Tischtennis

Pavel Platonov ist das Pokerface des TTC GW Bad Hamm

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Perfekter Start: Die neue Nummer eins des TTC GW Bad Hamm, Pavel Platonov, führte sich mit drei Siegen ein.

Es ist eine schwere Bürde, die Pavel Platonov zu tragen hat. Als Nachfolger des Franzosen Damien Eloi ist der Weißrusse die neue Nummer eins beim Tischtennis-Zweitligisten TTC GW Bad Hamm.

Hamm - Mit stoischer Miene nimmt Pavel Platonov jeden Einschlag hin. Es läuft gerade die erste Partie der neuen Nummer eins des TTC GW Bad Hamm im Meisterschaftsspiel gegen den TuS Celle. 

1:1 steht es nach Sätzen. Im dritten Durchgang liegt der Weißrusse gegen Andrei Putuntica bereits mit 9:1 vorn, als plötzlich gar nichts mehr geht. Jeder Topspin, jeder Block Pututincas sitzt nun. Und selbst als Celles Nummer zwei mit 10:9 in Führung geht, zeigt Platonov keine Gefühlsregung. Mit eisigem Pokerface spielt der 35-Jährige einfach weiter, kontert den Satzball, wehrt einen zweiten ab und nutzt anschließend die Chance, um den Satz für sich zu entscheiden. Kein Time-Out, keine Faust, keine großartige Jubelpose. Platonov spielt einfach – ruhig, gelassen, effektiv. 

„Im ersten Einzel hatte ich mehrere Möglichkeiten, um das Spiel eher zu beenden“, wird Platonov später sagen. „Aber wichtig ist, dass ich gewonnen habe. Vielleicht war ich ein bisschen nervös, weil es das erste Spiel für Hamm war. Im zweiten, denke ich, habe ich es viel besser gemacht. Und habe dem Team gut geholfen.“

Allein durch sein Auftreten wird der Unterschied Platonovs zu seinem Vorgänger deutlich. Während der Franzose Eloi seine Emotionen an der Platte auslebte, behält Platonov seine Gefühle unter Kontrolle. Auch seine Spielweise ist ein wenig unorthodox von der Taktik geprägt. 

Mit angewinkelten Armen

Im Gegensatz zu anderen Spitzenakteuren seiner Sportart spielt der Weißrusse mit extrem angewinkeltem Arm, so als hätte er das Spielen in irgendwelchen beengenden Kellern erlernt, die Wand stets als natürliches Hindernis im Weg. Der GW-Vorsitzende Martin Vatheuer umschreibt die Spielweise seiner neuen Nummer eins als „unkonventionell“. Dass seine Spielweise dem 35-Jährigen in der Tischtennis-Szene den Spitznamen „Kleiderbügel eingebracht hat, empfindet Vatheuer sogar als treffend. „Das passt ganz gut, weil er den Oberkörper beim Schlag nicht mitnimmt“, sagt der GW-Vorsitzende. „Aber er ist ein ganz toller Spieler, immer hoch konzentriert, lässt sich überhaupt nicht von irgendwas ablenken und spielt seinen Stiefel durch. Pavel steht nah am Tisch und nimmt den Schwung des Gegners mit. Und du weißt nie, wo er den Ball hin spielt.“

In der vergangenen Saison spielte der achtfache weißrussische Meister im Einzel noch in der belgischen Superdivision für PW Diest. Erfahrung im Tischtennissport und im Ausland bringt er zu genüge mit. „Er hat so viele internationale Auftritte, da weiß man, was man kriegt“, hat sich sein Trainer Dustin Gesinghaus bei der Verpflichtung auch keine Gedanken darum gemacht, ob der mehrmalige EM- und WM-Teilnehmer in der 2. deutschen Liga konkurrenzfähig sein würde. „Er hat das Alter, in dem man nicht mehr großartig in der Leistung schwankt. Anders als Kai Zhang, der eine absolute Wundertüte für mich war.“

Der erste Eindruck, den Platonov von seinem neuen Verein gewonnen hat, formuliert er nach zwei Tagen in der Stadt positiv. „Es ist ein schönes Gefühl, in Hamm zu spielen“, sagt er. „Wir haben ein gutes Team mit viel Power und einem guten Spirit, eine gute Atmosphäre in der Halle. Das hilft jedem Einzelnen, um mit mehr Selbstvertrauen an die Platte zu gehen.“

Ein guter Doppelspieler

Den Ruf, auch ein guter Doppelspieler zu sein, bestätigt er gleich zum Saison-Auftakt. An der Seite von Gerrit Engemann gelingt dem Neu-Hammer gegen das Celler Duo Tobias Hippler/Jiri Martinko ein 3:1-Erfolg. Da sich an der anderen Platte auch die anderen GW-Neuzugänge Kai Zhang und Thomas Pellny sehr gut verkaufen, geht Hamm mit einem 2:0-Polster in die Einzel. „Das ist ein guter Vorteil für uns“, weiß Platonov, der seine größten Erfolge bei Weltmeisterschaften an der Seite von Topakteur Vladimir Samsonov mit den Viertelfinal-Teilnahmen 2013 und 2017 gefeiert hat. „Am Samstag haben wir alle zusammen trainiert und versucht, die beste Doppelformation herauszufinden. Ich denke, wir haben eine gute Entscheidung gefunden.“

Dass er noch mehr Zeit als an der Platte mit den Reisen zwischen den Spielorten verbringt, ist für die aktuelle Nummer 94 der Weltrangliste nach fast 20 Jahren im Profigeschäft fast zur Normalität geworden. Für die Anreise nach Hamm braucht er zwischen fünf und zwölf Stunden – je nachdem, wie die Verbindungen sind. „Manchmal bekomme ich einen Flug nach Dortmund, manchmal nach Frankfurt oder Berlin“, sagt der Weißrusse, der in Minsk wohnt. „Manchmal muss ich von Vilnius aus fliegen, das sind von zuhause 500 Kilometer. Aber für Sportler ist es normal, dass sie viel Zeit in Flugzeugen verbringen. Das ist ein großer Part unseres Lebens – nicht so interessant, aber gehört dazu. Normalerweise lese ich dann ein Buch.“

In Hamm wird er zum Lesen wenig Zeit haben, möchte mit seinem Team aber ein kleines Stück GW-Geschichte schreiben. „Wir kämpfen alle zusammen und werden unser Bestes geben, um die besten Resultate für das Team einzufahren“, versichert er. Dann muss er los. Nach Nantes, wo er am Dienstag für Weißrussland bei der Europameisterschaft startet.

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