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Hammer Bobfahrer Niklas Scherer will wieder zur EM

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Freut sich auf die Wintersaison: Niklas Scherer

Hamm -  Für Niklas Scherer, den ehemaligen Junioren-Weltmeister im Bobfahren, geht jetzt eine lange Leidenszeit zu Ende. Wegen einer komplizierten Bänderverletzung verpasste der 26-Jährige fast die kompletten Winterwettbewerbe 2017/18.  Jetzt greift er wieder an.

Die Wunden sind inzwischen verheilt, der Hammer ist voll belastbar, auch wenn der Fuß manchmal noch leicht schmerzt. Derzeit befindet er sich mitten in der Vorbereitung auf die kommende Saison. Und Scherer hat ehrgeizige Ziele: „Ich will bei der Junioren-WM im Februar am Königssee erneut um die Medaillen kämpfen.“

 Dabei war nach der Operation Anfang November lange unklar, ob er überhaupt weiter Leistungssport betreiben kann. Für den Studenten der Sportwissenschaft eine sehr schwere Phase. „Ohne Leistungssport kann ich einfach nicht“, beteuert Scherer, der im Sommer von seinen Ärzten die positive Nachricht erhielt, dass der lädierte Fuß doch voll belastbar sein wird. „Als in einer weiteren OP die Schrauben entfernt wurden, stand fest, dass alles wieder ganz normal sein wird“, erinnert sich der Hammer an die für ihn erfreuliche Nachricht.

 Inzwischen betreibt er intensives Krafttraining, macht Sprintübungen im Jahnstadion und fährt demnächst auch zu den Bob-Übungseinheiten nach Winterberg. Zudem hat er ideale Voraussetzungen geschaffen, um seine Karriere weiter voranzutreiben. Seit dem 1. September gehört er der Sportförderkompanie der Bundeswehr in Warendorf an. „Dort sind nicht nur Reiter, Moderne Fünfkämpfer und Schwimmer stationiert, sondern auch einige Bobsportler“, erzählt Scherer, der von ausgezeichneten Trainingsmöglichkeiten berichtet. „Im ersten Jahr bin ich dort als freiwilliger Wehrdienstleistender, anschließend werde ich Zeitsoldat.“ 

Sein Studium in Bochum will er nebenbei fortsetzen. Für das Training wird er von der Bundeswehr freigestellt, die Grundausbildung in Warendorf muss er erst nach der Wintersaison ab April absolvieren. Bis dahin steht für den Hammer einiges auf dem Programm. Ende Oktober beginnt mit der deutschen Bob-Meisterschaft in Winterberg die entscheidende Phase. Winterberg wird die erste von drei Selektionen, bei denen entschieden wird, in welchen Wettbewerben die einzelnen Bobs starten dürfen. 

Scherer fährt im Team des Piloten Bennet Buchmüller (Königsee), sitzt gemeinsam mit Christian Hammer und Hendrik Guschock im Vierer-Schlitten. Die drei sogenannten Anschieber gehören dem TuS Eintracht Wiesbaden an, werden vom dortigen Trainer Tim Restle betreut, dem Scherer zur Kontrolle auch Videosequenzen von seinem Sprinttraining in Hamm übermittelt. Ziel ist die Teilnahme an der Junioren-EM Mit Pilot Buchmüller gewann er schon bei der Junioren-WM im Januar 2017 in Winterberg Gold im Vierer und Bronze im Zweier.

 Für die Mannschaft geht es darum, unter die besten sechs Bobs in Deutschland zu fahren. „Die ersten Drei fahren im großen Weltcup und nehmen an der WM teil“, berichtet Scherer. „Drei weitere Bobs qualifizieren sich für den Europacup und die Junioren-WM.“ Wobei im Gegensatz zu den meisten anderen Sportarten, bei denen die Junioren-Altersgrenze bei maximal 23 liegt, es auf den Eisbahnen anders aussieht. „Da unser Sport durchaus gefährlich ist, darf man überhaupt erst ab 18 in den Schlitten steigen. Dementsprechend ist man bis 28 Jahre ein Junior“, erklärt Scherer, der auch erst spät bei einem Casting an der Uni in Bochum entdeckt wurde. Im Jugendalter hatte er als Fußballer die Trikots des SV Herringen und der Hammer SpVg getragen, nach einer Knieverletzung aber aufgehört.

 An eine Chance, vielleicht sogar in den Weltcup zu rutschen, glaubt er nicht. „Das wäre schon ein Riesending. Dann könnten wir sogar bei der großen Weltmeisterschaft in Kanada starten. Unser Minimalziel ist aber Platz vier bis sechs bei der Selektion. Das sollten wir schaffen.“ Auch der siebte Bob dürfte noch im Europacup und bei der Junioren-WM fahren, müsste aber alles selbst finanzieren. 

Das wäre kaum möglich, denn die Sponsoren sind im Bobsport auf die Top-Schlitten fixiert. „So richtig bekannt sind ohnehin nur die Spitzenpiloten“, weiß Scherer, dass er als Anschieber nicht so im Rampenlicht stehen wird. Aber die Sache bereitet ihm nach wie vor so großen Spaß, dass er längst nicht an das Ende seiner Karriere denkt. Olympia 2022 in Peking bleibt vorerst sein großer Traum.

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