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Neuzugang aus Schwerte für den ASV Hamm-Westfalen

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Von: Günter Thomas

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Ein Mann für das Außergewöhnliche: ASV-Neuzugang Marquis.
Ein Mann für das Außergewöhnliche: ASV-Neuzugang Marquis. © Imago

Die Verletzungssorgen beim Drittliga-Team des Handball-Bundesligisten ASV Hamm-Westfalen haben zuletzt für Sorgenfalten auf den Gesichtern der Sportlichen Leitung gesorgt. Entsprechend hat sich der Verein nach einer weiteren Verstärkung umgesehen – und ist in Schwerte fündig geworden.

Hamm – So ganz traut Carlos Marquis dem Braten noch nicht. Seit knapp drei Wochen packt der 21-Jährige wieder fast täglich die Sporttasche, um zum Handball-Training zu fahren. Der Weg führt ihn zur Halle des ASV Hamm-Westfalen, wo er als aktueller Neuzugang das Drittliga-Team des Bundesligisten schon am Sonntag im Heimspiel gegen die SGSH Dragons (17 Uhr/Westpress Arena) verstärken soll.

Was erst einmal nicht ungewöhnlich ist. Im Fall des hoch veranlagten Mittelmanns dann aber doch. Denn, dass Marquis überhaupt wieder in einem Team mit professionellen Strukturen Handball spielt, hätte er selbst vor ein paar Wochen noch nicht gedacht – nach mehr als einjähriger Leidenszeit, bedingt durch eine Sprunggelenkfraktur, stand ihm der Sinn eher nicht nach intensiver sportlicher Belastung.

„Ich hatte mich eigentlich schon mit anderen Dingen beschäftigt“, sagt der Rückraumakteur, der das Handball spielen beim HVE Villigst-Ergste gelernt hat und dort eigentlich wieder in der Oberliga einsteigen wollte, dann aber gemerkt hat, dass der Fuß ohne physiotherapeutische Unterstützung noch zu große Probleme bereitet. „Job und Studium haben zuletzt mehr im Vordergrund gestanden. Aber am Ende habe ich dann doch gemerkt, dass mir etwas fehlt.“ Handball.

Ausgebildet in den Leistungszentren in Ahlen (2015 - 17) und Dormagen (2017 - 20) spielte Marquis als 19-Jähriger bei der HSG Krefeld, mit der er nach der coronabedingt abgebrochenen Haupt-eine starke Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga ablieferte und erst in den Finalspielen gegen Eintracht Hagen scheiterte. „Da hat er alles zusammengeschossen“, zeigt sich Micky Reiners, Sportlicher Leiter beim ASV-Drittligateam, mehr als beeindruckt von dem jungen Mann, der in den Aufstiegsspielen mehr als 20 Tore erzielte und als Denker und Lenker in der Schaltzentrale für Furore gesorgt hatte.

Einjahresvertrag in Konstanz - aber nach Verletzung kein Spiel

Prompt kam das Angebot vom Zweitligisten HSG Konstanz, wo er einen Einjahresvertrag unterschrieb. Doch auf der Platte hat ihn das Konstanzer Publikum nie gesehen. „Ich habe mir im ersten Hallentraining die Verletzung zugezogen, musste im Februar unerwartet operiert werden“, erinnert sich der wendige Spielmacher. „Ich war sehr frustriert, hatte mir das natürlich etwas anders vorgestellt in Konstanz und hätte gerne mit denen in der 2. Liga gespielt.“

Doch es kam anders. Der Vertrag wurde nicht verlängert, Marquis kehrte nach Schwerte zurück, wo er aktuell wieder bei den Eltern wohnt und im Heimatverein, in dem auch sein Bruder aktiv ist, die ersten, zaghaften Handballschritte wagte.

Zu wenig, fand Reiners: „Ich habe einfach mal mein Glück bei ihm versucht, weil bei uns Noah Moussa neun Monate verletzt war und Niko Bratzke öfter in der ersten Mannschaft spielt. Und Carlos ist ein Spieler, der Dinge kann, die außergewöhnlich sind – wenn er fit ist und seine Form wiederfindet.“

Der 21-Jährige will die Dinge langsam angehen

Das ist das Ziel des 21-Jährigen, dem das Training beim ASV wie ein Klassentreffen vorkommen muss, weil er „mit der halben Mannschaft schon irgendwo zusammengespielt hat“. Der aber auch selbst auf die Euphoriebremse tritt, weil er die Dinge langsam angehen will. „Ich brauche Physiotherapie, Ärzte, Athletiktrainer – das alles habe ich in Hamm“, sagt er . „So ganz ohne Physios ging es auch bei der HSE nicht mit dem Fuß. Deshalb hat das Gesamtpaket gepasst, so, dass ich Handball beim ASV, Job und Studium unter einen Hut bekomme.“ Wirtschaftsrecht studiert er an der Fern-Uni, 20 Stunden in der Woche arbeitet er nebenher in einer Anwaltskanzlei.

Ob er schon am Sonntag im Heimspiel gegen die SGSH Dragons auflaufen wird? „Es kann sein, dass ich ein paar Minuten kriege“, sagt er. „Aber ich möchte ganz ohne Druck richtig fit werden und auf Wettkampfniveau Fuß fassen – und dann schauen, was geht. Dafür nehme ich mir die Zeit, die ich brauche.“

Gehen könnte bei seinen Qualitäten, die er selbst „im Tempospiel, der Kooperation mit den Kreisläufern und meinen Schlagwürfen“ sieht, viel. Allerdings erst mittelfristig. „Sportliche Ziele habe ich mir noch gar nicht gesetzt“, sagt Marquis, räumt aber ein, dass der Gedanke an „die erste Mannschaft irgendwo ganz weit im Hinterkopf“, steckt. „Erstmal will ich fit werden und Spaß haben. Aber wenn ich gesund bleibe, wird das auch irgendwann klappen.“

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