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Nach ihrem Tor gegen die Bayern reist Nüsken voller Selbstvertrauen zur Nationalmannschaft

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Von: Patrick Droste

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Sjoeke Nüsken (links) im Zweikampf mit Sarah Zadrazil vom FC Bayern München.
Sjoeke Nüsken (links) im Zweikampf mit Sarah Zadrazil vom FC Bayern München. © imago

Die Hammer Fußballerin Sjoeke Nüsken reist voller Selbstvertrauen zur Nationalmannschaft und hofft in den Länderspielen gegen Israel auf viel Einsatzzeit

Hamm – Was in dem Augenblick in ihrem Kopf vorging, das weiß sie nicht mehr. „Wir sind einfach nur schreiend durch die Gegend gerannt, haben uns so gefreut. Das war unbeschreiblich“, sagt die 20 Jahre alte Hammerin Sjoeke Nüsken, nachdem sie im Trikot von Eintracht Frankfurt am Sonntag im Heimspiel der Frauen-Fußball-Bundesliga in der 90. Minute gegen den FC Bayern München den 3:2-Siegtreffer geköpft hatte. „Für so etwas spielt man Fußball.“

Dabei waren die Bayern als klarer Favorit angereist, hatten seit zwei Jahren kein Auswärtsspiel verloren und hatten in den zuvor fünf absolvierten Partien fünf Siege und eine Tordifferenz von 24:1 eingefahren. Doch bei den Frankfurter Frauen, die als Dritte nun ebenfalls 15 Zähler auf dem Konto haben, geriet das mit zahlreichen Nationalspielerinnen gespickte Gästeteam ins Stolpern. „Wir sind als Team in dieser Saison noch enger zusammengewachsen. Wir stehen als Einheit auf dem Platz, jeder kämpft für jeden“, erklärt Nüsken den guten Start in die neue Spielzeit.

Natürlich war es den Frankfurterinnen auch entgegengekommen, dass die Bayern 72 Stunden vorher noch in der Champions League gefordert waren. „Dadurch haben die schon andere Belastungen als wir. Aber wir haben es trotzdem richtig gut gemacht, standen in der Defensive klasse und haben unsere Umschaltmomente genutzt“, erklärt sie.

Dabei waren die Bayern in der 83. Minute eigentlich schon auf die Siegerstraße eingebogen, als sie mit 2:1 in Führung gegangen waren. Aber zuerst Laura Freigang mit dem 2:2 (88.) und dann Nüsken mit einem Kopfballtor nach einer Flanke von Barbara Dunst sorgten für die Wende und große Ernüchterung bei den Bayern. „Nach dem 1:2 dachte ich mir, das kann nicht schon wieder wahr sein. Denn letzte Saison war es auch schon so, dass wir eigentlich gut drin waren, es am Ende aber noch abgegeben haben“, sagt Nüsken. „Aber dass wir so noch mal zurückgekommen sind und innerhalb weniger Minuten zwei Tore gemacht und das Spiel gedreht haben, da waren das dann nur noch Emotionen pur auf dem Platz.“

Viel Zeit, diesen 3:2-Überraschungscoup mit ihrem entscheidenden Tor und den Sprung auf den dritten Platz in der Bundesliga zu feiern, hatte Nüsken, die nebenbei Bauingenieurwesen an der Hochschule RheinMain in Frankfurt studiert, aber nicht. Sie ist seit Montag bereits mit der Nationalmannschaft zusammen, fliegt mit dem Team am Mittwochvormittag nach Israel, wo am Donnerstag (18 Uhr) das dritte WM-Qualifikationsspiel ansteht. „Natürlich freue ich mich immer auf die Nationalmannschaft. Das ist ganz klar“, sagt sie, und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Wir Frankfurterinnen konnten diesmal aber mit viel Selbstvertrauen anreisen. Ansonsten ist es aber so wie immer.“

Bei den beiden anstehenden Länderspielen – das Rückspiel gegen Israel erfolgt am 26. Oktober in Essen – hofft sie, dass ihre guten Vorstellungen in der Bundesliga honoriert werden und sie viel Einsatzzeit erhält. „Wenn ich auf dem Platz stehen darf, will ich wieder meine Leistung abrufen und mich gut präsentieren“, sagt sie und ist sich der Tatsache bewusst, dass sie und ihre Teamkolleginnen auf dem Weg zur Weltmeisterschaft 2023 in Neuseeland und Australien in Israel nicht nur eine weitere sportliche Aufgabe zu bewältigen haben, sondern auch gesellschaftliche und soziale Verantwortung übernehmen müssen. So steht zum Beispiel der Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem auf dem Programm. „Wir hatten am Montag einen Vortrag über die Geschichte Israels und über das, was uns dort so erwartet, damit wir ein wenig vorbereitet sind. Es ist eine Riesenerfahrung, das ein Stück weit zu erleben und zu sehen. Ich bin gespannt“, sagt sie.

Für das Spiel in Essen am Dienstag kommender Woche (16.05 Uhr) musste sie bereits zahlreiche Ticketwünsche erfüllen. „Ein großer Teil meiner Familie wird dort sein, ein paar Freunde kommen. Es wird von meiner Seite aus voll werden“, sagt sie und fügt voller Vorfreude hinzu: „Es ist natürlich ein Ansporn, so nah von zuhause eine gute Leistung zu zeigen. Ich freue mich jedenfalls immer, wenn Verwandte und Bekannte da sind und mich anfeuern.“

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