Saison der Fußballer steht auf der Kippe

Notbremse stoppt ab Montag auch das Jugendtraining

Die Fußballschuhe bleiben auch bei Kinder ab Montag wieder in der Tasche.
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Die Fußballschuhe bleiben auch bei Kinder ab Montag wieder in der Tasche.

Auf den Sportplätzen in Hamm wird es wieder ruhiger werden und auch die Fortführung der Fußball-Saison steht nach den jüngsten Beschlüssen der Ministerpräsidenten mehr denn je auf der Kippe. Der Lockdown wird nicht nur bis zum 18. April verlängert, Armin Laschet kündigte mit Blick auf die in Nordrhein-Westfalen steigende Inzidenz auch an, dass die zuletzt vorgenommenen Lockerungen landesweit zurückgenommen werden.

Hamm - Die sogenannte Notbremse – auch im Sport – tritt mit dem Auslaufen der alten Verordnung am 29. März in Kraft, weil in NRW der Wert von 100 seit dem Wochenende überschritten wird. Am Dienstag lag er bei 109,2.

Die Sportplätze werden also dicht gemacht. Die Stadt müsse aber zunächst die Verschriftlichung der Beschlüsse abwarten, bevor sie offiziell umgesetzt werden können, hatte Sprecher Lukas Huster bereits am Montag erklärt. Die Stadt Hamm, die strengere Kontaktbeschränkungen als NRW hat, plane in diesem Punkt keine eigenen Regelungen. Seit dem 8. März durften fünf Personen aus zwei verschiedenen Hausständen gemeinsam kontaktfreien Sport ausüben. Kontaktsport wie Fußball durfte von Kindern bis einschließlich 14 Jahren auch in 20er Gruppen betrieben werden. Alle älteren Jugendlichen und die Senioren blieben außen vor und werden es auch bleiben.

Training oder nicht - Vereine handhabten es unterschiedlich

Die Hammer Fußballklubs hatten diese Regelung schon damals kritisch gesehen und ganz unterschiedlich reagiert. Die meisten boten ein Jugendtraining – oft in kleineren Gruppen – an, Vereine wie der TuS Germania Lohauserholz und der TuS Wiescherhöfen dagegen nicht. Ein Einwand war, dass die Kinder in der Schule viel strengere Maßnahmen einzuhalten haben als auf dem Platz, wo in den Mannschaften zudem schulübergreifend trainiert wird. „Für uns war das abzusehen“, meint Mario Bürger, Fußball-Abteilungsleiter in Lohauserholz, nun zu der Kehrtwende der Politik. Er ist überzeugt, dass eine Aussetzung des Restarts unter den Voraussetzungen und für diese kurze Zeit die richtige Entscheidung war.

Auch Konstantin Rühl. Geschäftsführer und Jugendtrainer beim SVE Heessen, gingen die damaligen Lockerungen zu weit, weswegen die Eintracht zum Beispiel die maximale Gruppengröße halbierte. Aber: „Es hat sich gelohnt. Die Kids waren happy, dass sie wieder zusammen Sport machen konnten“, sagt Rühl, der selbst Jugendcoach in Heessen ist, nach letztlich nur zweieinhalb Wochen. Das bereits beim ersten Restart im Frühsommer von allen Vereinen entwickelte Hygienekonzept habe wieder einen coronagerechten Trainingsbetrieb erlaubt. Dass bald strengere Lockdown-Regeln gelten, hält er dennoch nicht für falsch. „Ich fände es richtig, wenn wir wieder zu deutlich tieferen Zahlen kommen würden.“

Zwischen Strich drunter und Wunsch nach Fortsetzung

Rühl ist auch Spieler im Bezirksligateam des SVE, und in dieser Rolle wünscht er sich, dass der Verband so lange wie möglich an einer Fortsetzung der Saison festhält. Viel Zeit für die fehlenden Partien, um zumindest die Hinrunde zu beenden, bleibt aber nicht mehr. Das hatte der Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) im Sommer zur Vorgabe gemacht, um die Ligen zu werten. Bei optimaler Pandemie-Entwicklung wäre nach den Beschlüssen der Ministerpräsidentenrunde eine Aufnahme des Trainingsbetriebs erst am 19. April möglich.

Vier Wochen hat der FLVW den Vereinen zur Vorbereitung eingeräumt, am 30. Juni als Saisonende sollte nach den letzten Aussagen von Vize-Präsident Manfred Schnieders festgehalten werden. Das wären noch rund sechs Wochen für die ausstehenden Begegnungen. Heessen und Lohauserholz müssen in der Bezirksliga 7 beispielsweise noch acht Hinrundenspiele absolvieren.

„Das wird schwierig. Im Moment ist meine persönliche Meinung, man sollte nicht so rumeiern und einen Strich drunter machen“, sagt TuS-Abteilungsleiter Bürger. Nach mittlerweile siebenmonatiger Pause würden auch eine vierwöchige Vorbereitung die Gefahr von Verletzungen nicht komplett reduzieren. Der Hamburger Verband beendete seine Saison übrigens schon Anfang März. Der FLVW hat schon vor ein paar Tagen eine Pressekonferenz zum Thema für Montag angekündigt.

Hammer Oberligisten fehlen noch zwölf Spiele

Auch Max Schulte, Teammanager des Oberligisten Westfalia Rhynern, glaubt, dass der noch im März geäußerte Plan des FLVW, den Spielbetrieb rechtzeitig wieder aufzunehmen, kaum mehr haltbar sei. In Westfalens höchster Spielklasse fehlen dem Holzwickeder SC 14 Hinrundenspiele, Rhynern und der Hammer SpVg je zwölf. Er gibt zu Bedenken, dass eine Absage rechtlich schwierig sei, weil nach der Wettspielordnung offiziell mögliche Partien vom Verband angesetzt werden müssten.

Für Dirk Blumenkemper, Fußball-Abteilungsleiter der HSV, wird beim Blick auf Spiel- und Terminplan eine gewertete Saison „immer unwahrscheinlicher“. Die Oberligisten müssten dann so oft hintereinander antreten wie derzeit die Eisbären – und wie die Pandemie-Lage Mitte April ist, sei erst recht nicht abzusehen. Auch er rechnet derzeit aufgrund der geltenden Statuten jedoch nicht mit einem Abbruch. „Am meisten tun mir aber die Kiddies leid“, bedauert er, dass die Kinder nach nur drei Wochen wieder auf ihr Fußballtraining verzichten müssen.

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