Schach

Nach WM-Abbruch: Ackermann ist froh, wieder zuhause zu sein

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Hans-Werner Ackermann auf der Karlsbrücke

Mit großer Vorfreude hatte Hans-Werner Ackermann der Schach-Mannschafts-Weltmeisterschaft, die in diesem März in Prag stattgefunden hatte, entgegengefiebert. Doch dann begann eine Odyssee.

Hamm - Der Hammer spielte in Prag für das Team Deutschland III am ersten Brett und traf dabei auf so namhafte Gegner wie den französischen Seniorenweltmeister Anatoli Vaisser. „Das war eigentlich traumhaft, gegen solche Leute zu spielen. Das macht den Reiz dieser Veranstaltungen aus. Man trifft Schachgrößen aus aller Welt“, sagt Ackermann, ehe er mit einer Menge Verdruss in der Stimme hinzufügt: „Aber leider hat sich alles nur um das Coronavirus gedreht, und das Schachspielen trat in den Hintergrund.” 

Letztlich wurden die Titelkämpfe in der tschechischen Hauptstadt sogar nach sieben von neun Runden vorzeitig abgebrochen und der Hammer musste auf eine umständliche Weise seine Rückreise antreten.

Der Wohlfühlfaktor fehlte

Am 5. März hatte sich Ackermann per Flugzeug von Dortmund mit einem Zwischenstopp in München auf den Weg nach Prag gemacht. Ingesamt hatten 53 Länder ihre Mannschaften in die Metropole an die Moldau geschickt, um in den Kategorien 50plus sowie 65plus, in der der 67 Jahre alte Hammer antrat, die neuen Weltmeister zu ermitteln. Aber von Anfang an war der Wohlfühlfaktor sehr gering. „Es gab vom ersten Tag an Beschränkungen, die dann im Laufe des Turniers immer strikter wurden”, berichtet Ackermann. 

Zu Beginn wurde lediglich das Händeschütteln untersagt, später wurden die Partien nur noch in abgetrennten Räumen ausgetragen, um größere Menschenansammlungen zu vermeiden. „Es gab nur ein Thema. Und das war nicht Schach, sondern das Coronovirus.”

In der Stadt selbst habe er von den Einschnitten nichts mitbekommen. Daher hat er sich bei seinem ersten Besuch in Prag auch in seiner Freizeit alle Sehenswürdigkeiten der Stadt angeschaut. Als die Auflagen für das Turnier durch die tschechische Regierung eine Fortführung der Weltmeisterschaft unmöglich machten, zogen die Veranstalter die Reißleine und kürten die nach sieben Runden führenden Russen zum neuen Titelträger. 

Es ging nur um das Coronavirus

Ackermann wurde mit seiner Mannschaft Zehnter – eine Platzierung, mit der der Hammer letztlich zufrieden war. „Das war ganz gut”, stellte er klar und verrät, dass er auch gegen Seniorenweltmeister Vaisser lange gut mitgehalten und 40 Züge lang eine ausgeglichene Partie gespielt hatte, ehe sich die Klasse des Russland-Franzosen durchsetzte. „Aber das Sportliche war am Ende wirklich nicht mehr wichtig.”

Viel wichtiger war, wie er wieder nach Hause kommen sollte. Seinen Rückflug hatte er erst für den Sonntag nach Turnierende gebucht. So lange wollte er aber nicht unnötig in Prag weilen. Daher fuhr er mit Schachfreunden zusammen mit dem Auto nach Berlin, reiste von dort mit dem Zug nach Dortmund, wo er sich per Taxi zum Flughafen bringen ließ, um sein Auto abzuholen und damit nach Hamm zu fahren. „Das war zwar recht umständlich. Aber ich war froh, dass ich aus Tschechien raus gekommen bin. Wir sind glücklicherweise gut über die Grenze gekommen”, sagt er und mag daher momentan an Reisen zu anderen Turnieren gar nicht denken.

Zahlreiche Veranstaltungen sind abgesagt worden

Zum einen hat er derzeit auch gar nicht die Möglichgeit. So wurden zahlreiche Veranstaltungen wie ein großes Turnier ins Karlsruhe, zu dem jedes Jahr rund 2000 Schachspieler kommen, bereits abgesagt. Zum anderen verspürt Ackermann nach seinen Erfahrungen in Prag auch keine Lust auf weitere Odysseen dieser Art: „Die Europameisterschaft in Polen ist auf den Oktober verschoben worden. Aber ich habe da schon abgesagt, werde da nicht hinfahren.”

So liegt derzeit genauso wie in allen anderen Sportbereich auch das Schachspielen brach – bis auf eine Ausnahme. Das Kandidatenturnier im russischen Jekaterinenburg, bei dem unter den besten acht Schachspielern der Welt derzeit der neue Herausforderer von Weltmeister Magnus Carlsen (Norwegen) gesucht wird, findet statt. Und diese Spiele verfolgt Ackermann im Internet mit großen Interesse. Genauso überlegt er, in nächster Zeit an Online-Schachturnieren teilzunehmen. „Das ist der große Vorteil unseres Sports”, sagt der Schachfreak, dessen Laune sich wieder ein wenig gebessert hat. „Wir können auch von zuhause aus Schach spielen.”

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