Gebürtige Hammerin feiert auf dem Snowboard Olympia-Premiere

+
Die in Hamm geborene Carolin Langenhorst möchte bei den Olympischen Winterspielen in Südkorea auf ihrem Snowboard im Parallel-Riesenslalom gerne einen Platz unter den besten Zehn belegen.

Hamm - Die in Hamm geborene Snowboarderin Carolin Langenhorst bestreitet im südkoreanischen Pyeongchang ihre ersten Olympischen Winterspiele. Am 22. Februar wird es für die 22-Jährige, die am Montag in Asien angereist ist, ernst mit der Qualifikation im Parallel-Riesenslalom.

Die waghalsigen Freestyle-Disziplinen, in denen die Athleten möglichst hoch und möglichst kunstvoll durch Halfpipes fliegen, sind nicht so ihr Ding. Auch nicht die mit Hindernissen gespickten Cross-Strecken. „Dafür bin ich zu sehr Schisser“, sagt Carolin Langenhorst mit einem Lächeln: „Ich bin einfach nicht so risikofreudig.“ 

Das Terrain der 22-jährigen Snowboarderin, die in Hamm geboren wurde, sind die alpinen Wettbewerbe, und da vor allem der Parallel-Riesenslalom. In diesem tritt sie am 22. Februar auch bei den Olympischen Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang an.

Verwandtschaft in Bergkamen, Lüdinghausen und Werne

Hamm hat sie mit ihrer Familie bereits im Alter von zweieinhalb Jahren in Richtung Bayern verlassen, weil ihr Vater dort damals eine neue Anstellung als Arzt fand. Ihre sportliche Heimat ist seit Jahren der WSV Bischofswiesen. Trotzdem fühlt sich Langenhorst nach eigenen Angaben Westfalen nach wie vor verbunden – auch und gerade, weil sie Verwandtschaft in Bergkamen, Lüdinghausen und Werne hat, die sie ein- bis zweimal im Jahr besucht. Zum Beispiel ihre Großeltern. „Die sind megastolz“, sagt die Olympionikin.

Offiziell begonnen haben die Spiele am vergangenen Freitag, am Montag machte sich auch Langenhorst auf den Weg nach Asien, nahm den Flieger von München, wo sie Mathematik studiert, in die südkoreanische Hauptstadt Seoul.

Drei bis vier Stunden Busfahrt nach Ankunft in Seoul

Olympische Atmosphäre schnuppern, das kam und kommt bei ihr aber erst einmal noch ein wenig zu kurz. Die Eröffnungsfeier konnte sie nur vor dem Fernseher erleben, und auch nach ihrer Ankunft in Südkorea wird sie nicht gleich das Olympische Dorf beziehen und im deutschen Haus Kontakt zu den Athleten aus den anderen Sportarten suchen. „Wir fahren zunächst noch zu einem anderen Hang, um zu trainieren“, verdeutlicht Langenhorst. In Seoul eingetroffen, stehen für sie deswegen noch drei bis vier Stunden Busfahrt bis zu dem Resort auf dem Programm, wo sie wohnen wird, bis der „Umzug“ aufs olympische Gelände erfolgt.

Zusammen mit Bobfahrer Johannes Lochner hatte Carolin Langenhorst bei der offiziellen Einkleidung der Olympia-Mannschaft für die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang viel Spaß.

Dass sie vor Ort noch ein wenig Zeit hat, bis ihre Wettkämpfe anstehen, ist für sie nicht von Nachteil. „Man braucht auch ein bisschen Zeit, bis man sich umgestellt hat, bis man sich an das Essen gewöhnt hat“, verweist Langenhorst auf den drohenden Jetlag und die kulturellen Unterschiede zu Deutschland.

In den Tagen vor der Abreise schlich sich bei ihr ganz allmählich das Lampenfieber ein. In der vergangenen Woche hatte sie an einem letzten Trainingscamp teilgenommen, und da, so stellte sie fest, „wurden alle so langsam nervös“. Zuvor hatte sie ihrem ersten Olympia-Start eher mit einer Art ungläubigem Staunen entgegen geblickt. „Es hat ein bisschen gedauert, bis ich realisiert hatte, dass ich wirklich dabei bin.“

Platz zehn im Gesamt-Weltcup der Saison 2016/17

Dabei scheinen die Chancen auf ein gutes Ergebnis für Langenhorst gar nicht schlecht zu stehen. Sie kann sich in Pyeongchang ganz auf ihre stärkste Disziplin konzentrieren, den Parallel-Riesenslalom. In diesem feierte sie ihre bisher größten Erfolge, gewann Bronze bei der Junioren-WM 2016 und schaffte mit dem zweiten Platz in Rogla im Januar 2017 ihren ersten Sprung auf ein Weltcup-Podest. In der Weltcup-Gesamtwertung belegte sie zum Ende der Saison 2016/17 Rang zehn. 

Hatte sich Langenhorst zu Beginn des Jahres einfach nur über die geschaffte Olympia-Qualifikation gefreut, so hat sie mittlerweile konkrete Ambitionen entwickelt. „Inzwischen bin ich so weit, dass ich sage, ich würde gerne in die Top Ten kommen“, lautet ihr Ziel für ihre Olympia-Premiere. Die andere alpine Snowboard-Disziplin, der Parallel-Slalom, ist 2018 nicht olympisch.

Beim Parallel-Riesenslalom duellieren sich zwei Athleten nebeneinander auf einem möglichst identischen Kurs. Dieser Vergleich Mann gegen Mann beziehungsweise Frau gegen Frau ist es auch, der die 22-Jährige so fasziniert. Dass sie mit der Gegnerin immer einen Anhaltspunkt für die eigene Schnelligkeit hat, gefällt Langenhorst zwar. „Aber man muss lernen, damit klar zu kommen, dass man auch mal in Rückstand liegt. Dass man dann nicht die Nerven verliert“, sagt sie. Die 16 Schnellsten der Qualifikation kommen ins Finale, das am 24. Februar stattfindet.

Ihre Großeltern werden dann natürlich vor dem Fernseher sitzen, wenn ihre Enkeltochter sich in Pyeongchang die Pisten hinunter stürzt. Ob „Schisser“ oder nicht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare