Fußball

Motiviertes Brüderpaar beim SV Westfalia Rhynern

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Wollen sich in Rhynern durchsetzen: Patrick (links) und Tom Franke.

Mit Patrick und Tom Franke steht ab der neuen Saison neben Jan und Lennart Kleine ein zweites Brüderpaar im Kader des Fußball-Oberligisten SV Westfalia Rhynern – zum ersten Mal in ihrer Karriere gemeinsam. Doch beide haben sich bereits ein neues Ziel gesetzt: Einmal mit Leon, ihrem jüngsten Bruder, zusammen zu spielen.

Hamm – Als Andreas Kersting, Sportlicher Leiter des SV Westfalia Rhynern, vor ein paar Wochen zufällig auf einem Rhyneraner Bolzplatz ein paar Jungs beim Kicken erblickte, war sein Interesse geweckt. Erst auf den zweiten Blick sah er, dass er zwei von ihnen bereits für die Westfalia unter Vertrag genommen hatte: Patrick und Tom Franke. Die beiden hatten sich gemeinsam mit ihrem jüngeren Bruder Leon die Zeit beim Kicken vertrieben.

Dass die Brüder zusammen auf dem Platz stehen, ist nichts Ungewöhnliches. Schließlich machen sie das, seit sie laufen können. Fast genauso lange wünschen sie sich allerdings, auch einmal zusammen im Trikot aufzulaufen. „Wir haben immer schon zusammen gespielt. Zuhause im Garten oder auf dem Bolzplatz im Maximilianpark“, sagt Patrick Franke, der älteste der drei.

„Und es war immer ein kleiner Traum, einmal zusammen in einer Mannschaft zu spielen. Das war in der Jugend nicht möglich. Daher ist es schön, dass es jetzt zumindest für zwei von uns geklappt hat.“

"Pudelwohl" am Papenloh

Während der 19-jährige Leon weiter beim SC Kirchhörde in Dortmund spielt, mit dem er gerade in die Westfalenliga aufgestiegen ist, schieben sich seine beiden älteren Brüder jetzt beim offiziellen Trainingsauftakt am Papenloh die Bälle zu. „Das ist nach Concordia Wiemelhausen, wo ich drei Jahre gespielt habe, meine zweite Seniorenmannschaft“, sagt Tom Franke, der sich am Papenloh sehr schnell integriert gefühlt hat. „Das ging mit der ersten Trainingseinheit los, dass man direkt angesprochen wurde, dass gefragt wurde, wie es geht. Das spricht sehr für die Mannschaft. Ich fühle mich nach den ersten drei Wochen jedenfalls pudelwohl.“

Beide Neu-Rhyneraner haben eine fußballerische Vergangenheit beim Ortsnachbarn Hammer SpVg – für übermäßige Rivalität ist bei ihnen aber kein Platz. „Bei mir ist schon relativ viel Zeit drüber gewachsen, weil ich vor fünf Jahren nach Wattenscheid in die A-Jugend gewechselt bin“, sagt Tom Franke. „Daher kann ich nicht sagen, dass es ein komisches Gefühl wäre, jetzt in Rhynern zu sein. Aber ich habe eine schöne Zeit bei der HSV in der Jugend gehabt.“

Vergangenheit beim BVB

Was sein Bruder, der in der Jugend bis zu seinem Wechsel zu Borussia Dortmund und in den vergangenen zwei Jahren in der Oberliga für den Nachbarn aufgelaufen ist, bestätigen kann. „Ich kenne Achim Hickmann (Anm. d. Red.: Sportlicher Leiter der HSV) ganz gut, habe mit seinem Sohn zusammen das Abitur gemacht“, sagt er. „Klar ist da eine Rivalität, aber ich glaube, es gibt Schlimmeres auf der Welt, als innerhalb dieser Vereine zu wechseln.“

Für ihre Zeit bei der Westfalia haben sich beide klare Ziele gesetzt. „Ich möchte hier schon etwas mitzureden haben“, sagt Linksverteidiger Patrick Franke. „Klar muss man sich überall neu beweisen, aber mein Ziel ist es schon, hier Stammspieler zu sein. Und dann irgendwo in eine Führungsrolle reinzuwachsen.“ Sein Bruder gibt sich etwas verhaltener, ist die Oberliga doch Neuland für ihn. „Es ist schwierig, sich am Anfang vernünftig einzuordnen“, weiß der 21-Jährige, der auf allen Positionen im Offensivbereich eingesetzt werden kann. „Ich werde mein Bestes geben, um hier Einsatzzeiten zu bekommen. Wenn ich spiele, dann am liebsten im offensiven Bereich, das habe ich mein Leben lang gemacht.“

In den ersten drei Wochen mit dem neuen Team hat sich Tom Franke bereits akklimatisiert. „Technisch oder individuell ist da kein Riesenunterschied zur Westfalenliga“, hat er festgestellt. „Aber vom Trainingseinsatz und der Härte her ist der schon sehr groß.“ Wichtig ist für Franke, der gerade dabei ist, seinen Master in Mathematik an der Ruhr-Universität in Bochum zu bauen, beim Fußball vor allem, dass er sich wohl fühlt. Während sein Bruder Patrick in der B- und A-Jugend für Borussia Dortmund spielte, hat Tom nach zwei Jahren beim BVB die Zelte wieder abgebrochen. „Ich habe mein Leben lang immer da gespielt, wo ich mich wohl gefühlt habe und nie wahnsinnig stark darauf gesetzt, unbedingt Profi zu werden. Ich habe es immer so gemacht, dass ich es noch mit Schule oder Uni und dem Leben, das ich habe, vereinbaren kann. Ich fühle mich auch in der Oberliga sehr zufrieden, bin froh, dass ich da jetzt angekommen bin.“

Sein Bruder hat es nach der Jugend im Profibereich probiert, stand in St. Pauli und beim VfB Stuttgart unter Vertrag, ganz gereicht hat es nicht. „Das in Dortmund war eine coole Zeit“, sagt er. „Ich habe es versucht, auf die Fußballkarte zu setzen. Aber dieses Geschäft ist schnelllebig. Im Endeffekt bin ich froh, dass ich wieder in Hamm wohne, meine Freunde bei mir habe, die Familie – und dass ich nebenbei noch andere Dinge machen kann.“

Ende des Jahres wird er in Dortmund seine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann beenden. Danach kann er sich unter anderem ein BWL-Studium vorstellen. Jetzt will er aber die Zeit in Rhynern genießen, wo er mit Tom in einem Haus seiner Eltern wohnt – zwar jeweils mit der Freundin und in zwei verschiedenen Wohnungen –, aber „ein bisschen fühlt sich das wie in einer WG an. Wir machen sehr viel zusammen, können zusammen mi dem Fahrrad zum Training fahren.“

Und vielleicht wird ja irgendwann noch eine Wohnung im Haus frei – für den dritten der Franke-Brüder. „Leon hat in Kirchhörde eine gute Runde gespielt und a auch ein paar Törchen gemacht“, ist es für Patrick Franke nicht ganz abwegig, dass der Traum vom Franke-Dreier am Papenloh eines Tages noch einmal real werden könnte.

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