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Neuer Kreisläufer sucht sein Glück beim ASV Hamm-Westfalen

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Von: Günter Thomas

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Beim ASV am Kreis: Stefan Bauer.
Beim ASV am Kreis: Stefan Bauer. © Mathias M. Lehmann

Seine Wohnung unweit der Westpress Arena hat Stefan Bauer schon seit Mitte Juni – aber mit der Zeit, sie einzurichten, ist das so eine Sache.

Hamm - Die ersten Wochen war der 25 Jahre alte Neuzugang des Handball-Bundesliga-Aufsteigers ASV Hamm-Westfalen noch in der Heimat. Und als es Mitte Juli mit dem Training losging, fehlte schlicht die Gelegenheit, sie wohnlich zu gestalten. „Aber so langsam ist alles drin“, sagt Bauer lachend. „Jetzt sieht es ganz ordentlich aus.“

Mit der Gewöhnung an den Verein, die neuen Mitspieler ging es da wesentlich fixer. „Man kann sich gut einleben, findet sehr schnell Freunde“, ist er rundum zufrieden mit den ersten Wochen beim ASV. „Wir waren viel zusammen unterwegs – auch außerhalb vom Handballfeld.“

Wohl fühlen ist eine Grundvoraussetzung für das 2,02 Meter große Kraftpaket aus Forchheim, einer kleinen Stadt in der Nähe von Erlangen. Das tat er zuletzt in Coburg nicht mehr. Beim Zweitligisten hatte er in der vergangenen Saison vor allem mit seiner sportlichen Performance gehadert. Dann kam im Mai eine Fußverletzung dazu, die ihn für den Rest der Saison auf Eis legte. „Die Entscheidung, nach Hamm zu wechseln, war aber schon vor der Verletzung gefallen“, sagt Bauer. „Es lief sportlich nicht, dann habe ich mit meinem Selbstvertrauen gehadert. Am Ende war ich unglücklich. Ich kam relativ spät zum Profisport und ich will eigentlich Spaß damit haben. Darum bin ich auf den Verein zugegangen, und es ist zu einer Einigung gekommen.“

Jetzt sucht er in Hamm sein Glück, hofft Spaß und Spielfreude beim ASV wiederzufinden – auch wenn er weiß, dass das zumindest auf der Platte in der 1. Liga nicht leichter wird. „Gewinnen macht Spaß, das wird natürlich schwieriger diese Saison“, sagt er. „Aber wir sind trotzdem eine gute Truppe, schaffen es, Spaß zu haben – und ich bin mir sicher, wir holen auch Punkte.“

Wichtig am Kreis und im Innenblock

Er selbst will dabei ein wichtiges Puzzleteil werden, hofft auf viel Einsatzzeit im Angriff am Kreis und darauf, dass er in der Defensive im Innenblock an der Seite von Mait Patrail, Benjamin Meschke oder Markus Fuchs eine wichtige Rolle spielen kann – und dass er den Ruf, der ihm vorauseilt, in den Spielen mehr Strafzeiten als Tore zu sammeln, relativieren kann. „Ganz so schlimm war es nicht“, sagt er. „Aber das war ein Thema. Ich war in Coburg selbstvertrauensmäßig nicht auf der Höhe, war unsicher. Dann ist oft mal ein blödes Foul passiert. Aber ein paar mehr Tore als Strafen waren es schon – im Verhältnis 20:30 vielleicht.“

Während er die Strafzeiten minimieren und das Bad-boy-Image ablegen will, hat er sich auf eine bestimmte Anzahl von Toren für die kommende Spielzeit mit dem ASV nicht festgelegt. „Das ist schwierig“, betont er. „Als Kreisläufer machst du viel Arbeit, die der Außenstehende nicht sieht. Du musst Sperren setzen, gucken, dass die Mitspieler Platz haben. Wenn du dann Tore machst, super. Aber wichtiger als dass ich zehn Tore werfe ist, dass wir Spiele gewinnen. Das sieht Savvas bestimmt anders – aber der ist ja auch eher dafür bekannt, zu schießen.“

Davon, dass er wieder zu der Stärke zurückfindet, die ihn als Spätberufenen von seinem Heimatverein in Forchheim zum HC Erlangen und da in Rekordzeit vom Drittligateam in die Bundesliga gespült hat, ist Bauer überzeugt. „Diese Körperlichkeit in der 1. Liga – mir liegt das besser“, sagt er. „In der 2. Liga sind die Gegenspieler ein bisschen schneller und leichter – wenn du die zu sehr anpackst, sitzt du gleich auf der Bank.“ Das will er möglichst im Handball-Oberhaus verhindern. Denn zum einen möchte er so viel Spielzeit wie möglich in der besten Liga der Welt sammeln und zum anderen schwächt jede Zeitstrafe das Team.

„Das darf uns in der Liga nicht passieren“

Mit der Vorbereitung beim ASV ist er relativ zufrieden. Die Testspiele gegen Erstligakonkurrenten wurden, abgesehen vom 27:27-Unentschieden beim Lindencup gegen den Bergischen HC, zwar alle verloren – mit Ausnahme der 22:35-Packung gegen die HSG Wetzlar aber nur knapp. „Gegen Hannover lagen wir zehn Minuten vor Schluss noch mit zwei Toren vorne“, erinnert er an das 28:32 bei den Recken. „Und dann schmeißen wir fünfmal den Ball weg. Das darf uns in der Liga nicht passieren.“

Dass es zum Saisonbeginn am Sonntag zum Meister SC Magdeburg geht, nimmt Bauer sportlich und trotz der übermächtig erscheinenden Aufgabe mit Vorfreude. „Du musst ja überall spielen, und am Anfang ist das vielleicht nicht schlecht, man kann da nur positiv überraschen“, sagt der Kreisläufer. „Die haben eine grandiose Saison gespielt. Aber der Druck ist bei denen – nicht bei uns.“

Dass er einmal als Handballprofi sein Geld verdienen würde, hatte Stefan Bauer als Jugendlicher nicht gedacht. Der geplante Lebensweg war ein anderer. In Forchheim spielte er in der fünften Liga, in Erlangen sollte es dann Liga drei sein. „Ich hätte schon mit 14, 15 nach Erlangen wechseln können, aber der Zeitaufwand wäre sehr groß gewesen, und in der Schule lief es auch nicht so. Da war Schule wichtiger“, sagt Bauer, der über Jahre in der Bezirksauswahl „mitgemacht“ hat, „aber in die Bayern-Auswahl bin ich nicht reingerutscht.“ Stattdessen absolvierte er eine Elektroniker-Ausbildung und hatte sich damit eingerichtet, Handball intensiv zu betreiben, aber eben als Hobby. Doch dann ging es in Erlangen schnell. Corona kam. Bauer wurde vom Rückraumlinken zum Kreisläufer umgeschult und der damalige HC-Coach Michael Haaß nahm ihn in den Kader. Plötzlich war er Profi. Mit 22 Jahren. Und studierte nebenher Elektrotechnik.

Dass er mit dem ASV als Underdog der Liga gesehen wird, „motiviert eher. Es ist einfach, den zweiten Aufsteiger als Absteiger zu tippen, das ist ja fast immer so. Aber es gibt auch andere Mannschaften, die Probleme haben“, macht Bauer sich und der Mannschaft Mut. „In der 2. Liga dachte im vergangenen Jahr auch keiner, dass die Eulen fast absteigen würden. Und für uns kann es ja nur gut sein, dass wir unterschätzt werden. Wenn es dann nicht reicht und wir haben trotzdem alles gegeben, dann ist das so.“

Bis dahin will der Kreisläufer mit seinem neuen Team vor allem in eigener Halle dafür sorgen, dass es „extrem unangenehm für die anderen ist, hier zu spielen“. Dann kommt der Spaß von ganz alleine wieder zurück.

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