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Para-Sportler Felix Höfner will in Hamm seine Form wiederfinden

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Von: Patrick Droste

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Auf dem Wasser ist er in seinem Element: Para-Kanute Felix Höfner vom KR Hamm.
Auf dem Wasser ist er in seinem Element: Para-Kanute Felix Höfner vom KR Hamm. © © Andreas Rother

Es ist eine kleine Deutschlandreise, die hinter dem erst 17 Jahre alten Felix Höfner liegt: von der WSG Kleinheubach, einem Verein im unterfränkischen Miltenberg, über die Sporthochschule in Leipzig hin zum Kanu-Ring Hamm – und das alles, um sich seinen großen Traum zu erfüllen.

Hamm - „Mein Ziel ist Olympia“, stellt der Para-Kanute klar und lässt keine Zweifel daran, wie ernst es ihm damit ist. Dabei hatte bei seiner Geburt niemand auch nur einen Gedanken daran verschwendet, dass Höfner in seinem Leben mal sportliche Höchstleistungen vollbringen wird.

Geboren mit Spina bifida

Denn er wurde mit einem offenen Rücken, der sogenannten Spina bifida, geboren. „Mein Rücken musste nach der Geburt geschlossen werden, und es hieß sogar, dass ich niemals laufen könne“, sagt er. Doch da lagen die Ärzte mit ihrer Prognose falsch. Oder sie wussten damals einfach nicht, wie viel Energie und Lebenslust in dem jungen Felix Höfner steckt. Zwar kann sich in seinen Beinen keine Muskulatur bilden (Höfner: „Da ist alles wie Pudding.“), aber mit Hilfe von Unterschenkelorthesen bewegt er sich heutzutage durchaus sicher auf seinen Beinen fort oder flitzt mit seinem Handbike durch die Gegend.

Frühe Entscheidung für das Paddeln

Dennoch war ihm früh klar, dass er mit dieser Behinderung nicht jede x-beliebige Sportart betreiben kann. So dachte er zuerst über Rollstuhlbasketball nach, entschied sich dann aber in jungen Jahren für das Paddeln. „Ich bin dabei in der Natur unterwegs. Und es ist ein vielseitiger Sport“, erklärt er seine Begeisterung für das Kanufahren, das er anfangs nur als Hobby, dann aber schnell als Leistungssport betrieb und sogar den Sprung in die Para-Nationalmannschaft schaffte.

Fast ein halbes Jahr im Krenknhaus

So wechselte er vor zwei Jahren aus seiner bayrischen Heimat zum SC DHfK Leipzig, um dort an der Sportschule noch intensiver trainieren zu können. Allerdings passte dort zuletzt nicht mehr alles so zusammen, wie es sich der 17-Jährige vorstellte. Zudem hatte er von September 2021 bis Februar 2022 im Krankenhaus gelegen und in dieser Zeit auch seinen Platz im Team des Deutschen Kanu-Verbandes verloren. Und da er Christian Gleinert, einen der Trainer des Kanu-Rings, von der Nationalmannschaft her kannte, entschied er sich in diesem Sommer, nach Hamm zu wechseln und unter der Regie von Stützpunkt-Coach Björn Hilbk wieder zu alter Form zu finden.

Mit 17 Jahren zuerst nach Leipzig

Sein Trainer zeigt sich dabei trotz der noch kurzen Zusammenarbeit sehr angetan von seinem neuen Schützling. „Felix ist ein echt motivierter Sportler. Alleine die Tatsache, dass er mit 17 Jahren von Bayern erst nach Leipzig zieht und dann nach Hamm wechselt, zeigt, wie zielgerichtet er sein Ding durchzieht“, sagt der KR-Trainer, für den Höfner der erste behinderte Sportler ist, den er betreut. Dennoch ist er für ihn ein Kanute wie jeder andere, den er mal lobt – und auch mal kritisiert. „Die einzige Einschränkung ist, dass Felix sein Boot nicht alleine zum Steg tragen kann“, meint Hilbk. „Ansonsten ist er wie jeder andere.“

Spätestens in dem Augenblick, wenn Höfner seine Orthesen abgelegt hat und in seinem Boot sitzt, ist er in seinem Element. Dann nutzt er die Kraft seiner muskulösen Arme und versucht, so schnell wie möglich über das Wasser zu gleiten. Allerdings gibt es doch einen kleinen Unterschied. So steuert er das Boot nicht wie die anderen Kanuten mit den Beinen, sondern mit dem Paddel. Wie gut er diese Technik beherrscht, zeigte er vor zwei Wochen bei der Deutschen Meisterschaft auf den brandenburgischen Beetzsee, als er trotz einer im Juni erlittenen Coronainfektion in der Para-Gesamtwertung Zweiter geworden war und in der KL2 DM-Gold gewonnen hatte.

Erstes Ziel: Heim-WM in Duisburg

„Da hat alles gut hingehauen“, erinnert er sich gerne an dieses Wochenende, das aber nur der Anfang gewesen sein soll. Denn Höfner will in diesem Winter hart trainieren, im April bei den Qualifikationsrennen wieder den Sprung in das Para-Nationalteam schaffen und im nächsten Jahr bei der Heim-Weltmeisterschaft in Duisburg dabei sein. „Da werden schon die ersten Quotenplätze für die Olympischen Spiele in Paris vergeben“, sagt er. „Es wäre schon toll, wenn das klappt.“

Im Alltag auf sich alleine gestellt

Helfen soll ihm dabei auch der Wohlfühleffekt, der ihm die Stadt Hamm gibt. Höfner, der die Konrad-Adenauer-Schule besucht, wohnt alleine in einer kleinen Wohnung im Studentenwohnheim Paracelsuspark, wo er mit seinen 17 Jahre alleine auf sich gestellt ist – und diese Tatsache sehr genießt. „Hamm gefällt mir viel besser als Leipzig. Ich mache hier alles selbst. Das ist kein Thema für mich“, sagt er und hat dabei sogar noch einen weiteren Vorteil für sich entdeckt, der ihm seinem Olympia-Traum vielleicht ein bisschen näher bringt. „Ich muss zwar alleine kochen, kann dadurch aber auf eine entsprechende Sportlerernährung achten. Das war in Leipzig nicht immer so gegeben. Da kam das Essen von einer Cateringfirma und war nicht jedes Mal auf die Bedürfnisse eines Sportlers zugeschnitten“, sagt er nach dem Training am neuen Wassersportzentrum am Kanal, eher er sich auf sein Handbike setzt und zufrieden nach Hause radelt.

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