Tennis

Öffnung der Anlagen: Glückliche Gesichter beim TuS 59 Hamm

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Fast wieder Tennis-Alltag beim TuS 59: Rudolf Blasum (links) schwingt das Racket

Günter Darenberg hörte gestern Vormittag genau hin. Jedes Plop-Geräusch, das beim Schlagen der Tennisbälle verursacht wurde, war wie Musik in den Ohren des erfahrenen Trainers vom TuS 59 Hamm.

Hamm - „Wenn ich das hier vernehme, dann geht es mir richtig gut“, sagte Darenberg mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

Denn nach wochenlanger Pause aufgrund der Corona-Pandemie hatte der TuS 59 nach dem Okay der Landesregierung, so wie die meisten anderen Tennis-Vereine in Hamm auch, seine Plätze wieder geöffnet – und die Mitglieder nahmen das Angebot nicht nur voller Freude, sondern auch überaus reichhaltig an. So waren am Freitag fast alle Plätze auf der Anlage an der Rietzgartenstraße belegt, überall flogen im Sekundentakt die Bälle über das Netz. „Als ich in der Nacht zu Freitag zur Toilette musste, habe ich mich schon gefreut“, sagte der 88 Jahre alte Hans Mathiak, als er zusammen mit seiner Frau Grit erstmals nach der Zwangspause wieder das Racket schwang. Und auch Alex Hiller machte keinen Hehl daraus, wie sehr er seinem ersten Aufschlag in der diesjährigen Freiluftsaison entgegen gefiebert hatte. „Ich hatte zwar in der Coronapause mit meiner Frau im Garten ein paar Volleys gespielt. Aber das ist natürlich nichts im Vergleich dazu, jetzt wieder auf dem Platz zu stehen und die Asche zu riechen. Das ist einfach nur geil“, sagte der 40 Jahre alte Akteur aus der Herren-30-Mannschaft.

Um den Vereinsmitgliedern nach den Wochen des Stillstands wieder zu ermöglichen, ihrem Lieblingssport nachzugehen, hatten die Vereinsverantwortlichen seit Mittwochabend eine Menge Arbeit verrichtet. Am Donnerstag hatten Darenberg und seine Mitstreiter aus dem zuvor extra zusammengestellten Corona-Team mit Flatterbändern die Zugänge abgesichert, die Bänke bereitgestellt, die Plätze vorbereitet und eine Tafel aufgestellt, auf der alle Verhaltensregeln aufgeschrieben sind – und auf der sich jeder Spieler eintragen muss. „Dadurch können wir im Fall der Fälle, wenn sich einer infizieren sollte, genau nachverfolgen, wann derjenige mit wem gespielt hat“, erklärt der Trainer des TuS 59.

Coronavirus in Hamm: "Das kam für uns sehr plötzlich"

Am Freitagvormittag wurde dann das zuvor gelieferte Hygienepaket mit den Desinfektionsflaschen, den entsprechenden Wandhalterungen, den Desinfektionstüchern zum Abputzen der Bänke und Türklinken sowie die antibakterielle Kernseife geöffnet und verteilt, um alle Vorschriften einhalten zu können. „Wir sind glücklich, dass wieder die Möglichkeit besteht, Tennis zu spielen. Aber das kam für uns schon sehr plötzlich“, wunderte sich Darenberg im Nachhinein über die unerwartete Nachricht der Landesregierung am Mittwochabend und gab zu: „Das war schon schwer, dem Druck standzuhalten. Denn wir wurden von unseren Mitgliedern, die das natürlich auch mitbekommen hatten, fast pausenlos gefragt, wann es endlich losgeht.“

Die Vereinsmitglieder wussten die Mühen der Verantwortlichen jedenfalls zu schätzen und zeigten sich beeindruckt von der Handlungsschnelligkeit des TuS 59. „Das war schon klasse, wie schnell unser Verein reagiert hat und es uns ermöglicht hat, wieder zu spielen. In meinem Augen war das eine Meisterleistung“, lobte Hiller, der sich am Abend zuvor per Whatsapp mit Thomas Treutlein zu einem ersten Trainingsmatch verabredet hatte.

Ein Schritt in die Normalität

Treutlein war zuletzt fünf Wochen lang zur Untätigkeit verdammt gewesen. Zuerst saß er für 20 Tage in Südafrika fest, danach musste er für 14 Tage in die häusliche Quarantäne. „Ich war schon Fahrradfahren. Das war toll. Aber Tennis ist natürlich viel besser“, meinte der 44-Jährige und genoss es sichtlich, die Filzkugel über das Netz zu jagen. „Die Freude, wenn die Freiluftsaison losgeht, ist immer groß,. Jetzt war sie noch größer. Denn es ist wieder ein weiterer Schritt in die Normalität.“

Auf dem Platz nebenan hatte Rudolf Blasum derweil sein Match schon beendet und zog den Platz ab, um ihn für die Spieler bereit zu machen, die nach ihm das Racket schwingen wollten. „Es hat doch wieder viel Spaß gemacht“, sagte der 76-Jährige, der direkt nach dem Frühstück zur Rietzgartenstraße aufgebrochen war und bereits um halb zehn auf dem Platz stand. „Man war ja entwöhnt“, erklärte er. „Frische Luft hatt ich bei Spaziergängen mit meiner Frau schon genug genossen. Aber jetzt trifft man seine Tennisfreunde wieder, das ist schon schön.“

Anna Beßer hatte am Donnerstag zu den ersten Spielerinnen gehört, die die tennis-freie Zeit beendet hatte und wieder auf der Platzanlage im Hammer Osten aufgetaucht war. Doch nach ihrem ersten Trainingsduell nach der Zwangspause mit Lisa Mengel musste die 16-Jährige feststellen: „Es läuft noch nicht wieder so wie erhofft. Ich hatte zwar zuletzt viel im Bereich Fitness gemacht. Aber das Ballgefühl fehlt noch. Und es tat danach alles weh.“ Daher hatte sie sich am Freitag erneut verabredet, dieses Mal ging es gegen Lea Mengel – verbunden mit der Hoffnung, das die Automatismen schon wieder ein bisschen mehr da sind. „Ich werde jetzt jedenfalls jeden Tag wieder Tennis spielen“, stellte sie klar.

Viel für die Fitness gemacht

Derweil machte sich Hans Mathiak für das Duell mit seiner Frau bereit. „Mal schauen, ob ich den Ball noch treffe“, meinte Grit Mathiak. Doch es klappte durchaus gut, und es war den Eheleuten deutlich anzusehen, wie viel Spaß sie hatten, nach so langer Zeit wieder auf dem Tennisplatz zu stehen. „Wir haben viel Fitness gemacht und sind mehr als sonst Rad gefahren. Aber Tennis macht mehr Spaß“, erklärte Hans Mathiak.

Und während auf allen Plätzen mit viel Freude wieder Tennis gespielt wurde, so, als hätte es nie einen Corona-Pause gegeben, machte sich Günter Darenberg wieder auf den Weg nach Hause. „Es ist jetzt angelaufen und wird in Eigenverantwortung weiter gehen“, sagte der Coach des TuS 59, de rin der kommenden Woche auch wieder mit dem Training beginnen will. „Vom Vorstand wird über das Wochenende immer mal wieder einer vorbeischauen, ob alle Verhaltensregeln eingehalten werden. Aber ich setze da voll und ganz auf unsere Mitglieder. Alle sind ja daran interessiert, dass die Plätze offen bleiben.“

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