Hausbesuche

Oliver Reinhard und Patrick Schmidt - eingespieltes Duo beim TuS Uentrop II

Oliver Reinhard (links) und Patrick Schmidt verstehen sich bestens: Am Grill, aber auch seit fünf Jahren gemeinsam an der Seitenlinie beim TuS Uentrop II.
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Oliver Reinhard (links) und Patrick Schmidt verstehen sich bestens: Am Grill, aber auch seit fünf Jahren gemeinsam an der Seitenlinie beim TuS Uentrop II.

Hausbesuche heißt diese Serie im Lokalsport. Dies ist die letzte Folge. Wir haben die Fußball-Trainer von der Kreisliga A bis zur Oberliga zuhause besucht und mit ihnen über alltägliche Dinge, über skurrile Vorkommnisse, persönliche Erlebnisse und natürlich auch über Fußball geredet.

Hamm - Sie sind eingespielt. Kennen sich richtig gut. Denken fast immer gleich. Und treten immer als Doppelpack auf. Seit fünf Jahren trainieren Oliver Reinhard und Patrick Schmidt gemeinsam den Fußball-A-Kreisligisten TuS Uentrop II und können sich nur schwerlich vorstellen, ohn den jeweils anderen an der Seitenlinie zu stehen. „Wir sind ein eingespieltes Duo, das hat sich so entwickelt“, sagt der 38 Jahre alte Reinhard, und der gleichaltrike Schmidt fügt hinzu: „Das fluppt einfach bei uns. Egal, ob es um Aufstellung, Taktik, Auswechslung oder Training geht – in 95 Prozent der Fälle sind unsere Entscheidungen identisch.“

Dabei hatte anfangs jeder von beiden auf unterschiedliche Weisen seine ersten Erfahrungen als Coach gesammelt. Reinhard hatte sowohl beim SV Westfalia Rhynern als auch beim TuS Uentrop im Jugendbereich als Trainer gearbeitet. Doch mit 28 Jahren hatte er damit aufgehört, als sich Nachwuchs im Hause Reinhard ankündigte. „Ich war dann vier Jahre lang Fußballrentner“, erinnert er sich. Hinzu kam, dass er in Wetter bei einer Stahlfirma als Arbeitvorbereiter angestellt ist und jeden Tag aus dem Hammer Osten rund 130 Kilometer zum Job hin- und herfahren muss. „Das ist zwar von der Fahrerei her manchmal stressig. Aber man muss ja sein Geld irgendwo verdienen. Und mir macht die Arbeit da viel Spaß“, sagt Reinhard, der in der Jugend vier Jahre für den VfL Mark gespielt, anschließend im Junioren- und Seniorenbereich für den damaligen Bezirksligisten SC Westtünnen, für den SC Sönnern sowie den TuS Uentrop aktiv war.

Nachfolge von Jürgen „Tülle“ Welp

Doch eines Tages klingelte Schmidt, der nur 150 Meter Luftlinie entfernt wohnt, bei ihm an und fragte, ob er nicht mit ihm zusammen die Nachfolge von Jürgen „Tülle“ Welp anteten wolle. Der hatte nach dem vierten Spieltag sein Engagement als Trainer der Uentroper Resewrve, die damals noch in der Kreisliga B spielte, beendet. „Patrick und ich kannten uns aus dem Seniorenbereich, hatten zwei, drei Jahre lang zusammen in der Ersten beim TuS gespielt“, erklärt Reinhard, der aber nicht sofort zusagte, sondern sich einige Tage Bedenkzeit erbat. „Ich habe dann eine Woche gebibbert. Aber als er dann sein Okay gegeben hat, habe ich laut gejubelt“, sagt Schmidt, der in Riesa geboren wurde und dort auch seine ersten Erfahrungen als Fußballer sammelte.

Im Jahr 2001 bekam sein Vater einen neuen Job und siedelte mit der Familie nach Hamm um. „Ich war damals gerade 18 Jahre alt. Und einer meiner ersten Gänge war zum TuS Uentrop, um mich da anzumelden. Für mich gab es damals nichts anderes als Fußball“, sagt er. Zuerst kickte er noch ein Jahr bei den A-Junioren, ehe im Seniorenbereich Gisbert Stockey sein erster Trainer war und ihn unter seine Fittiche nahm. Bis auf ein halbes Jahr beim 1. FC Pelkum ist er dem TuS seitdem treu geblieben, musste aber vor vier Jahren seine aktive Laufbahn beenden. „Mein Meniskus war hin. Da hat der Arzt gesagt, es wäre besser, wenn ich mit dem Fußball Schluss machen würde“, sagt Schmidt, der in Rhynern als Flachglasmechaniker arbeitet.

Schmidt dachte gleich an Reinhard

Besonders gut hat er die Fußballzeit in der zweiten Mannschaft in Erinnerung. Nach seiner Rückkehr aus Pelkum kickte er mit vielen jungen Akteuren in der Reserve in der Kreisliga B und fand eine Menge Gefallen daran, die Nachwuchsakteure an seiner Erfahrung teilhaben zu lassen. „Dieses Miteinander mit den jungen Leuten hat mir richtig Bock gemacht. Denn im Fußball gibt es viele Dinge, die man aufsaugt, die man mitnimmt und die auch fürs das Leben wichtig sind. Das fand ich spannend“, erklärt er und wurde daher Co-Trainer an der Seite von Welp. „Als Tülle dann aufhörte, war mein erster Gedanke sofort, den Olli zu fragen. Und jetzt, wo wir das seit fünf Jahren zusammen machen, muss ich sagen, dass das mit ihm absolut bombastisch ist.“

Zumal beide schnell merkten, dass sie im Fußball auf einer Wellenlänge sind. „Es wird bei uns auch nicht viel gestritten. Jeder bringt seine Meinung ein – und dann schauen wir, was das Beste für die Mannschaft ist“, sagt Reinhard. Und das Beste war, dass sie ihr Team in der Saison 2018/19 auf einen Aufstiegsplatz führten und nun mit ihren Schützlingen in das dritte Kreisliga-A-Jahr gegangen sind.

Diesen Aufstieg hatten sie damals in keiner Weise geplant. Aber nach einem furiosen Start in die Spielzeit mit zehn Siegen hatte das Team eine Menge Selbstverstrauen getankt. „Wir haben zwar die ganze Zeit die Wörter Meisterschaft und Aufstieg nicht in den Mund genommen. Aber wir haben uns immer wieder angeguckt und es genossen, wie es lief, wie sich die Jungs präsentiert und wie sie es bis zum Ende durchgezogen haben“, betont Schmidt. „Wir hatten damals – und haben auch jetzt noch – eine sehr junge Mannschaft. Und das war schon stark, was die in dem Jahr investiert und geleistet haben.“

Die erste Saison nach dem Aufstieg

Am Ende gelang der Sprung in die Kreisliga A – dort, wo auch die Erste des TuS seit einigen Jahren beheimatet ist. Doch die erste Saison, die im März 2020 wegen der Corona-Pandemie abgebrochen wurde, verlief überhaupt nicht nach Wunsch des Trainerduos. Lediglich vier Punkte und der letzte Platz standen am Ende zu Buche. „Das war für die Jungs auch recht schwer zu verdauen. Im Jahr vorher hatten sie fast alles gewonnen, jetzt fast alles verloren. Da hatten wir uns schon mehr versprochen. Das war schon anstrengend”, gibt Reinhard ehrlich zu. „Es war in dem Jahr alles dabei: von unglücklich verloren bis Lehrgeld bezahlt.” Und Schmidt fügt hinzu: „Wir haben einfach zu viele individuelle Fehler gemacht.”

In der vergangenen Saison, die wegen Corona Ende Oktober 2020 abgebrochen worden war, lief es schon deutlich besser. Aus vier Partien holte die Uentroper Reserve sieben Zähler, gewann unter anderem gegen die Zweitvertretung aus Lohauserholz souverän mit 3:0. „Da haben die Jungs gezeigt, zu was sie im Stande sind. Wir hoffen, dass sie das jetzt mit in die neue Saison nehmen”, sagt Schmidt, der sich vor allem wieder auf zwei Duelle freut: die gegen die eigene Erste.

In der Saison 19/20 hatte Uentrop I beide Duelle gewonnen. Dennoch hat das Trainerduo nur gute Erinnerungen an diese vereinsinternen Derbys. „Die Spieler und auch wir haben diesem Spiel jeweils die ganze Woche entgegengefiebert. Wir als Zweite hatten da ja nichts zu verlieren, konnten nur gewinnen”, sagt Reinhard. Und Schmidt stellt klar: „Diese Aufeinandertreffen hätte ich gerne als Spieler erlebt. Das ist schon eine ganz besondere Partie.” Bis zum Oktober müssen sie sich noch gedulden, dann kommt es wieder zum Uentroper Duell. Und dann hofft das Trainerduo insgeheim auf eine kleine Überraschung.

Heißsporne an der Linie

Aber bis dahin wollen Schmidt und Reinhard schon so viele Punkte wie möglich sammeln, im Kampf um den Klassenerhalt ein kleines Polster zu den gefährdeten Plätzen ergattert haben. Dazu wollen die Trainer ihren Teil beitragen. Mit ihrem Training, dass sie vorher absprechen und sich dann aufteilen, um mit kleinen Gruppen zu arbeiten. „Dann ist da mehr Fluss drin”, sagt Schmidt. Und natürlich mit einem emotionalen Coaching sonntags bei den Meisterschaftsspielen. „Meistens bin ich der Heißsporn. Man ist da on fire. Das gehört nun mal dazu”, gibt Schmidt zu.

Aber auch Reinhard gesteht ein, dass er schon mal über das Ziel hinausgeschossen ist. „Wir hatten mal ein Spiel, da hat der Gegner echt heftig ausgeteilt. Und der Schiri hat das meiner Meinung nach nicht entsprechend unterbunden. Da habe ich mich schon mal in der Wortwahl vergriffen”, sagt er, fügt aber schnell hinzu: „Letztlich ist es uns schon wichtig, dass wir uns respektvoll verhalten.”

Und wenn der eine mal zu laut oder zu emotional ist, fängt ihn der andere eben wieder ein. Die Zwei sind nun mal ein gut eingespieltes Duo. Und daher steht für Schmidt auch fest: „Wenn Trainer, dann nur mit Olli.”

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