Beim Tabellenletzten der Super League:

Neuer Job in Malaysia - Dennis Buschening ist Hoffnungsträger im Abstiegskampf

Denis Buschening (links) und Joel Vinicius, ein weiterer Zugang bei  UiTM FC, haben trotz der harten Vorbereitung auch Spaß am Training.
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Denis Buschening (links) und Joel Vinicius, ein weiterer Zugang bei UiTM FC, haben trotz der harten Vorbereitung auch Spaß am Training.

Er ist ein Weltenbummler in Sachen Fußball. Deutschland, Thailand, Deutschland, wieder Thailand und Malaysia – in all diesen Ländern hat Dennis Buschening schon Fußball gespielt und seine Spuren hinterlassen.

Hamm – Jetzt hat der 30 Jahre alte Hammer erneut einen neuen Verein gefunden. Er soll UiTM FC, nach der Hinrunde Tabellenletzter der Super League in Malaysia, vor dem Abstieg retten.

„Ich bin so etwas wie der Hoffnungsträger“, sagt Buschening, der sich mit seinem Team gerade mitten in der Vorbereitung auf die Rückserie befindet. Doch es war eine kleine Odyssey, die der Offensivakteur in den vergangenen Wochen und Monaten hinter sich bringen musste. Ehe er bei dem Klub aus Shah Alam in der Nähe der Millionen-Metropole Kuala Lumpur anheuern konnte, wurden ihm einige Steine in den Weg gelegt.

2019 Meister mit Sabah FC, dann Rückschläge

Nachdem er mit Sabah FC 2019 Meister in der 2. Liga geworden war, hatte er den Aufsteiger mit seinen Treffern in der Schlussphase der Saison im November vor dem Abstieg aus der Super Liga bewahrt. Belohnt wurde dies mit einer Verlängerung seines Vertrages um ein weiteres Jahr. „Ich hatte in den letzten drei Spielen vier Tore geschossen, und wir sind dadurch dem Abstieg entkommen“, betont Buschening, dessen Mutter eine Thailänderin ist.

Mit diesem sicheren Gefühl, einen gültigen Arbeitskontrakt zu haben, war er zu Beginn der Adventszeit zu seiner Frau Janna Alina und den beiden gemeinsamen Kindern Liora und Lean, die schon einige Wochen zuvor nach Deutschland zurückgekehrt waren, geflogen, um in der Heimat gemeinsame Zeit mit Freunden und der Familie zu verbringen sowie Weihnachten zu feiern und ins neue Jahr zu rutschen. Drei Tage, bevor es im Januar wieder zurück nach Malaysia gehen sollte, waren dann aber alle Pläne über den Haufen geworfen. Denn bei Sahab FA hatte ein neuer Präsident das Kommando übernommen, der als erste Amtshandlung den Trainer wechselte.

Vertrag von heute auf morgen gekündigt

„Und dieser Coach war ein Indonesier, er wollte lieber einen anderen Spielertyp haben. Da haben die Verantwortlichen dann von heute auf morgen einfach mein Vertrag gekündigt“, berichtet Buschening, der plötzlich vereinslos war und sich einzig und allein damit trösten konnte, dass Sabah FA den finanziellen Abmachungen nachkommen musste.

Im April zurück nach Thailand

So hielt sich Buschening in Deutschland individuell fit und wartete darauf, dass ihm ein passendes Angebot ins Haus flattern würde. Doch sowohl in Thailand als auch in Malaysia, wo sich der Fußball auf dem Niveau der deutschen 3. Liga und Regionalliga bewegt, war das Transferfenster mittlerweile geschlossen. Erst im April bekam er die ersten Offerten und machte sich mit seiner kleinen Familie zurück auf den Weg nach Thailand. Dort mussten die vier Buschenings wegen der Corona-Pandemie zuerst in eine zehntägige Quarantäne, ehe sie sich wieder frei bewegen durften –und das genossen sie in vollen Zügen. „Es war zwar ganz schön gewesen, zuhause die Familie wiederzusehen. Aber nach Monaten hat es uns in Deutschland schon wieder gereicht, es war kalt, alle Menschen waren gestresst“, betont er. „Das ist in Thailand und Malaysia alles viel gechillter.“

Ohne Familia nach Malaysia: Quarantäne, Fitness-Check und Vertrag

Letztlich war es der Verein UiTM FC aus Malaysia, der am hartnäckigsten um Buschening buhlte. Das Team wird von dem deutschen Coach Frank Bernhardt trainiert, der Buschning schon im vergangenen Jahr unbedingt verpflichten wollte. Und auch der Franzose Victor Nirennold, Abwehrspieler in Diensten von UITM, hatte sich immer wieder bei dem Hammer gemeldet. Zudem verfügt der Klub über ein modernes Stadion. So gab Buschening dem Ligaletzten seine Zusage und flog zuerst einmal ohne seine Familie von Thailand nach Malaysia, um dort die 14-tägige Quarantäne und den Fitnesscheck zu absolvieren sowie den Vertrag zu unterschreiben.

Mittlerweile nimmt er genauso wie die beiden anderen Neuzugänge, Joel Vinicius und Ahmad Syahmi Shukri, am Mannschaftstraining teil und bereitet sich zusammen mit seinen neuen Teamkollegen auf die Rückrunde vor. „Das nennt sich hier Basic Camp. Das ist eine Art Trainingslager. Das ist eine richtige Tortour mit viel Laufarbeit“, sagt er, freut sich trotzdem über jeden Tag, den er unter freiem Himmel verbringen darf. „Während der Quarantäne war ich im Hotel eingesperrt, durfte nicht rausgehen und bekam das Essen vor die Tür gestellt. Ich durfte noch nicht einmal das Fenster aufmachen. Das war kein Vergnügen“, stellt er klar und verrät, dass er in dem kleinen Hotelzimmer Sport gemacht hat, um sich fit zu halten. „Ich bin in dem winzigen Raum hin- und her gelaufen, das waren so ca. zehn Meter.“

Allerdings muss er noch auf seine Familie verzichten, lebt aktuell alleine in einem vom Verein zur Verfügung gestellten Appartement. Denn seine Frau und die Kinder haben noch kein Visum für die Einreise nach Malaysia erhalten. „Da hier Lockdown ist, arbeit das Goverment nicht. Meine Frau und die Kids müssen noch geduldig warten, wie lange, weiß ich nicht“, sagt der Buschening, der sich dadurch zumindest voll und ganz auf den Fußball bei UiTM FC konzentrieren kann.

Interview im malaysischen Fernsehen

Und da sind die Erwartungen an den Hammer, der für den SV Westfalia Rhynern in der NRW-Liga und später in der Regionalliga sowie für die Hammer SpVg in der Oberliga aufgelaufen ist, sehr groß. Nach seiner Vertragsunterschrift hat er sogar schon ein Interview im malaysischen Fernsehen gegeben, denn er ist in der Fußball-Szene in Südost-Asien mittlerweile eine bekannte Größe.

Allerdings muss sich Buschening noch in Geduld üben, ehe er das erste Mal das Trikot seines neuen Arbeitgebers überstreifen wird. Aufgrund der Covid-19-Situation wurde der geplante Rückrundenstart von Anfang Juli um mindestens einen Monaten nach hinten in den August verschoben. „Letztlich ist es egal, wann es losgeht. Hauptsache, es geht los. Ich will das Beste aus meiner Situation machen, so viele Tore wie möglich schießen und helfen, dass UiTM in der Super League bleibt“, meint Buschening, der sich sogar vorstellen, nach der Karriere weiter in in Thailand oder Malaysia zu leben.

Aber erst einmal will er mit mit seinen Treffern dafür sorgen, dass sein neuer Arbeitgeber auch in der kommenden Saison in der ersten Liga spielen kann und er einen Anschlussvertrag erhält, der dann von Vereinsseite auch eingehalten wird. Denn auch ein Weltenbummler wie Buschening will irgendwann mal wissen, an welchem Ort er mit seiner Familie zuhause ist.

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