1. wa.de
  2. Sport
  3. Hamm

Nur Westfalia Rhynern profitiert von der kurzfristigen 3G-plus-Regelung in Hamm

Erstellt:

Von: Matthias Kleineidam, Karsten Steenbrede, Patrick Droste, Benedikt Ophaus, Rainer Gudra

Kommentare

Achtung, Kontrolle! Auch bei Westfalia Rhynern wurde der Impfstatus eines jeden Besuchers gecheckt.
Achtung, Kontrolle! Auch bei Westfalia Rhynern wurde der Impfstatus eines jeden Besuchers gecheckt. © Reiner Mroß / Digitalfoto

Das Corona-Chaos im Hammer Amateurfußball hatte am Freitagnachmittag den vorläufigen Höhepunkt erreicht. Das Durcheinander setzte sich am Sonntag fort.

Hamm - Während der Landessportbund und der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) auf eine durch die Landesregierung angepasste Formulierung verwiesen und für Aktive die 3G-plus-Regelung vorsahen, sollte in Hamm nicht nur für Zuschauer, sondern auch für Aktive über 15 Jahre ausnahmslos die 2G-Regel gültig sein – da beharrte die Stadtverwaltung auf der ihr vorliegenden Coronaschutzverordnung des Landes NRW. In vielen Kommunen hätten demnach ungeimpfte Fußballer am Wochenende mit Hilfe eines negativen PCR-Tests auflaufen dürfen, in Hamm scheinbar nicht.

Doch mit der Veröffentlichung der aktualisierten Fassung mit 3G-plus für Aktive auf der Homepage der Stadt über das Wochenende hatte wohl keiner mehr gerechnet – und auch nicht mehr danach geschaut. Bis auf den SV Westfalia Rhynern. Denn beim Heimspiel des Oberligisten gegen den RSV Meinerzhagen (6:0) galt am Sonntag die aktualisierte Version; auf beiden Seiten kamen Spieler unter 3G-plus-Bedingungen zum Einsatz.

Andreas Kersting als Sportlicher Leiter hatte vor dem Spiel die neueste Version der CoronaSchVO mit dem aktualisierten Paragraf 4 (Zugangsbeschränkungen, Testpflicht) auf dem Tisch – und Verständnis für die Stadtverwaltung: „Die Verordnungen können dort erst angewendet werden, wenn sie tatsächlich auch schriftlich vorliegen.“ Und das war offenbar erst am Samstag der Fall.

Die Telefone standen nicht still

Am Freitag waren Rhynern und Meinerzhagen aufgrund der Hammer Vorgaben noch von 2G ausgegangen. Für den RSV sei es allerdings keine Option gewesen, nur unter Protest in Rhynern anzutreten, hätte hier noch 2G gegolten. „Darüber habe ich nicht nachgedacht“, sagte Trainer Mutlu Demir. „Es ist viel wichtiger, was die Pandemie mit sich bringt als die drei Punkte in Hamm. Die Gesundheit steht im Vordergrund.“

Dem stimmte auch sein Gegenüber Michael Kaminski zu. Rhynerns Trainer betonte aber auch, dass „die ganze Woche für alle im Amateurbereich nicht ganz so einfach“ gewesen sei. „Dienstag, Mittwoch, Freitag, immer wieder gab es neue Regelungen“, sagte Kaminski. „Besonders in der Frage, ob ein PCR-Test für ungeimpfte Spieler reicht oder nicht.“ Die Telefone, so Kaminski, hätten am Donnerstag und Freitag unter Spielern und Verantwortlichen nicht still gestanden.

Für keinerlei Aufregung sorgte in Rhynern die 2G-Regel für die Zuschauer. „Alle waren einsichtig. Zwei, drei haben wir wieder wegschicken müssen, aber im Großen und Ganzen waren alle – auch wir – gut darauf vorbereitet“, sagte Simon Schulze-Buxloh, als stellvertretender Abteilungsleiter zuständig für die Kontrollen auch beim Gegner. „Wir sind froh, dass alles so läuft, aber auch, dass das unser letztes Heimspiel in diesem Jahr war.“

Wattenscheid ohne Probleme

Auch in Wattenscheid, beim Auswärtsspiel der Hammer SpVg, hatte die neue Regelung, dass nur noch geimpfte oder genesene Zuschauer das Lohrheidestadion betreten dürfen, für wenig Aufregung gesorgt. Vor den Einlasstoren hatten sich genügend Mitarbeiter des Vereins positioniert. Nur in den ersten Minuten gab es noch ein paar Nachfragen, wie man mit Kindern und Jugendlichen unter 15 Jahren umzugehen hat. Ansonsten aber verlief das Prozedere schnell und unkompliziert. Da in Bochum die 3G-plus-Regelung für Spieler zum Einsatz kam, konnte die HSV auch auf die drei (noch) nicht geimpften Akteure zurückgreifen.

Beim TuS Wiescherhöfen – hier wurde bei den Aktiven konsequent 2G angewendet – gab es keine Probleme. Auch nicht mit den Gästen aus Borken. Sieben Spiele wurden am Wochenende an der Wielandstraße durchgeführt – fünf davon im Jugendbereich. „Wir haben für Besucher zwei verschiedene Stellen eingerichtet. Die Coronakontrolle haben wir am großen Tor am Eingang gemacht, den Eintritt haben wir am Kunstrasen kassiert, damit wir Menschenansammlungen umgehen“, berichtete TuS-Vorsitzender Marc Lapcevic. Bei 56 Besuchern des Landesliga-Spiels sei das aber kein Problem gewesen. Auch in Wiescherhöfen habe man vier oder fünf Personen wieder nach Hause schicken müssen.

Wenig erbaut vom Corona-Chaos war Erdal Akyüz, Trainer des A-Ligisten Türkischer SC Hamm. Sechs seiner Spieler, bis auf einen alle zumindest erstgeimpft, sollten ursprünglich PCR-getestet gegen den Hammer SC spielen. Als aber am Freitag nur noch über 2G gesprochen wurde, verzichteten die TSC-Verantwortlichen auf die teuren Tests. Letztlich fehlten am Sonntag zehn Spieler, einige davon verletzt, sodass der 53-jährige Erol Akyüz 70 Minuten spielte und sein Bruder Erdal im Trikot auf der Bank saß. „Ich finde es nicht gut, wie es gelaufen ist, aber wir werden das jetzt so akzeptieren, sagte der TSC-Trainer.

Kaminski denkt schon an kommenden Sonntag

Keine Probleme oder Diskussionen gab es beim BV 09 Hamm. Die Nordener hatten am Eingang zum „Nordendamm” die Helfer im Gegensatz zu üblichen Heimspielen verdoppelt. Neben einigen verletzten Spielern fehlten dem BVH auch einige nicht geimpfte. „Das darf aber keine Ausrede sein, weil die Situation für alle Mannschaften gleich ist”, meinte 09-Coach Orhan Secer, der über 3G-plus offenbar nicht informiert war.

Reibungslos lief die 2G-Kontrolle auch beim Bezirksliga-Spiel der Hammer SpVg II gegen Drensteinfurt ab. Ulrich Rolfing und Nadine Kalippke überprüften die Nachweise der etwa 65 Zuschauer am Kunstrasenplatz zu Beginn der Partie mit der Covpass-Check-App. „Alle waren willig, keiner hat gemeckert“, sagte Rolfing. Und keiner musste das Sportzentrum verlassen.

Rhynerns Trainer Kaminski dachte derweil schon an den kommenden Sonntag: „Ich hoffe, dass das Spiel in Herne jetzt auch noch stattfindet.“ Die Antwort darauf wird wohl im Laufe der Woche die Politik geben.

Auch interessant

Kommentare