Fußball

Trotz möglicher Lockerungen: FLVW hält an Abbruch-Empfehlung fest

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Trotz der angekündigten Lockerungs-Maßnahmen der NRW-Landesregierung im Bereich Sport möchte der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) der Empfehlung des Verbands-Fußball-Ausschusses (VFA) zum Abbruch der Saison 2019/20 folgen.

Hamm - Das erklärte Gundolf Walaschewski in einem vom Verband verbreiteten Interview. Dass ab dem 30. Mai auch Sportarten wieder aufgenommen werden können, bei denen der Körperkontakt unvermeidlich ist, habe den FLVW-Präsidenten demnach „völlig überrascht“. Walaschewski betont: „Wohl niemand hat ernsthaft damit gerechnet. Für mich fühlt es sich an, wie ein öffentlich stattfindender „Öffnungs-Überbietungswettbewerb“ unter dem Motto: „Alles was du kannst, kann ich viel besser“. Was sich spontan als „frohe Botschaft“ ausgibt, entpuppt sich bei gründlichem Überdenken aus meiner Sicht als voreilig, unausgegoren und hoch riskant. Deshalb halten wir auch an der Empfehlung des VFA fest.“

Laut Walaschewski werde nach Corona „nichts so sein wie vorher. Das Virus bleibt, und ihm ist unser Spaß am Fußball völlig egal. Zudem bleiben zahlreiche essenzielle Fragen in der Regierungsmitteilung zunächst unbeantwortet: Was passiert zum Beispiel, wenn sich durch den Fußball das Virus wieder ausbreitet? Dann werden wir – wohl oder übel – zu einem erneuten Lockdown zurückkehren müssen. Damit wird es immer schwerer, einen geregelten Spielbetrieb aufrechtzuerhalten und auf einem unanfechtbar sportlichen Weg über Auf- und Abstieg entscheiden zu lassen.“

"Was passiert, wenn ganze Mannschaften sich weigern?"

Auch sei ungeklärt, was passiere, wenn sich einzelne Spieler oder Funktionsträger infizieren würden. Auch sei unklar, wie mit Spielern umzugehen sei, denen das Risiko eines Einsatzes zu groß ist. „Was passiert, wenn ganze Mannschaften sich weigern, auf den Platz zu gehen, weil sie das Infektionsrisiko fürchten?“, fragt Walaschewski. Nichts sei wichtiger als der Gesundheitsschutz.

„Wir Fußballverbände geraten in ein ethisches Dilemma“, beklagt der FLVW-Präsident. Denn: „Wenn wir jetzt unsere Empfehlung zum Abbruch der Saison infrage stellen und eine Weiterführung der Saison beschließen würden, würden wir die Mannschaften zwingen, wieder am Spielbetrieb teilzunehmen. Dürfen wir das als Verband überhaupt? Haben wir nicht vielmehr die Pflicht, aus Verantwortung für die Spieler, die Trainer und Betreuer, die Familien, die Zuschauer das Risiko gegen Null zu fahren? Ich meine, ja.“ Dennoch rechnet Walaschewski damit, dass es aufgrund des Vorstoßes der Landesregierung wieder zu Diskussionen kommen wird. Vereine, die sich durch die empfohlene Quotienten-Regelung benachteiligt fühlen, könnten glauben, ihre „Interessen doch noch durchsetzen zu können“. 

Eine Abkehr von der Empfehlung wäre aber nur möglich, „wenn uns ein außerordentlicher Verbandstag dazu zwingen würde. Das sehe ich aber nicht.“ Der Verbandstag soll im Juni über den endgültigen Abbruch entscheiden. Walaschewski: „Die Mitteilung der Landesregierung wirft für unseren Fußballverband mehr Probleme auf als sie löst.“ Denn auch aus rein organisatorischen Gründen sei eine Weiterführung des Spielbetriebes nicht möglich.

Ursprünglicher Artikel vom 7. Mai

Hamm - Die Empfehlung des Verbands-Fußball-Ausschusses (VFA) des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW) ist seit Mittwoch klar: Es soll einen Abbruch der aktuellen Saison mit Aufsteigern und ohne Absteiger in den Amateurspielklassen von der Kreisliga D bis zur Oberliga geben. Doch wird die Empfehlung überhaupt umgesetzt, seitdem am Mittwochabend bekannt gegeben wurde, dass im Amateurbereich ab dem 30. Mai wieder Sport im Wettbewerb erlaubt werden kann? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Sind diese Empfehlungen des VFA bereits verbindlich und rechtskräftig?

Nein. Das sind sie nicht. Bislang sind dies nur Empfehlungen an die Ständige Konferenz mit dem Präsidium und den Kreisvorsitzenden, die am kommenden Montag tagen wird, sowie an den außerordentlichen Verbandstag, der am zweiten Juni-Wochenende oder in der zweiten Juni-Woche stattfinden und eine endgültige Entscheidung treffen wird. „Wir befinden uns auf der Zielgeraden eines langen und nicht immer ganz einfachen Diskussions- und Abstimmungsmarathons. Wir sind dem Wunsch der überwiegenden Mehrheit der Vereine gefolgt. Ich denke, dass das eine durchaus kreative Lösung ist, die gefunden worden ist“, sagte FLVW-Präsident Gundolf Walaschewski. „Aber diese Empfehlung ist eine Empfehlung, ist also noch keine Entscheidung, ist also noch nicht definitiv – aber definitiv wahrscheinlich.“ Allerdings kann ab dem 30. Mai die Ausübung von Sportarten mit unvermeidbarem Körperkontakt, also auch Fußball, wieder im Wettbewerb erlaubt werden, so dass die bereits getroffenen Überlegungen nun neu überdacht werden müssen. „Wir werden in der Ständigen Konferenz am 11. Mai über die Empfehlung unter Berücksichtigung dieser neuen Erkenntnisse diskutieren“, erklärte Christian Schubert von der Stabstelle Kommunikation im FLVW auf Anfrage dieser Zeitung.

Sind mit dieser Empfehlung, wenn sie denn durchgewunken wird, alle Vereine zufrieden?

Ein Großteil wird es sein. Ärgerlich ist es nur für die Vereine, die bei einem knappen Punkterückstand in den eigentlich noch verbliebenden Meisterschaftsspielen auf sportlichem Wege den Aufstieg hätten schaffen können, jetzt aber durch die Entscheidung am grünen Tisch in der Liga bleiben müssen. „Dass nicht alle Mannschaft zufrieden sein werden, das liegt in der Natur der Sache. Partikularinteressen führen immer zu Kritik und zu Ablehnung von solchen Dingen. Dafür haben wir Verständnis“, betonte Walaschewski. „Aber wir haben in Interesse aller Vereine eine Lösung gesucht und nicht nur im Interesse einiger ausgesuchter Vereine.“

Warum ist die Saison nicht annulliert worden?

Zum einen hat die Mehrheit der Vereinsvertreter gegen eine Annullierung, sondern für einen Abbruch mit Wertung gestimmt. Zum anderen ist es auch ein rechtliches Problem. „Wir wurden von den Juristen darauf hingewiesen, dass wir eine Verpflichtung haben, Spiele zu werten. Deshalb kam die Annullierung eher weniger in Betracht. Wir haben uns alle Tabellen und Staffeln angeschaut. Und wir haben auch ein Rechtsguthaben dabei gehabt, das wir entsprechend mitberücksichtigt haben, um am Ende zu einer vernünftigen Lösung zu kommen“, erklärte Manfred Schnieders, Vizepräsident Amateurfußball im FLVW. „Zudem haben auch 60 Prozent der Vereine, die für einen Abbruch gestimmt haben, gesagt, dass sie eine sportliche Wertung haben möchten.“

Und warum gibt es Auf-, aber keine Absteiger?

Auch dies ist wohl rechtlich bedingt. „Wir wurden darauf hingewiesen, dass es schwierig ist, in einer solchen Situation, wenn die Saison abgebrochen wird, Mannschaften absteigen zu lassen“, stellte Schnieders klar. „Es ist einfach so, dass ein Abstieg aus einer Liga natürlich deutlich schwerer wiegt als das Drinbleiben. Das Klagerisiko oder dort in die Haftung genommen zu werden, ist da schon deutlich größer. Deshalb gibt es keine Absteiger. Es bleibt daher in diesem Jahr nur bei Aufsteigern, die anderen haben einmal Glück gehabt.“

Wenn es nur Aufsteiger gibt, werden die Ligen größer als bislang. Wie soll dies funktionieren?

Die Zahl der Staffeln wird vergrößert. Innerhalb von zwei Jahren soll dies wieder zurückgefahren werden, damit die Anzahl der Ligen wieder den aktuellen Stand erreicht. Dies wird durch einen vermehrten Abstieg erfolgen. „Wir nehmen jetzt alle Mannschaften, die eigentlich in die Relegation gemusst hätten, mit hoch. Dies in zwei Schritten wieder abzubauen, müsste gehen. Dafür muss jeder Verein auch Verständnis haben, weil uns sonst die Pyramide, die wir in den letzten Jahren mühselig aufgebaut haben, zerschossen würde. Der sportliche Unterbau, also die Qualität in den Ligen, würde ohne einen vermehrten Abstieg deutlich verwässert. Und das soll nicht sein“, sagte Schnieders.

In der Oberliga ist der RSV Meinerzhagen Opfer der Quotientenregelung geworden. RW Ahlen steht in der Tabelle hinter den Sauerländern, hat aber zwei Spiele weniger absolviert und darf nun neben Wiedenbrück aufsteigen. Nimmt der RSV dies klaglos zur Kenntnis oder wird es einen dritten Aufsteiger geben?

Der FLVW hat laut Statuten nur zwei Aufstiegsplätze für die Regionalliga. „Meinerzhagen hat den schlechteren Quotienten als Ahlen und ist leider durch das Raster gefallen“, betonte Schnieders. Die Verbands-Verantwortlichen gehen aber davon aus, dass Meinerzhagen eine entsprechende Klage einreichen wird. „Die Befürchtung besteht, dass wir uns mit einer Klage befassen müssen“, meinte Walaschewski.

In der Oberliga werden in der kommenden Saison 20 Mannschaften spielen. Wie viele Absteiger soll es geben?

Aktuell gibt es mit Wiedenbrück und Ahlen zwei Aufsteiger, aber keine Absteiger. Aus den Westfalenligen kommen mit der SpVgg Vreden, Vivtoria Clarholz und der SG Finnentrop/Bamenloh drei Teams hoch. Zudem ist die SG Wattenscheid 09, die im Laufe der Saison 2019/20 ihr Team aus der Regionalliga zurückgezogen hat, für die Oberliga eingeplant. Um die Zahl von 20 Teams wieder zu reduzieren, wird es in der kommenden Spielzeit – abhängig davon, wieviele westfälische Vereine den Klassenerhalt in der Regionalliga nicht geschafft haben – mindestens vier Absteiger aus der Oberliga geben. „Unser Ziel ist es, dann wieder auf 18 Vereine zu kommen“, so Schnieders.

Wird die aktuelle Saison vielleicht doch noch fortgesetzt, nachdem der Wettbewerb ab dem 30. Mai wieder erlaubt ist?

Das steht derzeit völlig in den Sternen. Noch ist unklar, welcher Sport wieder im Wettbewerb bestritten werden darf. Zudem wurden dazu auch noch keine Konzepte erarbeitet. Außerdem wäre das Zeitfenster sehr eng, denn schon Ende Juni beginnen in NRW die Sommerferien. Die einzige Möglichkeit wäre, die aktuelle Saison nach den Ferien fortzuführen. Dann müsste aber auch die neue Saison entsprechend später starten. Dies wollte der FLVW aber eigentlich nicht, hatte daher ja die Empfehlung eines Saisonabbruchs ausgesprochen.

Es ist noch völlig unklar, wann die neue Saison starten kann. Über welche Modelle denkt der FLVW nach?

Ausgeschlossen wird definitiv die Möglichkeit, im Herbst die aktuelle Saison zu Ende zu bringen, die neue Spielzeit im nächsten Jahr von Februar bis November auszutragen und eine Spielzeit auf eine Kalendersaison umzustellen – so wie es zum Beispiel andere Länder wie Schweden, Norwegen oder Georgien machen. „Dazu müssten viele andere Dinge geregelt werden. Das ist so kurzfristig überhaupt nicht umsetzbar. Da müssten alles Landesverbände in ein Boot kommen, das sehe ich im Moment nicht“, stellte Schnieders klar. Vielmehr denkt der Verband über flexible Modelle nach, wie mit einem verspäteten Saisonstart umgegangen werden kann, um in der Kürze der Zeit die Partien auszutragen. Konkrete Vorstellungen haben die Verantwortlichen allerdings noch nicht. „Wir wissen überhaupt noch nicht, wann es losgehen kann“, hatte Schneiders gesagt.

Bislang gibt es in Deutsachland einen Flickenteppich. Einige Verbände wollen abbrechen, andere wie der Mittelrhein oder in Bayern die Saison fortführen und zu Ende spielen. Warum gibt es keine einheitliche Lösung?

Die Verbandspräsidenten hatten ursprünglich eine einheitliche Lösung angestrebt, waren letztlich aber nicht überein gekommen. „Natürlich hätten wir gerne eine bundeseinheitliche Regelung gehabt, die wir auch in der Konferenz der Verbandspräsidenten angestrebt haben. Aber es ist bedauerlicherweise nicht dazu gekommen“, erläuterte Walaschewski. „Jetzt muss jeder Landesverband seine eigene Regelung treffen, das ist durch die Änderung der DFB-Spielordnung möglich geworden. Es gibt jetzt auch keine Bemühungen mehr, eine Vereinheitlichung herbeizuführen.“

Es soll zwei neue Bezirksligen geben. Werden die bisher bestehenden Staffeln aufgesplittet oder wie werden die Mannschaften verteilt?

Die Verantwortlichen wollen sich erst einmal ein Bild von der Gesamtsituation machen und abwarten, wie viele Mannschaften letztlich melden werden. „Dazu kann ich heute noch gar nichts sagen“, betonte Schnieders. „Wir fangen bei der Aufteilung ja immer bei der Staffel eins an. Und dann schiebt es sich runter. Wenn wir das dann mit den 16-er-Staffeln durchziehen, kann es sein, dass der eine oder andere auch mal woanders hinfahren muss.“

Sind Empfehlungen auch für den Jugendfußball umsetzbar?

Teilweise. Für die Staffeln auf Kreisebene im Jugendbereich, die genauso wie im Seniorenbereich mit Hin- und Rückrunde spielen und die gleiche Struktur vorweisen, sollen die gleichen Empfehlungen gelten. Andere Vereine teilen aber nach der Halbserie die Gruppen nach Leistungen neu ein. Hierfür sollen noch Vorschläge erarbeitet werden. „Das wollen wir in der kommenden Woche bekannt geben“, sagte Holger Beilinghoff, Vizepräsident Jugend.

Wird das Transferfenster bestehen bleiben? Oder gibt es Überlegungen, dies zu verschieben, wenn sich der Start der neuen Saison ändert?

Ja. Das Transferfenster soll dem neuen Zeitplan angepasst werden und eventuell bis September oder Oktober verlängert werden. „Aber da müssen wir erst einmal die aktuelle Entwicklung abwarten“, betonte Schnieders. „Wir werden das abhängig machen, wann wir wirklich konkret sagen können, jetzt spielen wir wieder.“ Die Entscheidung darüber trifft der Fußballausschuss des Westdeutschen Fußball-Verbandes, damit dies einheitlich für die Verbände gilt. „Daher ist es so wichtig, dass der Mittelrhein da mit reinrutscht. Sonst haben wir da ein Problem“, so Schnieders.

Wie wird bei Vereinswechseln die Zeit mit eingerechnet, in der wegen des Coronavirus keine Pflichtspiele stattgefunden haben?

Die Coronazeit wird aus der Wartezeit rausgerechnet. Das heißt, die Zeit seit Anfang März wird aus der Sechs-Monatsfrist herausgehalten oder hinten drangehängt.

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