Interview

Zurück auf dem Wasser: Olympiasiegerin hält ihr Team bei Laune

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Katrin Rutschow-Stomporowski bei der Arbeit mit dem Junioren-Doppelvierer des Ruderclub auf dem Datteln-Hamm Kanal.

Auch der Rudersport ist maßgeblich von der Coronavirus-Krise betroffen, denn die Wettkämpfe sind buchstäblich ins Wasser gefallen. Doch Katrin Rutschow-Stomporowski, Trainerin des Ruderclubs Hamm, hält ihr Team bei Laune.

Hamm – Als zweifache Olympiasiegerin (1996, 2004) hat Katrin Rutschow-Stomporowski, Ü15-Trainerin des Ruderclubs Hamm, Erfahrungen mit langen Wettkampfpausen. Nicht jedoch, wenn es – wie in Corona-Zeiten – kein wirkliches sportliches Ziel gibt. Im Gespräch mit Erik Hlacer hat die 45-Jährige einen Einblick gegeben in die Nachwuchsarbeit des Vereins, das Training in Krisenzeiten und die im Herbst anstehenden Regional-Wettbewerbe.

Frau Rutschow-Stomporowski, welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf den Ruderclub?

Die Auswirkungen sind groß, wenn man bedenkt, dass wir eine Truppe voll mit wettkampfhungrigen Sportlerinnen und Sportlern haben und für den Sommer alle Wettkämpfe gestrichen wurden. Das ist eine ungewohnte Situation. Dafür konnten wir fast die ganze Zeit trainieren. Da hat die Corona-Krise andere Sportarten natürlich deutlich mehr beeinträchtigt.

Wie wurde während der Wettkampfpause trainiert?

Durchgehend trainiert haben wir nicht. In der Zeit, zu der alles dichtgemacht wurde, waren wir beispielsweise auch nicht auf dem Wasser. Denn unser Vereinsbetrieb stand ja ohnehin still. Erst mit den ersten Lockerungen ging es wieder los. Zunächst hieß das für unsere Sportlerinnen und Sportler: Training im Einer. Dann wurde die Gastro wieder geöffnet und wir konnten irgendwann wieder in die Mittel-und Großboote einsteigen. Das hat die Stimmung beflügelt. Davor war sie immer noch ein bisschen gedrückt.

Holte bei den Olympischen Spielen 2004 (Vierer) die Goldmedaille: RC-Trainerin Katrin Rutschow-Stomporowski.

War es schwer die Sportlerinnen und Sportler in dieser Zeit beisammenzuhalten?

Überhaupt nicht. Als wir wieder aufs Wasser konnten, waren auch alle sofort wieder dafür zu haben. Und als Trainerin war ich auch sehr froh darüber. Ich kann nicht erwarten, dass jeder acht Wochen oder länger alleine zuhause trainiert und dabei noch die Motivation behält. Trotzdem habe ich der Mannschaft Trainingspläne mitgegeben.

Wie lief die Nachwuchsarbeit grundsätzlich in der letzten Zeit?

Wir haben das bestehende Team, wie gesagt, gut bei Laune gehalten. Kontakt aufnehmen, um neue Leute zu gewinnen, konnten wir bis dato aber gar nicht. Wobei ich mir gut vorstellen kann, dass Jugendliche merken, dass es in solchen Zeiten auch mal lahm wird zuhause. Und da sind Outdoor-Sportarten, bei denen man mit wenig – oder theoretisch auch ohne – Kontaktpersonen auskommt, natürlich eine willkommene Alternative.

Im Herbst stehen voraussichtlich Regatten in Krefeld und Werder an. Sind die noch das erklärte Ziel?

Ja. Für Anfang Oktober sind in Krefeld die Landesmeisterschaften und in Werder die Sprintmeisterschaften angesetzt. Wir hoffen aber auch, dass es vielleicht doch noch eine echte Meisterschaft geben wird. Vor allem weil Annika Bomholt und Johanna Kneffel ein wenig der Abschluss geklaut wurde. Denn die zwei wechseln bald in eine höhere Altersklasse. Es wäre also wünschenswert, wenn noch ein paar mehr Wettbewerbe dazukommen. Da müssen wir mal abwarten, ob die in in paar Monaten vielleicht wieder erlaubt sind. Ansonsten freuen wir uns aber auch auf die regionalen Regatten.

Wie verläuft die Vorbereitung auf die Regatten?

Hochintensiv bereiten wir uns nicht vor, solange keine überregionalen Meisterschaften anstehen. Aber wir versuchen auf Stand zu kommen, keine Frage. Dazu nutzen wir jetzt auch wieder den Kraftraum und arbeiten an den Grundlagen unserer Ausdauer. In den ersten vier Wochen der Sommerferien ist jetzt aber erst einmal Pause. Die letzten zwei Wochen nutzen wir dann, um wieder reinzukommen. Das ist ganz gut. Dann ist danach erstens der Muskelkater weg und zweitens startet der Sport nicht zeitgleich mit dem Schulstress.

Sie selbst sind Olympia-Siegerin. Haben Sie Erfahrungen mit so langen Wettkampfpausen?

Ich bin ja damals schon relativ schnell bei den ganz Großen eingestiegen. Nach der Jugend bin ich sofort in der Nationalmannschaft gerudert. Da war ich dann hauptsächlich in der Sommersaison aktiv. Im Herbst habe ich maximal bei einer Regatta mitgemacht, war vom Kopf her aber längst im Winter beim Langstreckenwettbewerb. Doch eine solche Pause ist natürlich anders als die, die wir momentan erleben. Ich hatte schließlich immer ein Ziel vor Augen. Meine Truppe hat das nicht. Aber ich muss ihr ein Lob aussprechen. Die Sportlerinnen und Sportler waren trotzdem durchweg sehr fleißig und diszipliniert.

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