Fußball

Steven Kodra traut sich Führungsrolle bei der HSV zu

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Steven Kodra

Er ist erst 22 Jahre alt. Doch Steven Kodra hat bereits für einige Vereine gespielt. "Weil ich nirgendwo mit meiner Leistung zufrieden war", sagt er. Bei Fußball-Oberligist Hammer SpVg will er nun Führungsspieler werden.

Hamm – Sechs Folgen der amerikanischen Action-Kino-Reihe „Mission: Impossible“ sind bereits abgedreht, und der Großteil der Konkurrenz der Hammer SpVg in der Fußball-Oberliga ist der Ansicht, dass der siebte Teil in der kommenden Saison im Hammer Osten gedreht wird. In Anlehnung an den deutschen Titel der Vorläufer-Serie („Kobra, übernehmen Sie“) könnte HSV-Trainer Steven Degelmann daher die Frage so formuliert haben, als er einen seiner Neuzugänge zu dessen ersten Training begrüßt hat: „Kodra, übernehmen Sie?“

Antwort auf dem Platz

Die Antwort möchte Steven Kodra am liebsten auf dem Platz geben. Der 22-Jährige brennt nach zuletzt zwei eher unglücklich verlaufenen Anläufen in der Oberliga darauf, sein Können zu beweisen. Fußball ist der Mittelpunkt seines Lebens. Doch, nachdem es den Pelkumer im Winter 2019 vom Landesligisten TuS Wiescherhöfen in die Oberliga zu Westfalia Herne gezogen hat, musste er an den Spieltagen meist tatenlos zusehen. Der Grund: „Ich habe mir eine Meniskusverletzung zugezogen, als ich nach Herne gewechselt bin“, erzählt er. „Ich bin im Februar dahingegangen, und im März bin ich operiert worden. Bis ich wieder schmerzfrei trainieren konnte, hat das fast ein Jahr gedauert.“ Die Bilanz: drei Einsätze für Westfalia Herne, einen für den Holzwickeder SC.

Dann kam Corona – und was für andere der Supergau war, empfand der Hammer als Chance. „Ich konnte mich vernünftig auskurieren, habe dann härter trainiert. Morgens, mittags, manchmal abends“, sagt er. „Und ich habe mich mit Freunden getroffen, versucht irgenndwo zu kicken, als alles gelockert wurde.“ Jetzt will er mit der HSV „die Oberliga rocken“. „Tot geschriebene leben länger“, sagt er. „Und ich bin Optimist und denke, wir kriegen das hin. Mit dem Klassenerhalt, und am liebsten mit einem einstelligen Tabellenplatz, damit die Leute sehen, dass die HSV wieder da ist.“

Wechsel zur HSV: Degelmann gab den Ausschlag 

Dass er zur Hammer SpVg gewechselt ist, war eine Entscheidung, die „in den Gesprächen mit meinem Vater gereift ist“, sagt er. „Außerdem ist Steven Degelmann der Trainer. Von ihm weiß ich, dass er mir vertraut. Und Vertrauen brauche ich, um gut Fußball zu spielen. Außerdem sind bei der HSV viele Jungs, mit denen ich schon zusammen gespielt habe. Und es ist ein cooles Gefühl, für Hamm zu spielen.“

Schon in der Jugend hat Kodra, der bei den Eltern in Pelkum wohnt, in mehreren Vereinen gespielt: Wiescherhöfen, Lohauserholz, Rhynern und wieder Lohauserholz, bevor er im letzten A-Jugendjahr zu Eintracht Dortmund gewechselt ist. Auch bei den Senioren blieb er auf der Durchreise. Westfalia Rhynern II, Lüner SV, Wiescherhöfen – dann Herne und Holzwickede in der Oberliga. Zumindest für ein Jahr soll es nun die HSV sein. „Warum ich so oft gewechselt bin?“, fragt Kodra. „Eigentlich, weil ich selbst nirgendwo mit meiner Leistung zufrieden war.“

Dabei tut der Offensivmann, der sich sowohl auf den Flügeln als auch hinter den Spitzen wohl fühlt, alles dafür, um in seinem Sport weiter zu kommen. „Ich spiele jeden Tag Fußball“, sagt er. „Neben dem Training auch ganz viel Straßenfußball mit meinen Freunden. Vor zwei Tagen habe ich noch mit Dzenis Burnic zusammen gespielt.“ Mit dem BVB-Profi, der zuletzt an Zweitliga-Absteiger Dynamo Dresden ausgeliehen war, ist Kodra schon seit Jahren befreundet. Und so wie Burnic möchte auch er noch den Sprung in den Profi-Bereich schaffen. Das er das kann, glaubt er jedenfalls fest.

Dreimal hat es Kodra schon versucht, bei Profi-Clubs unterzukommen. „Als ich in Wiescherhöfen war, kam Mike Hanke, der mein Potenzial gesehen und gesagt hat, dass ich das schaffen kann“, erinnert sich Kodra. „Er hat mir dabei geholfen, Probetrainings bei Borussia Mönchengladbach, Fortuna Düsseldorf und dem 1. FC Kaiserslautern zu machen.“

Traum vom Profi lebt weiter

Geklappt hat es am Ende aus den verschiedensten Gründen nicht. Jetzt wäre Kodra schon froh, wenn es erstmal gelingen würde, in der Oberliga Fuß zu fassen. „Die Chance auf einen Stammplatz ist in diesem jungen Kader größer als anderswo“, weiß er. „Das ist einer der Gründe, aus denen ich gewechselt bin. Steven Degelmann gibt mir die Chance, wenn ich gut trainiere – wenn nicht, muss ich natürlich auf der Bank sitzen.“

Dass es soweit kommen wird, kann er sich allerdings nur schwer vorstellen – solange er verletzungsfrei bleibt. „Ich möchte ein Führungsspieler in der Mannschaft werden, traue es mir zu, voranzugehe, Dinge zu entscheiden, auch wenn ich nicht der Älteste bin“, verspricht der 22-Jährige, der wie sein Trainer seine Stärken in seinem Tempo und seinen technischen Fähigkeiten sieht. Bei Taktik und Kopfball, räumt er ein, hapert es noch. „Aber ich bin willig und mutig, probiere Sachen aus.“

Außer für Fußball und den Traum von einer Profi-Karriere gibt es nur wenig Platz im Leben des Steven Kodra. Zuhause im Garten hat sein Vater einen kleines Kunstrasenfeld gebaut, auf dem sein Bruder und er stets üben können. „Wenn es mit dem Fußball klappt, ist es schön, wenn nicht, habe ich eben die Antwort auf die Frage, ob ich es schaffen kann“, sagt der Pelkumer, der später auch als Trainer arbeiten möchte. Erst vor ein paar Wochen hat er in Kassel an der Akademie für Sport und Gesundheit ein Zertifikat als „Functional Trainer“ erworben und wendet sein neues Wissen nun im Training mit dem Nachwuchs an. „Ich möchte Kindern etwas beibringen“, sagt Kodra. „Technik, Skills – das suchen die. Nebenbei möchte ich dann irgendwann den Trainerschein machen – denn woanders als im Fußball kann ich mich nicht sehen. Ich setze alles auf eine Karte.“

Entsprechend ambitioniert lautet das persönliche Ziel, das sich Kodra bei der HSV in der anstehenden Saison („40 Spiele sind Bombe.“) neben dem Klassenerhalt gesetzt hat. „Zehn Tore und zehn Assists sind das Mindestziel“, sagt er selbstbewusst. „Bei weniger wäre ich schon enttäuscht. Die Leute sollen sagen: Ey, passt auf den Kodra auf.“ Damit sein Trainer am Ende der Saison aus dem Fragezeichen ein Ausrufezeichen machen kann, wenn er sagt: „Kodra, übernehmen Sie!“

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