidigen.

Hamm - Langeweile? Abhängen? Die Beine hochlegen? Oder, wie es auf neudeutsch heißt, „Chillen“? Nein, das gibt es im Hause Wagner in Heessen nicht. Denn die beiden Söhne Philipp und Jonah spielen in der Nachwuchsabteilung von Borussia Dortmund.

Daher ist die Familie in fast jeder freien Minute in Sachen Fußball unterwegs, bringt die Jungs zum Bahnhof nach Hamm, zum Trainingszentrum nach Dortmund oder reist mit ihnen zu Turnieren und Spielen. „Aber dieser Freizeitstress in Sachen Fußball ist für mich Erholung, auch wenn für unser Auto dadurch schon einige Kilometer zusammenkommen. Es ist mein Hobby, dass die Kinder Fußball spielen“, sagt Vater Sinischa Wagner.

Er war es auch, der seine Fußball-Begeisterung an seine Söhne weitergegeben hat. Wagner spielte früher in der Jugend der Hammer SpVg, dann beim SV Hilbeck und SC Arminia 07 Hamm, ehe er nach einem Kreuzbandriss bereits mit 20 Jahren seine Karriere beenden musste.

Philipp Wagner kickt in der U17 des BVB.

„Am Anfang habe ich die Jungs nur begeistert und ihnen gezeigt, dass ich dahinterstehe. Diese Begeisterung war authentisch und hat wohl abgefärbt“, sagt er. Und so fing sein ältester Sohn Philipp bereits im zarten Alter von fünfeinhalb Jahren mit dem Fußballspielen an. Zuerst beim damaligen SC Eintracht Hamm. Dann ging es über die Stationen Hammer SpVg und RW Ahlen zum BVB, wo der mittlerweile 16-Jährige zusammen mit Niklas Beste – ebenfalls aus Hamm – in der U17 der Schwarz-Gelben aufläuft.

Ingesamt 24 Akteure gehören zum Kader. Der junge Hammer will sich unbedingt einen Stammplatz im defensiven Mittelfeld erkämpfen und seinen Teil dazu beitragen, dass die Dortmunder in dieser Saison zum dritten Mal in Folge deutscher B-Jugend-Meister werden.

„Das ist schon ein enormer Druck, der auf uns lastet“, sagt Philipp Wagner (Bild), der in seiner fünften Saison für den BVB aufläuft und der für den Fußball fast seine komplette Freizeit opfert.

Wenn er um 16.30 Uhr den Unterricht an der Sophie-Scholl-Gesamtschule beendet hat, geht es sofort Richtung Hammer Bahnhof, wo er mit dem Zug nach Dortmund reist. Dort wird er vom BVB-Fahrdienst aufgesammelt und zum Training gebracht. Erst spät am Abend ist er wieder zuhause. An den Wochenenden sieht es auch nicht anders aus, wenn die Spiele anstehen. „Die wenige freie Zeit gehört dann meiner Freundin. Zwischendurch muss ich aber auch noch lernen und für die Klausuren pauken“, sagt er.

Doch dies klappt anscheinend überaus gut. Denn im Sommer schaffte er den besten Abschluss der Jahrgangsstufe zehn an seiner Schule. Sollten die Noten doch einmal absinken, würden Vater Sinischa und Mutter Kathrin sofort einschreiten, „denn die schulische Ausbildung geht eindeutig vor“, betont er.

Sein Sohn, der mit dem BVB schon bei Turnieren in der Karibik, in Südkorea, in Asien oder auf Guadeloupe und Teneriffa war, müsse auch nicht unbedingt Profi werden, fügt er hinzu: „Da sind wir nicht so verbissen. Wir freuen uns, dass die Jungs Spaß am Sport haben. Wenn er jetzt die Basis legt und am Ende in der Regionalliga spielt und sich dadurch sein Studium finanzieren kann, ist das auch eine tolle Sache.“

Eine Einstellung, die Philipp Wagner bereits verinnerlicht hat: „Natürlich träumt jeder davon, in der Bundesliga aufzulaufen. Aber man muss realistisch sein: Es kann auch nicht klappen. Ich würde zum Beispiel später sehr gerne studieren.“

Jonah Wagner spielt in der U12.

Seit dieser Saison spielt Philipps elfjähriger Bruder Jonah beim BVB – ebenfalls im defensiven Mittelfeld bei der U12. Auch er nimmt den ganzen Stress auf sich, um sich seinen Traum vom Fußball-Profi zu erfüllen. Bislang scheint er auf einem guten Weg zu sein. Bei der HSV hatte er mit dem Kicken angefangen und war mit acht Jahren zum SV Westfalia Rhynern gewechselt. „Das hat sich absolut ausgezahlt“, sagt Vater Sinischa. „Es ist nicht immer einfach, für die Jungs die richtigen Entscheidungen zu treffen. Aber manchmal muss man einfach Risiko gehen.“

In diesem Sommer zog es ihn auch zum BVB, wo er nun den nächsten Schritt seiner noch jungen Karriere schaffen will. „Ich habe mir schon einen Stammplatz erkämpft“, sagt Jonah Wagner, der ebenfalls die Sophie-Scholl-Gesamtschule besucht. „Am vergangenen Wochenende beim Turnier in Holland hat mich mein Trainer gelobt und gesagt, dass ich die Bälle gut verteile.“

Das alles ist aber nur möglich, weil die Familie ihre Söhne voll und ganz unterstützt – auch wenn dies nicht immer leicht zu bewerkstelligen ist. So hat Vater Sinischa, der als OP-Pfleger in einem Hammer Krankenhaus arbeitet, manchmal auch Nachtschichten zu absolvieren. „Aber wir haben es so organisiert, dass es dann auch mal ohne mich geht, dass andere Leute wie zum Beispiel unsere Haushälterin dann mit den beiden fahren“, sagt er – und verrät, dass er und seine Jungs eigentlich Anhänger des FC Schalke 04 sind.

„Ich habe früher immer gesagt, dass ich die beiden mit dem Fahrrad nach Gelsenkirchen bringen würde, wenn sie ein Angebot aus Schalke bekommen würden. Aber das wären noch einmal 30 km mehr zu fahren. Das würde bei uns nicht funktionieren“, stellt er klar.

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