Hausbesuche

Pelkums Trainer Adrian Wilczek: Seite an Seite mit dem Bruder

Adrian Wilczek an der Tischtennisplatte: Der Trainer des 1. FC Pelkum lebt in Selm und möchte dort auch wohnen bleiben.
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Adrian Wilczek an der Tischtennisplatte: Der Trainer des 1. FC Pelkum lebt in Selm und möchte dort auch wohnen bleiben.

Hausbesuche heißt die Serie im Lokalsport. Wir besuchen die Fußball-Trainer von der Kreisliga A bis zur Oberliga zuhause und reden mit ihnen über alltägliche Dinge, über skurrile Vorkommnisse, persönliche Erlebnisse und natürlich auch über Fußball. Diesmal: Adrian Wilczek vom 1. FC Pelkum.

Hamm - Wenn es um Fußball geht, dann redet Adrian Wilczek selten in der Ich-Form. Meist spricht der Trainer des Fußball-A-Kreisligisten 1. FC Pelkum von „Wir“ und meint damit aber nicht seine Mannschaft aus dem Selbachpark, sondern seinen sechs Jahre jüngeren Bruder Thomas. „Wir machen alles zusammen, haben die gleichen Hobbys und quatschen jeden Tag miteinander. Das passt einfach“, sagt der 40-Jährige und genießt diese enge Familienbande sehr.

Die beiden Brüder wohnen sogar nebeneinander, nachdem ein Nachbar auf der Einschulungsfeier von Adrian Wilczeks Tochter vorbei gekommen war und gesagt hatte, dass er ausziehen und einen Käufer für sein Haus suchen würde. „Tomek hat sich das dann angeguckt und für gut befunden. Seit fünf Jahren leben wir jetzt nebeneinander – auch wenn unsere Frauen manchmal darüber meckern. Denn die meinen, wir Brüder würden mehr miteinander reden als mit unseren Frauen“, sagt Adrian Wilczek. „Wenn Tomek bei uns anklingelt und meine Frau die Tür öffnet, dann sagt sie manchmal zu mir: Dein Schatz ist da. Das ist schon manchmal fast zu viel, wenn wir über Fußball reden. Aber das ist nun mal so.“

Zwei Sprachen gelernt

Geboren worden sind die Wilczek-Brüder genauso wie ihre Schwester Monika in Polen. Als Adrian elf Jahre alt war, zogen seine Eltern mit den Kindern nach Hamm und wohnten in Wiescherhöfen. „Das war am Anfang verdammt schwierig“, erinnert sich der FCP-Trainer. „Ich musste mit Deutsch und Englisch gleich zwei Sprachen lernen.“ Er besuchte im Hammer Westen die Parkschule und meldete sich beim TuS Wiescherhöfen an, um dort in der C-Jugend Fußball spielen zu können. Als ein Jahr später ein paar Freunde zum VfL Mark wechselten, schloss sich Wilczek den Jungs an. „Wir sind dann immer mit dem Fahrrad quer durch die Stadt gefahren. Wenn ich mir das heute überlege, dann war das schon etwas verrückt“, erinnert er sich.

Nach einem Jahr war aber auch dieses Kapitel wieder beendet – und erst im zweiten A-Jugendjahr schloss sich Wilczek wieder einem Verein an und kickte fortan für den SV Westfalia Rhynern. „Dennoch spielte er am Papenloh so stark auf, dass er zuerst zum Kader der Reserve in der Bezirksliga gehörte, ein Jahr später rückte er sogar hoch zur Ersten, die damals in der Landesliga von Uwe Hüttemann trainiert wurde. „In der Vorbereitung bin ich damals aber lieber mit einem Freund nach Polen gefahren. Da war ich jung und doof“, gesteht er ein. Dennoch gehörte er zu dem Team, das in dieser Spielzeit den Aufstieg in die Verbandsliga schaffte.

Als er mit 24 Jahren berufsbedingt nach Dortmund zog, brach er in Rhynern seine Zelte ab, kickte zuerst noch in Pelkum und kurzfristig in Herringen, ehe er wegen seines Jobs komplett mit dem Fußballspielen aufhörte. Als er aber dann in der Zeitung las, dass die Fusion zwischen dem TuS Wiescherhöfen und dem 1. FC Pelkum geplatzt war, suchte er sofort wieder den Kontakt zu den Verantwortlichen aus dem Selbachpark. „Ich wollte den Verein, der damals nur noch 80 Mitglieder hatte, nicht im Stich lassen und habe geholfen, dass Pelkum nicht aus der Kreisliga B absteigt“, erklärt er. Als er dann wenig später gefragt wurde, ob er nicht das Traineramt übernehmen möchte, sagte Wilczek zu. „Wir haben es dann geschafft, die Klasse zu halten.“ Er lotste seinen Bruder in den Selbachpark, der ihm bis heute als spielender Trainer zur Seite steht. „Tomek war mein Joker. Er hat uns enorm verstärkt. Aber gleichzeitig konnten wir durch ihn auch ein paar andere Jungs holen“, meint Wilczek, der 2019 mit seinem Team den Aufstieg schaffte und jetzt als Trainer in seine dritte Kreisliga-A-Saison gegangen ist.

Am Ende der Spielzeit ist Schluss

Doch dies wird seine letzte sein. Er und sein Bruder Thomas haben die Pelkumer Verantwortlichen bereits darüber informiert, dass sie am Ende der Spielzeit ihre Zelte am Selbachpark abbrechen werden. Zum einen, so erklärt Adrian Wilczek, benötigt das Team mal einen anderen Coach. „Die Jungs kennen Tomek und mich ja mittlerweile in- und auswendig. Da nutzt man sich mit der Zeit einfach ab“, erklärt er. Zum anderen weiß er nicht, was beruflich auf ihn zukommt.

Denn Wilczek arbeitet seit 17 Jahren in Dortmund bei Caterpillar, dem weltgrößten Hersteller von Baumaschinen, ist dort für die Produktion zuständig und hat als Section-Manager ein kleines Team von Mitarbeitern unter sich. „Das ist ein klasse Job. Aber jetzt machen die hier die Bude dicht, weil die Produktionsstätten nach Indonesien verlegt werden. Und ich muss mir jetzt Gedanken machen, wie es für mich weiter geht“, sagt er. Noch, so betont er, sei er recht entspannt. Denn im nächsten Jahr wechselt er erst einmal in die Transfergesellschaft, so dass er noch ein wenig mehr Zeit hat, um sich nach einer neuen Anstellung umzuschauen. „Ich muss da nicht das erstbeste Angebot annehmen. Aber klar, am liebsten wäre es mir, wenn ich möglichst schnell etwas Neues finde“, stellt er klar.

Wilczek möchte in Selm wohnen bleiben

Denn natürlich möchte er in Selm, wo er mit seiner Frau und den beiden 19 und elf Jahre alten Töchtern lebt, wohnen bleiben. Dort fühlt er sich wohl, dort hat er seinen Bruder direkt neben sich, dort ist seine Heimat. „Ich will hier in nächster Zeit nicht weg“, sagt er, zumal in seinem Haus früher schon mal ein bekannter Fußballer gewohnt hat. Als der mittlerweile verstorbene Wolfram Wuttke, der in der Bundesliga unter anderem für den FC Schalke 04, den 1. FC Kaiserslautern und den 1. FC Saarbrücken gespielt hatte, von seiner Auslandsstation bei Espanyol Barcelona zurück nach Deutschland kam, zog er in das Haus ein, das nun seit vielen Jahren den Wilczeks gehört. „Das Haus hat keinen Keller. Daher war in der ersten Etage eine Bar. Aber so etwas ist nicht mein Ding, ich habe da nur einmal an der Theke gesessen. Ich habe den Raum dann umgebaut“, sagt Wilczek und nutzt dieses Zimmer nun, um mit seinem Bruder Tischtennis zu spielen oder die Spiele von Borussia Dortmund über einen Beamer auf einer großen Leinwand zu verfolgen. Dass er nach den BVB-Partien mit seinem Bruder noch ausgiebig über die Leistung der Profis in schwarz-gelb diskutiert, versteht sich von selbst. „Wir beide ticken da wirklich gleich“, sagt Wilczek.

Daher kann er sich auch gut vorstellen, nach dem Ende des Engagements beim 1. FC Pelkum woanders gemeinsam eine Mannschaft zu trainieren. „Wir zwei haben eine ähnliche Vorstellung, wie man Fußball spielt“, sagt er. Jede Trainingseinheit, die Aufstellung und auch die taktische Ausrichtung besprechen sie und versuchen alles, um das Bestmögliche aus ihrem Team herauszuholen – auch wenn sie beide wissen, wie schwer ihre Aufgabe gerade wieder ab dem Herbst wird. „Wir haben eine der schönsten Sportanlagen in Hamm mit dem Schwimmbad, dem Park und dem Hotel direkt daneben. Aber wir haben auf dem Rasenplatz kein Licht, müssen daher von Oktober bis März immer auf Asche trainieren“, erklärt Wilczek, der von Selm aus für jede Trainingseinheit in Pelkum insgesamt rund fünf Stunden unterwegs ist. „Das ist schon viel. Aber die Kickerei ist nun mal mein Hobby.“ Außerdem kann er dann auch mit seinem Bruder zusammen im Auto sitzen und während der Fahrt viel über Fußball reden.

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