Jung-Profi aus Herringen

Fabian Holthaus kämpft um einen Stammplatz

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Der Gewinn der U19-Europameisterschaft war für Fabian Holthaus das Highlight des Jahres.

HAMM - Die Winterpause hat früh begonnen für Fabian Holthaus. Gezwungenermaßen. Eigentlich hätte der Herringer liebend gerne auch im Dezember vor den Ball getreten, hätte gerne seine Ansprüche auf einen Platz im Kader des Fußball-Zweitligisten VfL Bochum untermauert. Doch eine hartnäckige Wadenverletzung verhinderte weitere Einsätze des 19-Jährigen.

Ruhe ist angesagt. Schonung. Um dann im Januar wieder voll angreifen zu können. Um sich zu empfehlen. Was nötig sein wird.

Denn beim VfL hat sich einiges verändert. Mit Beginn der Rückrunden-Vorbereitung schwingt Gertjan Verbeek als neuer Coach bei den Bochumern das Zepter, am Montag wurde der 52-jährige Niederländer an der Castroper Straße als Nachfolger des am 9. Dezember entlassenen Peter Neururer vorgestellt.

 „Das war der erste Trainerwechsel, den ich in meiner gesamten Laufbahn miterlebt habe“, erzählt Holthaus. „Wir waren alle überrascht. Zu dem Zeitpunkt hatten wir nicht damit gerechnet. Aber wir mussten den Blick auch sofort wieder nach vorne richten und daran denken, dass es weitergeht. Fußball ist nun einmal ein schnelllebiges Geschäft.“

Das hatte Holthaus selbst zu spüren bekommen. Unter Neururer war er gerade dabei gewesen, sich zu etablieren. Gegen Darmstadt, Leipzig und 1860 München hatte der Linksverteidiger als Vertretung des verletzten Timo Perthel in der Startformation gestanden und war in Kaiserslautern eingewechselt worden. „Das hat richtig Spaß gemacht, das war total cool“, so der Defensivakteur. Doch für die darauffolgende Partie gegen Aalen strich Neururer den U19-Europameister aus dem Kader, weil Holthaus sich nach einem Länderspiel-Einsatz für die deutsche U20-Auswahl nicht telefonisch beim Coach gemeldet hatte. Dennoch habe ihm Neururer insgesamt das Gefühl gegeben, im Aufgebot des Zweitligisten angekommen zu sein. „Ich war voll gefestigt“, sagt Holthaus. „Und dann kam die blöde Verletzung.“

Die soll ihn aber nicht aus der Bahn werfen. Mit dem Start der Rückrunden-Vorbereitung am 5. Januar will Holthaus wieder das Duell um den Platz links in der defensiven Viererkette mit Perthel aufnehmen. Dann wird Verbeek erstmals vor seiner neuen Mannschaft stehen, seine Ideen präsentieren. Bislang haben Holthaus und Co. den neuen „Chef“ noch nicht kennen gelernt. „Es wird sehr interessant“, meint der Herringer. Dass sich die Konkurrenzsituation durch die Rückkehr von Linksverteidiger Felix Bastians verschärft hat, glaubt Holthaus übrigens nicht. Angesichts des drohenden Saisonaus’ von Innenverteidiger Jan Simunek sieht der Herringer in dem Neuzugang derzeit eher eine Alternative für das Abwehrzentrum, weiß aber, dass die Karten unter Verbeek nun ganz neu gemischt werden. „Jeder hat die Chance, sich neu zu beweisen. Auch die, die wenig gespielt haben – wie ich.“

Unabhängig davon, wie sich die Konkurrenzsituation letztlich gestaltet – an einen Wechsel verschwendet der heimatverbundene Youngster keinen Gedanken. „Zum jetzigen Zeitpunkt setze ich ganz auf Bochum. Ich fühle mich da weiter wohl“, sagt der bis 2016 an den Revierklub gebundene Defensivakteur, der in Herringen wohnt. „Und ich bin sehr gerne in Hamm. Ich würde ungerne hier weg.“

Auch deshalb wird er nun alles dafür geben, sich neu zu beweisen – sobald es seine schmerzhafte Blessur zulässt. Noch ist er ein wenig skeptisch, ob es wirklich mit der avisierten Rückkehr ins Training Anfang Januar klappt, weil die Verletzung „schon einmal nach zwei Wochen wieder aufgebrochen ist“. Andererseits ist ihm auch klar, dass er sich durch eine längere Zwangspause einen Rückstand im Rennen um den Stammplatz beim neuen Trainer einhandeln könnte. „Ich weiß, dass ich Zweitliga-Niveau habe und halten kann. Aber das muss ich beweisen. Dafür gebe ich alles. Für mich ist das jetzt wie der Beginn einer neuen Saison. Ich möchte Stammspieler werden“, setzt sich Holthaus hohe Ziele. „Und vielleicht tut ein neuer Trainer mir ja ganz gut. Auch, um neue Erfahrungen zu sammeln.“

An Erfahrungen war das Jahr 2014 reich für Holthaus – mit dem EM-Titel als „unvergesslichem Moment. Das war bis jetzt das größte Highlight meiner Karriere.“ Nicht zuletzt deshalb ist er in seiner Heimatstadt für die Wahl zum Sportler des Jahres nominiert worden. „Das ist wunderbar“, sieht Holthaus bereits darin eine Anerkennung seiner Leistung. Im Falle seiner Wahl dürfte es allerdings für ihn schwer werden, am 9. Januar persönlich bei der Sportgala zu sein. An dem Tag beginnt das Trainingslager des VfL in Spanien. Und spätestens dann soll auch für Holthaus die Winterpause enden. Die viel zu lange. - fh

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