Handball

Nagelprobe in Nettelstedt

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Vyron Papadopoulos

Zuhause hui, auswärts eher holprig: Die Antwort auf die Frage, ob der ASV Hamm-Westfalen in der 2. Handball-Bundesliga in fremder Halle seine Form abrufen kann, lässt sich vor dem Spiel am Freitag beim TuS N-Lübbecke (19.30 Uhr/Merkur Arena) nur mit einem klaren „Jein“ beantworten.

Hamm – Zwar rangiert die Mannschaft von Trainer Kay Rothenpieler derzeit mit zwei Siegen, zwei Unentschieden und drei Niederlagen auf Platz sieben der Auswärtstabelle – zuletzt standen allerdings magere 1:7 Zähler und drei deprimierende Klatschen bei den heimstarken Topteams in Essen, Coburg und Eisenach auf dem Zettel. „Jetzt ist es wichtig, auswärts einmal eine richtig gute Partie zu machen. Das haben wir uns vorgenommen“, sagt ASV-Trainer Kay Rothenpieler vor der Begegnung beim Liga-Siebten TuS N-Lübbecke. „Gerade gegen ein Topteam ist das wichtig, weil unsere Spitzentreffen zuletzt in Coburg und Essen nicht so glücklich gelaufen sind – vor allem, was die Höhe betrifft.“

28:36 (in Coburg) und 21:28 (in Essen) lautete die ernüchternde Bilanz bei den beiden Topmannschaften – und selbst das 24:24 zuletzt in Ferndorf fühlte sich eher wie eine Niederlage an. Aber: „Die kurze Pause, die wir jetzt nach dem Heimsieg gegen Krefeld gemacht haben, hat der Truppe gut getan“, hat Rothenpieler im Training erkannt, dass seine Spieler wieder fokussiert und konzentriert bei der Sache waren. Was auch auf der Platte nötig sein wird. Denn unabhängig von der Tabellensituation ist der TuS N-Lübbecke eine der Topmannschaften der Liga. „Da kommt einiges auf uns zu“, weiß der ASV-Coach nicht erst seit dem Videostudium im Vorfeld der Partie. „Wenn wir da was mitnehmen wollen, müssen wir eine richtig gute Leistung abliefern.“

Papadopoulos zurück zu alter Stärke

Der Weg zu den Punkten geht aus ASV-Sicht über eine bewegliche Deckung und viel Tempo nach vorne. Was den Trainer ins Grübeln bringt. Denn mit Linksaußen Vyron Papadopoulos hat sich der stärkste Gegenstoßspieler im Team wieder in den Vordergrund gebracht. Andererseits liefert Fabian Huesmann auf der gleichen Position eine bärenstarke Saison. „Es wird die taktische Variante entscheiden, je nachdem, ob wir den kurzen oder langen Wechsel haben“, überlegt Rothenpieler. „Aber natürlich brauchen wir die einfachen Tore. Zumal der TuS über eine sehr stabile und robuste Deckung verfügt.“

Personelle Probleme plagen den ASV derzeit nicht. Beste Voraussetzungen also für ein Match, das aus mehreren Gründen zu den schwierigsten der kompletten Hinrunde gehört:

1. Der Name des Gegner: Der TuS N-Lübbecke hat einen Namen mit großer Strahlkraft im deutschen Handball, der jedem Gegner eine Portion Grundrespekt einflößt. Der Verein will entsprechend unbedingt zurück in Liga eins. Bereits in der vergangenen Saison sollte die Mannschaft den Abstiegs-Unfall aus der Vorserie wieder begradigen. Erfolglos. Statt von Sieg zu Sieg zu eilen, spielte der hoch gehandelte Kader eine enttäuschende Saison, die mit dem Rauswurf von Trainer Aron Ziercke im März und mit Platz sieben in der Abschlusstabelle endete. In dieser Saison versucht die Vereinsführung, weniger Druck auf die Mannschaft auszuüben. Der Wille, wieder hoch zu kommen, bleibt aber ungebrochen.

2. Die Erfahrung: Der TuS stellt einen sehr routinierten Kader. Fast alle Spieler verfügen über Erstligaerfahrung. „Das ist eine Mannschaft, die man auf dem Zettel haben muss“, ist sich Rothenpieler sicher. „Und mit Peter Tatai haben sie einen richtig guten Mann im Tor.“ Nicht zu verachten sind allerdings auch die Vorzüge von Feldspielern wie Spielmacher Roman Becvar, Linksaußen Jens Bechtloff oder den Rückraumlinken Valentin Spohn und Marian Orlowski. Treffsicherster TuS-Spieler ist aber derzeit Rechtsaußen Peter Strohsack mit einer Quote von 70 Prozent (55 Tore).

3. Die Abwehr: Mit 304 Treffern weisen die Ostwestfalen die zweitbeste Gegentorbilanz der Liga auf. Sicherer stand bislang nur der VfL Gummersbach, der mit 280 Treffern einen überragenden Wert aufweist. „Unser Innenblock funktioniert richtig gut“, ist TuS-Akteur Marian Orlowski von den eigenen Defensivqualitäten überzeugt.“

4. Die Tendenz: Die Formkurve des TuS N-Lübbecke zeigt deutlich nach oben. Nachdem das Team erneut schlecht gestartet ist, hat es zuletzt sechs Begegnungen in Folge nicht verloren, dabei 10:2 Punkte gesammelt und setzte am zuletzt zudem ein dickes Ausrufezeichen, als es beim Spitzenreiter Tusem Essen mit 23:21 als Sieger aus der Halle ging. „Auch nach dem Trainerwechsel ist dort zunächst nicht alles rund gelaufen“, weiß Rothenpieler. „Aber jetzt sind sie drin in der Saison und werden immer stabiler. Nettelstedt kann jeden in der Liga schlagen. Da wächst etwas zusammen.“

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