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Neue Handball-Aufgabe für langjährigen ASV-Trainer Kay Rothenpieler

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Von: Günter Thomas

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Wird Handball-Manager auf Mallorca: Kay Rothenpieler.
Wird Handball-Manager auf Mallorca: Kay Rothenpieler. © Günter Thomas

Im März, 2020 hat Kay Rothenpieler zum letzten Mal als verantwortlicher Trainer beim Handball-Bundesligisten ASV Hamm-Westfalen auf der Bank gesessen. Jetzt wird er Manager bei einem Drittligisten - in Spanien.

Hamm – Seit seiner vorzeitigen Beurlaubung beim ASV Hamm-Westfalen hat Kay Rothenpieler nicht mehr viel mit dem Handballsport zu tun gehabt – jetzt steigt der ehemalige deutsche Nationalspieler, Bundesligatrainer und Manager überraschend wieder in seinen Sport ein. Nicht etwa bei einem deutschen Verein. Nein. Der 51-Jährige ist reif für die Insel. Genauer gesagt Mallorca. Denn Rothenpieler wird Manager des spanischen Drittligisten Handbol Marratxí. „Es macht mir einfach Spaß, etwas aufzubauen“, sagt er. „So wie damals in Hamm wo wir in der Oberliga angefangen haben und bis in die Bundesliga aufgestiegen sind. Das hat mir sehr viel Freude gemacht, von der Pike auf dabei zu sein.“

Als vor einem knappen Jahr im Hause Rothenpieler das Telefon schellte und eine spanische Nummer im Display zu erkennen war, hatte der langjährige ASV-Trainer noch keine Ahnung, was ihm blühen würde. Am anderen Ende der Leitung meldete sich ein gewisser Thomas Petermann, 2. Vorsitzender des Mallorca-Klubs und Manager des neuen Hauptsponsors des mallorquinischen Vereins und fragte an, ob der Hammer Interesse hätte, als Manager in das ambitionierte Projekt einzusteigen. „Wir haben uns dann getroffen, er hat geschildert, was sie vorhaben und sie suchten noch jemanden, der das strukturiert und personalisiert“, so Rothenpieler.

Sein Interesse war geweckt. „Ich kannte dort schon einige Leute, wir haben mit dem ASV vor drei Jahren dort ein Trainingslager gemacht – und meine Affinität zu Mallorca besteht ja schon seit vielen Jahren“, erklärt er. „Und dann hat sich das nach und nach konkretisiert.“

Innerhalb von fünf Jahren in die 1. Liga

Innerhalb von fünf Jahren, so das Ziel des Klubs, der sich mittlerweile in Handbol Mallorca umbenannt hat, soll der Sprung in die Liga Asobal, die 1. spanische Liga, gelingen und Partien gegen Teams wie den großen FC Barcelona zum jährlichen Spielplan gehören. „In Hamm haben wir das ja auch geschafft. Und in Spanien musst du wesentlich weniger Geld in die Hand nehmen, um dahin zu kommen. Da reichen vielleicht schon fünf oder sechshunderttausend Euro“, sagt der Neu-Manager.

Einige Male hatte Rothenpieler in den vergangenen zweieinhalb Jahren schon Angebote erhalten, um aus der Handball-Rente zurückzukehren, doch „ich hatte nach meiner Zeit beim ASV eigentlich mit dem Handball abgeschlossen. Die Möglichkeit war da, aber ich wollte nicht unbedingt wieder als Trainer arbeiten“, sagt er und schränkt ein: „Wenn, dann höchstens bei einem Topverein – also schon einem Klub in der ersten Liga. Und nicht irgendwo, wo ich dann auch noch weiter hätte fahren müssen. Und irgendwann wird es auch schwierig, wenn du schon ein bisschen länger raus bist.“

Jetzt muss er sogar fliegen, um zu seinem Arbeitsplatz zu gelangen. Oder zumindest, um seine neue Mannschaft in der Halle sehen zu können, was aber wohl eher seltener geschehen wird. Denn den Großteil der Arbeit, die anfällt, kann er am heimischen Schreibtisch erledigen. „Ich mache das meiste von Hamm aus, Kontakte knüpfen, mit Beratern sprechen“, sagt Rothenpieler. „Ab und zu fliege ich aber auch nach Mallorca – zumal sich das gut mit einem privaten Aufenthalten kombinieren lässt. Im Moment ist das sicher noch kein typischer Managerposten, wie wir ihn aus der Bundesliga kennen. Wir fangen ja erst an.“

Infrastruktur muss noch wachsen

Vor allem die Infrastruktur müsse noch wachsen. Sporthallen auf Mallorca haben nicht den deutschen Standard. Es ist heiß, Trainigsmöglichkeiten sind anders. „Aber wir wollen die Mannschaft nicht nur in die 1. Liga bringen, sondern Mallorca auch als internationalen Standort sehen, ein internationales Sponsorennetzwerk aufbauen, die Mallorquiner dabei aber mitnehmen.“

Mittelfristig sollen auf der Insel internationale Turniere ausgerichtet werden, mit skandinavischen und deutschen Mannschaften, internationale Jugendcamps in den Ferien und auch internationale Spieler in das Team integriert werden. Seit Juni ist die Zusammenarbeit konkreter. „Und ein bisschen bin ich in die Kaderzusammenstellung für die neue Saison auch schon involviert gewesen“, so der Neu-Manager. So lotste er etwa unter anderem den erst 19 Jahre alten, aber sehr talentierten Torhüter Finn Brenken von Bayer Dormagen auf die Insel. Und mit Fernando González Gutierrez aus Kantabrien hat der Verein einen Coach verpflichtet, mit dem möglichst auf Anhieb der Sprung in die 2. Liga geschafft werden soll. „Das wäre rein sportlich der erste Schritt, um aus dem Amateurbereich rauszukommen. So ist auch die Mannschaft aufgestellt. In Zukunft soll dann auch meine Arbeit peu à peu mehr werden.“

Während Rothenpieler für sein neues Projekt Feuer gefangen hat, kocht das Verhältnis zur alten Liebe auf Sparflamme. In der Halle wurde er seit seiner Beurlaubung nicht mehr gesehen. „Wir sollten die Vergangenheit ruhen lassen“, sagt der Mann, der von 2001 bis 2020 mit kleinen Unterbrechungen für die Geschicke des Bundesliga-Aufsteigers mit verantwortlich war. „Der ASV war mein Baby und wird das auch immer bleiben. Ich habe mich sehr gefreut, dass die Mannschaft aufgestiegen ist. Und mit einigen Spielern bin ich auch noch in Kontakt.“

Vielleicht findet der eine oder andere von ihnen ja in ein paar Jahren eine neue Herausforderung bei einem kleinen spanischen Klub – auf Mallorca.

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