Tabellenführer SG Bockum-Hövel lässt „Kirche im Dorf“

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Marc-Andre Wohlrath und die SG zieren die Tabellenspitze der Fußball-Bezirksliga.

HAMM - Die Folgen des 1:0- Sieges beim SV Lippstadt II nahm Markus Matzelle eher beiläufig zur Kenntnis. Dass der erste Tabellenplatz nach sechs Spieltagen in der Fußball-Bezirksliga nicht allzu aussagekräftig ist, weiß der Trainer der SG Bockum-Hövel sehr genau – und bemüht daher immer wieder den Begiff „Momentaufnahme“. Ein Zufallsprodukt ist der „Gipfelsturm“ seines Teams indes auch nicht.

Immerhin ist er das Resultat von fünf Erfolgen in Serie. Der Stotterstart in die Spielzeit mit dem Erstrunden-Aus im Kreispokal gegen Langschede und der Auftaktniederlage in der Meisterschaft gegen Drensteinfurt ist längst vergessen – die nach dem Ende der äußerst durchwachsenen vergangenen Spielzeit vorgenommenen Veränderungen zahlen sich nun aus, meint der Coach. „Wir haben gute Entschlüsse getroffen“, sagt Matzelle.

Der wichtigste betraf ihn selbst: Der 46-Jährige teilte vor seinem achten Jahr als sportlich Verantwortlicher im Adolf-Brühl-Stadion den Trainerposten. An seiner Seite agiert seitdem Torwart Stefan Küritz als gleichberechtigter Coach. „Nach sieben Jahren im Amt hinterfragt man sich ja auch selbst. Vieles schleift sich in dieser Zeit ab“, erklärt Matzelle den keineswegs selbstverständlichen Plan, freiwillig darauf zu verzichten, das alleinige Sagen zu haben. Doch er sieht das vollkommen uneitel und auch nicht als Abschied auf Raten, sondern als Mittel, um „seinem“ Verein wieder zu einem Schritt nach vorn zu verhelfen. „Stefan und ich besprechen alles. Manchmal ist es einfach wichtig, externe Ansichten zu bekommen“, erklärt der Coach. Ein Zwischenfazit der Zusammenarbeit, die sich beispielsweise auch in regelmäßigen Halbzeitbesprechungen niederschlägt, soll nach einem halben Jahr gezogen werden. Bislang jedenfalls zahle sie sich voll aus, Küritz habe sich als „absoluter Glücksfall“ erwiesen, so Matzelle.

Denn der Neuzugang vom TuS Wiescherhöfen brachte viele Ideen, einen „frischen Wind“ in den Alltag. Von der Errichtung eines Spielerrates und der Einführung eines Strafenkatalogs, der beispielsweise Sanktionen für „Getunnelte“ im Training vorsieht, bis hin zu den Trainingsinhalten – bei der SG hat sich einiges verändert. Küritz ist für die Gestaltung der Einheiten zuständig, auch die Ansprachen vor den Partien „gehören“ in der Regel dem Spielertrainer. „Ich lasse ihm da freie Hand“, so der unter der Woche vornehmlich als Beobachter anwesende Matzelle. „Er macht das richtig gut. Das ist der Hauptgrund, warum bei ein paar Spielern ein paar Prozent mehr geweckt wurden.“

Die halfen, um dem Team mehr Stabilität zu verleihen. Hinzu kam, dass die SG bislang vom kolossalen Verletzungspech der Vorjahres-Hinserie verschont blieb, dass lange von Blessuren gebeutelte Akteure wie Marc-Andre Wohlrath wieder Stützen des Teams sind. Mit dem 2:0 am zweiten Spieltag bei Westfalia Soest fanden die Bockum-Höveler in die Spur. Seitdem „sind wir befreiter und routinierter“, so Matzelle, dem bewusst ist, dass „wir im Moment einen Lauf haben“. Und das nächste Spitzenspiel vor der Brust: am Sonntag gegen Westfalia Rhynern II.

Doch ganz gleich, wie das ausgeht: Auch danach wird die Tabelle für Matzelle eine Momentaufnahme bleiben. „Natürlich macht es uns allen mehr Spaß, wenn wir gewinnen. Aber wir lassen die Kirche im Dorf. Es bleibt dabei, dass wir eine ruhige Saison im oberen Drittel spielen wollen“, sagt der Trainer, für den trotz der Erfolgsserie längst nicht alles rosarot ist, denn: „Wir könnten vorne noch etwas durchschlagskräftiger, gefährlicher sein.“ Doch dieses Manko kann die Stimmung bei der SG derzeit wahrlich nicht trüben. - fh

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