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Nach dem Debakel in Lünen: Holger Wortmann bezieht Stellung zur Trainerfrage bei der Hammer SpVg

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Von: Patrick Droste

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Die Hammer SpVg steht nach dem 0:5 in Lünen im Regen. Holger Wortmann, Sportlicher Leiter des Klubs, hält vorerst noch an Trainer Heiko Hofmann fest.
Die Hammer SpVg steht nach dem 0:5 in Lünen im Regen. Holger Wortmann, Sportlicher Leiter des Klubs, hält vorerst noch an Trainer Heiko Hofmann fest. © Reiner Mroß / Digitalfoto

Es war ein desaströses Bild, das die Hammer SpVg am Sonntag im Auswärtsspiel der Fußball-Westfalenliga bei der 0:5-Niederlage gegen den Lüner SV abgegeben hatte. 

Hamm - Warum es beim Oberliga-Absteiger aus dem Hammer Osten nicht läuft und wie fest Trainer Heiko Hofmann noch im Sattel sitzt, erklärt Holger Wortmann, der Sportliche Leiter der HSV, in einem Gespräch mit Patrick Droste.

Herr Wortmann, haben Sie schon eine Erklärung dafür, dass sich die HSV in einem so traditionsreichen Duell gegen den Lüner SV so leblos präsentiert hat?

Ich habe die beiden Partien vor der Begegnung in Lünen krankheitsbedingt nicht vor Ort verfolgen können. Natürlich war ich im ständigen Austausch mit allen Beteiligten. Aber was ich dann am Sonntag gesehen haben, hat mich schockiert, dass wir uns da so blutleer präsentiert und ohne Gegenwehr ergeben haben – wie ein Kaninchen vor der Schlange. Wir hatten ja von der ersten bis zur 90. Minute keine Chance.

Das war das Offensichtliche. Aber wie kann so etwas passieren?

Unserer Meinung nach ist die Mannschaft in der Breite deutlich besser aufgestellt als in der vergangenen Saison. Daher ist das eigentlich unerklärlich, dass wir beim Lüner SV 0:5 verlieren. Aber ich denke, gerade die jüngeren Spielern haben derzeit kein Selbstvertrauen, nach dem ersten Fehlpass, nach dem ersten Gegentor oder manchmal sogar nach dem ersten verlorenen Zweikampf kommt es zu unerklärlichen Fehlern. Und in der Summe verlieren wir dann zu schnell die Ordnung. Und dann sind wir gegen solche Gegner wie den Lüner SV oder auch vorher SC Peckeloh nicht wettbewerbsfähig.

Die HSV ist nach den beiden Niederlagen zuletzt auf Rang zehn abgerutscht und hat erst drei Siege eingefahren. Wie groß ist die Angst, noch weiter nach unten durchgereicht zu werden?

Unser Ziel war vor der Saison nicht der direkte Wiederaufstieg, und wir haben uns als Oberliga-Absteiger nicht als Favorit auf Platz eins gesehen. Aber da, wo wir jetzt stehen, wollen und können wir nicht akzeptieren. Das hatten wir uns ganz anders vorgestellt. Und angesichts der Qualität, die der Kader hat, müssten wir auch in ganz anderen Regionen stehen.

Was also werden Sie nun machen?

Wir werden bis Freitag, bis zu unserem vorgezogenen Heimspiel gegen Nottuln, die Partie gegen den Lüner SV aufgearbeitet haben. Da werden wir jeden Stein umdrehen und schauen, was falsch läuft. Da wird es um die Mannschaft, den Trainer und auch um die sportliche Leitung gehen. Es wird Nichts geben, worüber wir uns nicht Gedanken machen werden. Und das alles werden wir zum Wohle des Vereins machen.

Meist ist der Trainer in solchen Situationen das schwächste Glied. Wird Heiko Hofmann am Freitag noch auf der Bank sitzen?

Das wird er. Wir wollen gegen Nottuln eine entsprechende Reaktion vom Trainerteam und natürlich von der Mannschaft sehen. Und ich bin mir relativ sicher, dass diese Reaktion kommen wird, dass die Mannschaft die Punkte im Hammer Osten behalten wird.

Sollte es mit dem Dreier nicht klappen, wird es dann das letzte Spiel Ihres Trainers gewesen sein? Oder anders gefragt: Ist das am Freitag ein Endspiel für Heiko Hofmann?

Dass wir es vermeiden wollen, durchgereicht zu werden und ähnlich tief unten in der Tabelle zu stehen wie unsere Mitabsteiger Westfalia Herne und TuS Haltern, ist klar. Aber dafür brauchen wir Punkte, die Mannschaft muss anfangen, ihre Qualität in etwas Zählbares umzumünzen. Ob es ein Endspiel ist oder nicht, es geht darum, den Hintern hochzubekommen und die Punkte einzufahren. Sicherlich, und das hatte ich vorher ja schon gesagt, denken wir über alles und jeden nach. Natürlich hatte es der Trainer schwer, dass er nicht komplett in die Planungen für die aktuelle Saison eingebunden war. Aber als er da war, haben wir nachjustiert und mit Almin Spahic, Dario Markovski und Barbaros Inan für jeden Mannschaftsteil noch einen neuen Spieler geholt. Aber wir schauen auch ganz genau darauf, wie sich die einzelnen Spieler entwickeln, wie sich die Mannschaft entwickelt, wie die Truppe als Einheit zusammenwächst. Und da ist der Trainer derjenige, der in der Verantwortung steht.

Also steht der Coach derzeit unter besonderer Beobachtung?

Als wir hier vor zwei Jahren angetreten sind, haben wir uns auf die Fahne geschrieben, Ruhe in den Verein zu bringen. Andere hätten nach einem 0:5 vielleicht sofort den Trainer entlassen, wir haben antizyklisch gehandelt und auf der Position nichts geändert. Wir sind also weiter gewillt, Kontinuität reinzubringen. Aber Kontinuität geht nur mit gleichzeitigem sportlichen Erfolg einher. Und die erste Mannschaft ist nun mal das Aushängeschild des Vereins. Sie muss erfolgreich sein. Dann kann man in allen Bereichen in Ruhe arbeiten.

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