Fußball

Nur gedämpfte Freude bei Kaminski

Rhynerns Trainer Michael Kaminski ist mit dem bisherigen Abschneiden seiner Mannschaft sehr zufrieden.
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Rhynerns Trainer Michael Kaminski ist mit dem bisherigen Abschneiden seiner Mannschaft sehr zufrieden.

Hamm – Ohne Niederlage wird Fußball-Oberligist Westfalia Rhynern aus dem Jahr 2020 herausgehen, nachdem der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) den Spielbetrieb in der vergangenen Woche auch für den Monat Dezember ausgeschlossen hat. Die Freude über dieses Erfolgsjahr ist rund um den Papenloh aufgrund der Corona-Pandemie allerdings eher gedämpft, wie Trainer Michael Kaminski in einem Gespräch mit Patrick Droste verrät – zumal der 36-Jahre alte Coach auch berufsbedingt mit dem Virus zu kämpfen hat.

Herr Kaminski, wie fühlt es sich derzeit an, ein Trainer außer Dienst zu sein?
Auch wenn wir im Frühjahr schon einmal so eine Phase ist, es ist ein komisches und ungewohntes Gefühl. Ich muss ehrlich sein, dass ich im Sommer, als wir in die neue Saison gestartet sind, nicht gedacht hätte, dass wir so schnell wieder eine Zwangspause einlegen müssen. Wir waren sportlich richtig gut drauf, dann kam die Unterbrechung. Das war schon eine blöde Situation. Aber leider wohl unvermeidbar.
Sie arbeiten im Evangelischen Krankenhaus in Hamm als Physiotherapeut. Bekommen Sie da die aktuelle Corona-Pandemie hautnah mit?
Ja. Es gehört auch zu meinen Aufgaben, die Patienten, die auf der Intensivstation mit Covid–19 im Koma liegen oder künstlich beatmet werden, physiotherapeutisch zu behandeln. Das ist kein angenehmes Gefühl, aber es gehört nun mal zu meiner Arbeit. Angst um mich habe ich nicht. Aber ich bekomme schon mit, wie präsent dieses Virus ist und dass man damit auf keinen Fall spaßen kann. Umso wichtiger ist es, dass sich jeder an die Spielregeln hält.
Also sind für Sie die Unterbrechung der Saison im November und die Verlängerung der Zwangspause auch im Monat Dezember absolut nachvollziehbar?
Klar habe ich dafür Verständnis. Wir müssen da alle an einem Strang ziehen. Einige Leute sagen zwar, dass wir als Fußballer Freiluftsport betreiben und dass uns da nichts passieren könne. Aber wie kommen die Spieler zum Training? In Zügen, in Bussen. Zu den Auswärtsspielen wurden Fahrgemeinschaften gebildet. In den Kabinen saß man zusammen. Daher ist diese Pause schon sinnvoll. Allerdings tut mir diese Unterbrechung für alle Vereine leid. Es wurden Konzepte entwickelt, die nicht nur Zeit, sondern auch Geld gekostet haben. Die Ehrenamtler haben da viel Leidenschaft und Mühe reingesteckt. Und irgendwie fühlt es sich jetzt so an, als würden der Aufwand und die Arbeit nicht belohnt.
Wie sieht es mit Ihrer Arbeit als Coach aus? Bekommen die Spieler weiter einen Trainingsplan, jetzt, wo man weiß, dass die Saison frühestens im Januar fortgesetzt wird?
Ich hatte in Zusammenarbeit mit meinem Co-Trainer Julian Stöhr und unserem Torwart-Trainer Hansi Sommer den Jungs zuerst einen Laufplan gegeben. Aber jetzt machen wir das nicht mehr. Wir wollen das bis Ende Dezember nicht mehr kontrollieren. Das läuft nun auf freiwilliger Basis. Das hat im Frühjahr auch gut geklappt, da haben die das ebenfalls in Eigenregie gemacht. Und das alle was getan haben, haben wir daran gemerkt, dass wir beim ersten Training nicht bei Null starten mussten. Wir werden also abwarten, bis das Okay von der Politik kommt, dass wir wieder auf den Platz dürfen. Denn werden wir das wieder intensivieren.
Als die Unterbrechung Ende Oktober kam, war es für Ihr Team aus sportlicher Sicht ein sehr ungünstiger Moment, denn die Westfalia eilte von einem Erfolgserlebnis zum nächsten. Glauben Sie, dass Ihr Team im Januar an die guten Leistungen direkt anknüpfen kann oder haben Sie Sorgen, dass es zu einem Bruch kommen kann?
Wir waren in der Tat in einer Bombenverfassung. Wir hatten 18 Punkte geholt, waren in dieser Saison ungeschlagen. Und wenn man das einzige Spiel aus dem ersten Halbjahr hinzunimmt, als wir in Erndtebrück 2:0 gewonnen hatten, sind wir ja sogar das ganze Jahr unbesiegt. Da hat die Mannschaft einfach gezeigt, was sie kann. Wir hatten im Sommer unseren Stamm gehalten und uns punktuell sehr gut verstärkt. Und wir haben uns vor allem in Sachen Toreschießen breiter aufgestellt. Sonst war immer Lennard Kleine der Mann, der getroffen hat. Jetzt haben auch andere Jungs wie Akhim Seber, Michael Wiese, Jan Kleine, Hakan Sezer oder auch der junge Gianluca Di Vinti den nächsten Schritt gemacht und gezeigt, dass sie in der Oberliga Tore schießen können. Hinzu kommt die gute Harmonie bei uns im Team. Die Jungs kommen alle total gerne zum Training und sitzen auch oft danach noch lange zusammen. Manchmal veranstalten die noch ein Dartturnier und sind eine oder anderthalb Stunden nach dem Training noch am Platz. Ich denke, das ist einer der Schlüssel für unseren Erfolg. Daher habe ich auch keine Sorge, dass es beim Re-Start zu einem Bruch kommt.
Welche Hoffnungen, aber auch welche Sorgen verknüpfen Sie mit dem geplanten Re-Start im Januar?
Es war im Oktober einige Male schon sehr ärgerlich, dass die Spiele so kurzfristig aufgrund von Corona-Verdachtsfällen abgesagt wurden. Man hatte sich akribisch auf ein Spiel vorbereitet, hatte den Gegner per Video oder sogar live im Stadion zuvor analysiert und sein eigenes Team entsprechend eingestellt. Und dann kamen die Absagen. Dann hat man schon überlegt, warum man diesen ganzen Aufwand betreibt. Da habe ich jetzt einfach die Hoffnung, dass es nicht mehr zu so vielen Absagen kommt. Sorgen haben ich ansonsten keine. Der Fußball, den wir betreiben, ist weiter nur ein Hobby, auch wenn er schon einen großen Teil unseres normalen Lebens einnimmt. Ich wünsche mir jetzt, dass der Verband bis Weihnachten eine Regelung trifft, wie es bei uns in der Oberliga weitergeht. Es ist sicherlich utopisch, dass wir mit den 21 Mannschaften 42 Spieltage absolvieren können. Dann müssten wir ja nur noch spielen und könnten kaum noch trainieren. Ich denke, man sollte zuerst die Nachholspiele austragen und dann zusehen, dass man den Rest der Hinrunde gespielt bekommt. Dann hat man eine gute Wertung. Ich bin da aber ganz entspannt, denn mit unseren 18 Punkten haben wir schon eine gute Vorarbeit geleistet.
Die Winterpause wird meist genutzt, um den Kader personell noch einmal zu verändern. Was für Pläne hat der SV Westfalia Rhynern?
Wir vom Trainerteam sind mit unserem Kader sehr zufrieden. Die Jungs haben sich in den bislang absolvierten Begegnungen eine gute Grundlage schaffen und etwas aufgebaut, das wir mit diesem Kader im neuen Jahr gerne zu Ende führen möchten.
Am Tünner Berg wird gerade auch eine Grundlage gelegt – nämlich mit dem Bau des neuen Vereinsheims und eines neuen Stadions eine für die Zukunft. Wie wichtig sind diese baulichen Maßnahmen für Sie?
Sehr wichtig. Es ist schon ein Ziel von mir, als Trainer mit einer guten Mannschaft in dem neuen Stadion an der Seitenlinie zu stehen und Siege zu feiern. Es ist einfach ein schönes Gefühl, wenn man merkt, dass der Verein den nächsten Schritt macht und dabei ist, sich weiter professionell aufzustellen. Dadurch kann man den einen oder anderen Spieler leichter halten und besser dazugewinnen.

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