ASV verordnet sich nach bitterer Niederlage Ruhe

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Mienen, die Bände sprechen: Vincent Saalmann, Jan Brosch und Lukas Blohme (von links).

Hamm - Nein, einfach zur Tagesordnung mochte beim ASV Hamm-Westfalen niemand übergehen. Auch Manager Kay Rothenpieler nicht. Zu groß war der Frust beim Handball-Zweitligisten nach der derben 23:30-Packung gegen den VfL Bad Schwartau und der ganz schwachen Darbietung des Teams, die vor allem im Angriff desaströs war.

„Da muss man nichts schön reden“, schimpft Rothenpieler. „So ein Spiel tut weh. Das hat uns alle geärgert.“ Und zwar kolossal. Gemeinsam mit Trainer Niels Pfannenschmidt arbeitete Rothenpieler die bittere Pleite bereits auf – turnusmäßig. „Wir sprechen nach jedem Spiel. Wir haben eine sehr offene Kommunikation“, betont der Manager.

Immerhin kleinere positive Aspekte förderte die Analyse zu Tage. Kampf und Leidenschaft stimmten. Und die Deckung funktionierte nach der Umstellung von der 5:1- auf die 6:0-Variante. Wie der 44-Jährige überhaupt der Auffassung ist, dass „man in der Abwehr schon eine Entwicklung sieht. Die steht – egal in welchem System.“ Zumindest meistens. Die Achillesferse ist dagegen die Offensive. Dort, sagt Rothenpieler, „läuft es noch nicht flüssig“.

Das kommt nicht unerwartet. Schließlich galt Pfannenschmidts Hauptaugenmerk nach seinem Dienstantritt zunächst der Abwehr, sollten die Angriffskonzeptionen „nach und nach“ erarbeitet werden. Doch gegen Bad Schwartau fehlte dem ASV vorne jegliche Struktur. „Wir wussten, dass wir in so eine schwere Situation kommen können“, erklärt Rothenpieler. „Aber gerade zu Hause haben wir uns noch nicht so gezeigt, wie wir uns das vorstellen.“

Die Mannschaft verwechselte gegen den VfL Tempo mit Hektik, leistete sich immens viele Fehler, wirkte überfordert – und entsprechend griff eine Verunsicherung um sich, die jeden ansteckte. Beispielhaft zeigte sich das immer dann, wenn Pfannenschmidt einen zusätzlichen Feldspieler anstelle des Torwarts auf das Feld beorderte.

„Wir haben noch nicht die Systemsicherheit“, stellt Rothenpieler fest. „Wir haben ein Gerüst. Aber wenn es nicht läuft, bricht dieses Gerüst sofort ein, weil die Verbindungen noch nicht stabil sind.“

2. Handball-Bundesliga: ASV Hamm-Westfalen - VfL Bad Schwartau 23:30

Doch der Pfannenschmidt-Vorgänger warnt davor, bereits nach dem vierten Spieltag, 3:5 Punkten und Tabellenplatz 17 alles in Frage zu stellen, mahnt zur Ruhe sowie zur „vernünftigen, sachlichen Analyse. Denn es gibt Gründe.“ Vor allem die schwierige Personalsituation.

Denn Pfannenschmidt habe „noch nicht ein Mal mit dem ganzen Kader trainieren“ können. „Das ist nicht hilfreich, wenn man sich vernünftig weiterentwickeln will.“ Zuletzt waren mit Jakob Macke und Markus Fuchs die beiden zentralen Defensivakteure für einige Tage außer Gefecht, die noch dazu durch ihren Magen-Darm-Infekt einiges an Gewicht verloren hatten.

Spielmacher Ondrej Zdrahala ist erst seit wenigen Tagen wieder im Training, „da kann man noch keine Wunderdinge erwarten“, so Rothenpieler. Mit Routinier Stephan Just fehlte gegen Bad Schwartau ein potenzieller Ruhepol. „An ihn hätte sich der eine oder andere vielleicht anlehnen können“, meint der Manager.

Und verweist damit auf einen grundlegenden Aspekt: Das Team verfügt über sehr viele junge Spieler, von denen einige – wie am Samstag beispielsweise Savvas Savvas – bereits ordentlich Verantwortung tragen müssen. „Wir haben uns für diesen Weg entschieden. Den gehen wir weiter, müssen aber auch nach rechts und links gucken. Ich kann nur appellieren, der Mannschaft Zeit zu geben“, sagt Rothenpieler.

Doch allzu viel hat sie nicht. Am Sonntag wartet die nächste schwere Aufgabe in Rostock. Danach kommt mit Erlangen einer der Favoriten nach Hamm. Rothenpieler weiß, dass die Mannschaft nun Vertrauen braucht, ganz aus der Verantwortung entlässt er die Spieler indes nicht: „Es muss eine gewisse Ruhe her. Aber der eine oder andere muss auch konzentrierter werden.“

Um das dringend benötigte Erfolgserlebnis zu erzwingen. Schließlich ist das das beste Heilmittel. „Wir sind unter Druck, wir nehmen das sehr ernst. Wir müssen einfach besser werden“, fordert Rothenpieler. „Aber wir nehmen diese Herausforderung an.“

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