Fußball

Neuer Coach der SpVg Bönen stolpert über fragwürdige Vergangenheit

Die Sportlichen Leiter Niclas Arenz (von rechts) und Hendrik Dördelmann übernehmen den Trainerjob.
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Die Sportlichen Leiter Niclas Arenz (von rechts) und Hendrik Dördelmann übernehmen den Trainerjob.

Fußball-Kreisligist SpVg Bönen hat am Dienstag einen neuen Trainer vorgestellt. Nur drei Stunden später nahm der Klub die Entscheidung zurück. Denn der vermeintliche Topkandidat soll bei vorherigen Stationen Geld unterschlagen haben.

Bönen - Inhaber einer Trainer-B-Lizenz, Erfahrung bis hin zur Jugend-Regionalliga und frei von Verpflichtungen. Volker H. (Name von der Redaktion geändert), der am Dienstagmittag öffentlich vom Fußball-A-Kreisligisten SpVg Bönen als neuer Trainer vorgestellt wurde, passte perfekt ins Anforderungsprofil des Vereins. Vielleicht zu perfekt. Nur drei Stunden konnten sich die Bönener freuen, dann wurde die Zusammenarbeit bereits beendet, weil der SpVg Informationen von Vereinen und lokalen Medien vorlagen, dass der Coach bei vorherigen Engagements Geld unterschlagen haben soll.

„Unterschrieben hatten wir noch nichts“, erzählt Hendrik Dördelmann, Interimscoach und neben Niclas Arenz Sportlicher Leiter der SpVg. „Erst einmal haben wir alles per Handschlag festgemacht.“ Er habe eigentlich eine gute Menschenkenntnis, sagt Dördelmann weiter. „Es war aber auch eine besondere Situation, in der wir steckten“, so Dördelmann, „Wir hatten Druck, es sind ja nur noch zwei Wochen bis zum Beginn der Vorbereitung.“ Es habe einfach die Zeit für eine Recherche bezüglich des neuen Trainers gefehlt.

Die Bönener sind seit vier Wochen auf der Suche nach einem Nachfolger von Tayfun Basyigit, der in die Jugend der Hammer SpVg wechselt. Die Trainersuche sei wegen des Zeitpunkts nicht leicht gewesen, weil viele Kandidaten schon gebunden gewesen seien und Skrupel gehabt hätten, diese Zusagen zurückzunehmen.

H. beschränkte sich nicht nur auf den Fußball

Besondere Leichtgläubigkeit kann man den Bönenern aber gar nicht unterstellen. Volker H. wusste stets zu überzeugen, heuerte in den vergangenen Jahren bei diversen Vereinen im Kreis Unna, in Dortmund und auch in Norddeutschland an. Er beschränkt sich dabei nicht auf den Fußball. Die Masche zieht offensichtlich auch bei Handballvereinen. „Ich habe gesehen, dass er insgesamt vier Profile bei Instagram hat“, sagt Dördelmann.

Auch Vereinsvorsitzender Peter Hahnemann ist baff ob der Dreistigkeit. „Da rechnest du doch nicht mit“, sagt er. Volker H. habe ihn angeschrieben, er habe erfahren, dass die SpVg einen Trainer suche. Hahnemann habe zwar den Plan gehabt, bei der letzten Station des Übungsleiters nachzufragen, habe das aber zurückgestellt, weil der „Neue“ so überzeugend rübergekommen sei. Erst im Nachhinein rief er an und erfuhr dort unter anderem, dass Volker H. die angeblichen Lizenzen nie vorgelegt habe. „Lassen Sie die Finger von dem Mann“, lautete der Rat aus dem Nachbarverein. „Wir wollten Schaden vom Verein abwenden, uns nicht in ein schlechtes Licht stellen“, meinte der Jugendvorstand dieses Mehrspartenvereins aus dem Kreis Unna. Deswegen habe der Klub keine rechtlichen Mittel eingelegt, ihn nicht angezeigt. Der Erfolg einer Klage sei auch ungewiss. Volker H. sei nicht dumm. Er habe zum Beispiel Geld für ein Trainingslager direkt bei den Eltern eingesammelt. Nachweise gebe es nicht. Erst als der Termin des Fußballcamps näher rückte, flog der Betrug auf. „Und einige Eltern haben sich das echt abgeknapst.“ Zum teilweisen Ausgleich des Verlustes habe sein Verein Mitgliedsbeiträge für die Betroffenen gesenkt.

„Am Anfang super engagiert“

„Ich habe dann mit unserem Staffelleiter gesprochen, ob man beim Verband nicht eine Datenbank für solche Verfehlungen anlegen könnte“, erzählt er weiter. Eine Art „Schwarze Liste“ also. Aus Datenschutzgründen sei das nicht machbar, kam die Antwort. „Es bleibt uns nur, andere Vereine mündlich zu warnen, wenn wir erfahren, dass er aktiv wird.“ Das sei auch passiert.

Das Perfide: Der Mann kann überzeugen, „und er ist am Anfang auch super engagiert“, heißt es von besagtem Jugendvorstand. „Man nimmt ihm sein Anliegen absolut ab.“ Dann bestelle er angeblich Sachen für die betreuten Mannschaften und kassiere Geld dafür, ohne Ware zu liefern. Und Volker H. machte weiter, verkaufte sich nicht nur als Jugendtrainer mit B-Lizenz, sondern heuerte auch im Seniorenfußball an. Offensichtlich ebenfalls überzeugend, wie das Beispiel SpVg zeigt.

H. weist die Verfehlungen von sich und droht mit Anzeige

Es sei nicht seine erste Trainerstation im Seniorenbereich, sagt Volker H. im Telefonat mit unserer Redaktion. In Norddeutschland sei er schon bei drei Vereinen aktiv gewesen. An die SpVg geriet er über einen Tipp, dass der Verein suchen würde. „Ich bin neu in der Region, komme ja aus dem Raum Hannover, Hildesheim“, sagt Volker H.. Er kenne den Ort Bönen durch seine Arbeit, den Verein aber nicht. Direkt darauf angesprochen, dass er in der Region als Betrüger gelte, sogar schon ein Zeitungsartikel über seine Machenschaften erschienen war, weist er die Verfehlungen weit von sich. Es habe bei seinem letzten Verein Querelen gegeben, deswegen sei er nicht mehr dabei. „Ich werde meinen Anwalt kontaktieren“, kontert er die Vorwürfe. Kurz nach dem Telefonat will Volker H. per Messengerdienst Whatsapp den Namen des Autors des angesprochenen Artikels wissen. Er sei gerade bei der Polizei. Und droht: „Sollten Sie einen Artikel mit weiteren Unwahrheiten veröffentlichen, so werde ich auch Sie anzeigen müssen.“

SpVg Bönen hat die Trainerfrage doch noch geklärt

Die Trainerfrage beim Kreisligisten wurde bereits am Mittwoch geklärt. Die beiden Sportlichen Leiter Hendrik Dördelmann und Niclas Arenz teilen sich den Trainerposten mit Abwehrchef Cengiz Güner. Dördelmann war der Vorgänger von Tayfun Basyigit. Wie er kennen Arenz und Güner die Mannschaft und den Verein. Und sie verfügen nach langer Karriere auf dem Platz mit unterschiedlichen Trainern über ein großes Fußballwissen.

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