Neuzugang vom TBV Lemgo

Baijens weckt Erwartungen - Niederländer will mit ASV in die 1. Liga

Für einen Spaß zu haben: Dani Baijens beim Gruppenbild mit einigen „Trainingskollegen“.
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Für einen Spaß zu haben: Dani Baijens beim Gruppenbild mit einigen „Trainingskollegen“.

Wie er zum Training kommt? Na klar: Mit dem Fahrrad. Schließlich ist Dani Baijens Niederländer. Da gilt es Klischees zu erfüllen.

Hamm –Und die Wohnung, die der Neuzugang des Handball-Zweitligisten ASV Hamm-Westfalen bezogen hat, ist auch nur einen Steinwurf von der Westpress Arena entfernt – dem Ort, an dem der 23-Jährige künftig sehr viel Zeit verbringen wird und möglichst viele Erfolge feiern möchte.

Baijens ist einer der sechs Neuzugänge des Hammer Zweitligisten. Und die Erwartungen, die der Mittelmann bei den Hammer Verantwortlichen weckt, sind groß. Schließlich stand Baijens schon eineinhalb Jahre bei der SG Flensburg-Handewitt und zweieinhalb weitere beim TBV Lemgo Lippe in der ersten Bundesliga unter Vertrag und bringt einige Erfahrung mit. „Trotzdem bin ich erst 23 und habe noch ein paar Jahre zu gehen“, weiß der in Rotterdam geborene Mittelmann, dass er noch lernen muss.

Von Anfang an ein gutes Gefühl

Diese Erkenntnis hat es dem ASV überhaupt erst ermöglicht, den Niederländer in den Hammer Osten zu lotsen. Denn als im Winter klar war, dass seine Position im Lemgoer Rückraum neu besetzt werden würde, entschied er sich dazu, in der 2. Liga neu anzufangen – um da in verantwortlicher Rolle möglichst viel Praxis zu sammeln. „Es gab ein paar Anfragen von Vereinen, aber ich habe dabei nicht so ein gutes Gefühl gehabt“, sagt Baijens. „Dann ist Hamm gekommen. Und ich hatte von Anfang an gedacht, dass das gut klappen kann. Wir haben mit Lemgo in der Vorbereitung in Hamm gespielt, ich finde die Halle gut. Und nach dem Gespräch mit Geschäftsführer Thomas Lammers und Trainer Michael Lerscht stand die Entscheidung, hierhin zu kommen und nicht mehr weiter zu gucken. Das war das einzige echte Gespräch, das ich im Winter mit einem Verein gehabt habe.“

Kleiner Anstoß von Vladimir Bozic

Dennoch haben die ASVer noch mehrmals gezittert, bevor die Unterschrift unter dem Vertrag stand, hatten die Befürchtung, dass sich Baijens vielleicht noch einmal anders entscheiden könnte. Denn ab November bekam der Mittelmann in Lemgo deutlich mehr Einsatzzeit und lieferte richtig gute Spiele ab – wie etwa gegen die HBW Balingen-Weilstetten, wo er sieben Treffer erzielte. „Bei dem Spiel hat Vladimir Bozic mir schon gesagt, du musst nach Hamm kommen“, erinnert sich der Rechtshänder an die Unterhaltung mit dem damals noch für die HBW spielenden ASV-Keeper. „Da war mir aber schon klar, dass ich nach Hamm komme, auch wenn ich den Vertrag noch nicht unterschrieben hatte. Deswegen waren die sieben Tore egal.“

Denn aus seinem Umfeld hörte Baijens nur Gutes über den ASV. „Ich habe mit meinem Lemgoer Teamkollegen Lukas Zerbe gesprochen, der in Ferndorf mit dem Trainer gearbeitet hat – das hat gepasst. Und mein bester Kumpel, Ivar Stavast, mit dem ich, seit ich 14 bin, in den Nationalmannschaften zusammen spiele, war ja auch beim ASV. Er hat viele gute Sachen über Hamm erzählt.“

Überhaupt Nationalmannschaft: Bereits mit 17 erhielt der Mittelmann seine erste Berufung ins Senioren-Nationalteam – gegen Dänemark. „Ich habe nur drei Minuten gespielt, aber sofort ein Tor gemacht – mit dem linken Arm. Das war cool, weil die ganzen Jungs dann mit mir in Flensburg gespielt haben.“

Spross einer Handball-Familie

Dass Dani Baijens Handballer werden würde, war abzusehen. Beide Eltern und der Großvater waren Handballer. Und der Ausflug zum Fußball endete schnell. „Wenn du etwas richtig gut kannst, macht es eben mehr Spaß als wenn du nur irgendwo mitmachst“, sagt er erklärend. Mit drei Jahren begann er in Rotterdam, spielte dort mit seinem Bruder. Mit 15 holte ihn Mark Schmetz – ein weiterer Ex-ASVer – nach Volendam, wo er zwei Jahre in der 1. Liga der Niederlande spielte. Dann suchte Flensburg einen Spieler für Rückraum Mitte – und Baijens war plötzlich schneller am Ziel als er geträumt hatte: „Natürlich war das schwer, aber ich wollte immer in Deutschland spielen. Ich habe dann das erste Jahr in der 3. Liga gespielt, durfte bei den Profis mittrainieren.“

Dass er mit 1,82 Meter relativ klein für einen Handballer ist, sieht er nicht als Handicap. „Der Handball hat sich geändert in den letzten Jahren“, sagt er. „Früher musstest du zwei Meter sein, dann konntest du im Rückraum spielen. Aber das Spiel ist schneller geworden. Auf Mitte kannst du das mit Schlagwurf oder Schnelligkeit auflösen.“ Genau da sieht er seine Stärken. Tempo, 1:1-Spiel, Handlungsschnelligkeit „und der Wurf wird auch immer besser“, sagt er. „Und ich kann in der Abwehr auch auf der Position zwei decken, das ist wichtig.“

Davon, dass er mit Sören Südmeier künftig ein gutes Gespann auf Rückraum Mitte bilden wird, ist Baijens überzeugt. „Mit Südi habe ich bis jetzt ja noch nicht traininert“, sagt er. „Wir verstehen uns aber gut, sprechen zusammen darüber, was wir erreichen wollen mit Hamm. Er ist ein cleverer Spieler. Und ich hoffe, dass ich von ihm lernen kann.“ Das Ziel, das er sich mit dem ASV gesetzt hat, ist ehrgeizig. „Klar, wollen wir oben in der Tabelle mitspielen“, sagt er. „Der Verein hat gute Leute aus der 1. Liga geholt, das ist ein Zeichen dafür. Welcher Platz es am Ende wird? Keine Ahnung. Ich will meine Anteile bekommen und zeigen, dass ich in die 1. Liga zurück will. Mit dem ASV.“

77 - Die Rückennummer verpflichtet

Der Spieler, der in Hamm zuletzt die Rückennummer, die 77, getragen hat, hat dieses Kunststück bereits geschafft: Mit Chen Pomeranz auf Rückraum Mitte gelang dem ASV 2009 der bisher einzige Aufstieg ins Oberhaus. „Den kenne ich gar nicht“, betont der 23-Jährige, dass es andere Beweggründe für seine Wahl gibt. „Ich hatte früher immer die Sieben. In Flensburg durfte ich die aber nicht nehmen, weil die Vereinslegende Anders Eggert früher getragen hat und die nicht mehr vergeben wird. Und in Lemgo hatte sie Isaias Guardiola schon. Darum habe ich mich entschieden, die beiden Nummern von meinem Opa und Vater, die auch beide die Sieben getragen haben, zusammen zu nehmen.“

Am meisten freut sich Baijens darauf, in Hamm wieder regelmäßig vor Zuschauern zu spielen. Denn die haben ihm in Zeiten der Pandemie besonders gefehlt. „Erst ging das noch. Aber Anfang Februar waren immer noch keine Zuschauer da“, sagt Baijens, der in Holland nebenher ein Sportmarketing-Fernstudium absolviert. „Du bekommst ohne Fans so wenig Energie, kannst so gut spielen wie du willst, wirst aber nicht nach vorne gepusht. In den letzten Spielen haben wir erst wieder gemerkt, wieviel Bock das macht.“

Freundin spielt Handball in Dänemark

Neben Sport und Studium stehen bei dem Niederländer vor allem chillen auf dem Sofa, Serien gucken, ein wenig Playstation und ganz viel Zeit mit Freunden, Freundin und Familie verbringen auf dem Freizeitplan. Seine Freundin spielt – natürlich – Handball. In Dänemark.

Auch Musik gehört zu den Leidenschaften des gebürtigen Rotterdamers. „Wir haben schon einen Musikwart“, will sich der Rap-Fan trotzdem für diesen Posten nicht bewerben, aber gerne aushelfen. „Wenn die anderen das wollen, mache ich das. Ich spiele aber nicht nur Rap, sondern auch holländische Schlager und Partymusik.“

Während er an das handballerische Niveau seiner Teamkollegen glaubt, sieht er beim gelegentlichen Fußballspielchen vor dem Training noch Luft nach oben. „Da war, ehrlich gesagt, das Niveau in Lemgo viel besser“, sagt er. „Und jung gegen alt hasse ich am meisten – weil wir nie gewinnen. Wir haben bisher dreimal gespielt und dreimal verloren.“ Das soll zumindest beim Handball anders werden.

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