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Mizerek sieht gutes Potenzial

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Joshua Mizerek hat die Eisbären mehrmals live beobachtet und sich damit ein Bild von seiner neuen Mannschaft gemacht.
Joshua Mizerek hat die Eisbären mehrmals live beobachtet und sich damit ein Bild von seiner neuen Mannschaft gemacht. © imago

Hamm – Am Dienstag übernahm Joshua Mizerek offiziell das Training beim Eishockey-Oberligisten Hammer Eisbären. Vor der ersten Einheit in Werries schilderte der 45-jährige Amerikaner, der sein Debüt an der Bande am Freitag in Tilburg geben wird, seine ersten Eindrücke von seinem neuen Team.

Sie waren seit 2007 in den Niederlanden im Eishockey tätig. Was hat Sie jetzt an Deutschland gereizt?

Ich habe in den letzten fünf Jahren schon als Co-Trainer der Tilburg Trappers in der Oberliga gearbeitet, eine deutsche Liga. Entscheidend war letztlich die Initiative und das Bemühen der Eisbären um meine Person. Vom ersten Tag an war es eine sehr ehrliche Verbindung zwischen mir und Ibo Weißleder. Auch das Umfeld und die Stadt haben mir gefallen. Es hat einfach gut gepasst.

Die Eisbären haben in ihren ersten beiden Oberliga-Jahren abgeschlagen den letzten Platz belegt. Glauben Sie, dass es in diesem Jahr für die Pre-Playoff-Plätze reichen kann?

Wir haben im Vorfeld nicht über Platzierungen gesprochen. Der Himmel ist die Grenze. Ich habe mir in den letzten Wochen einige Spiele angesehen. Es steckt auf jeden Fall eine gutes Potenzial in der Mannschaft. Wir müssen nur die einzelnen Puzzleteile zusammenfügen. Da ist ein bisschen mehr Struktur erforderlich, speziell im defensiven Bereich. Intensives Training, um alle auf den gleichen Stand zu bringen. Auch den Glauben an die eigene Stärke, das Selbstvertrauen, müssen wir steigern, den Zusammenhalt stärken, um gemeinsam nach vorn zu schauen.

Sie haben die Eisbären einige Male beobachtet. Hat Sie die Leistung am vergangenen Sonntag beim 6:8 gegen Rostock geschockt?

Ich glaube, die hat wohl jeden in der Halle geschockt. Es war eine Achterbahnfahrt mit Höhen und Tiefen. Das Positive war, dass das Team nach dem ersten Drittel zurückgekommen ist, im zweiten Drittel dann auch sehr viel sehr gut gemacht hat. Negativ war dann am Ende das Ergebnis. Es gibt aber viele Bereiche, in denen wir uns verbessern müssen. Wir sollten weniger Zeit in unserem Drittel verbringen, dann fallen auch weniger Gegentore. Es ist auch viel leichter mit dem Puck als ohne Puck zu spielen. Wenn wir mehr Selbstvertrauen haben, bewegen wir uns auch länger in der offensiven Zone, wie gegen Rostock im zweiten Drittel.

Der Sportliche Leiter Ibrahim Weißleder hat nach dem Spiel gesagt, dass die Partie für Sie der beste Anschauungsunterricht dafür war, was in den kommenden Monaten zu tun ist.

Es ist gut, dass ich sowohl Siege als auch Niederlagen gesehen habe. Das gibt mir ein vollkommenes Bild. Wenn du gewinnst, ist die Welt großartig, wenn du verlierst, steht gleich alles in Flammen. Aber derzeit ist die Mannschaft durch die vielen Spiele unter der Woche auch etwas müde.

Welche Stärken und Schwächen haben Sie ausgemacht?

Ich habe gesehen, dass die Jungs bereit sind, zu kämpfen. Jeder arbeitet für den Teamkollegen. Das ist schon einmal eine großartige Nachricht. Auch die Offensive zeigt gute Ansätze. Mit Blick auf die Schwächen geht es vor allem um das Defensivverhalten. Das System ist sehr instabil, das Team kassiert einfach zu viele unnötige Gegentore. Das Verhalten in der Rückwärtsbewegung muss verändert werden. Wenn wir uns da steigern und eine gesunde Mischung mit den positiven Eigenschaften finden, dann werden wir uns verbessern.

Wie würden Sie sich selbst als Trainer beschreiben? Sind Sie eher der strengere Typ mit einer Distanz zur Mannschaft, oder eher der freundliche Coach, der stets den Dialog mit den Spielern sucht?

Ich betrachte mich selbst als Trainer der Spieler. Es ist immer eine Tür geöffnet, ich bin immer bereit für den Dialog. Spieler haben eine Stimme. Am Ende trage ich aber die Verantwortung, bin der Cheftrainer, der seinen Standpunkt vertritt. Ich werde mir alles anhören. Aber ich habe meine Methoden und meine Systeme, an die ich glaube. Ich habe schon mit den Kapitänen gesprochen und ihnen erklärt, was ich vorhabe. Wir müssen uns da auf einer Linie bewegen. Wir brauchen Spieler, die auf dem Eis die Führungsrolle übernehmen.

Es sind ja in den kommenden Wochen auch noch Spieler-Verpflichtungen möglich. Sehe Sie da Bedarf?

Personelle Veränderungen kann es immer geben. Jetzt bin ich aber erst einmal neu da. Das ist für alle eine Art Neuanfang, sollte jeden motivieren, sich weiter zu entwickeln. Wir werden erst einmal diese Möglichkeiten ausschöpfen.

Das erste Spiel mit den Eisbären führt Sie am Freitag ausgerechnet zu Ihrem ehemaligen Verein nach Tilburg. Das ist schon speziell, oder?

Was für ein Timing. Wer könnte diese Geschichte besser schreiben. Aber es ist wie es ist. Es ist Oberliga Nord. Ich habe drei Tage zur Vorbereitung. Ich glaube, ich habe eine gute Idee, was Tilburg macht. Doch wir tun gut daran, den Fokus auf unser Team zu legen, uns darauf zu konzentrieren, was wir machen. Das ist wichtig. Da ist es egal, ob wir gegen Tilburg, Herne oder Krefeld spielen.

Sie haben am vergangenen Sonntag einen Vertrag bis zum Ende der Saison unterschrieben, mit einer Option auf ein weiteres Jahr. Wird das im Endeffekt vom Tabellenstand abhängen oder einfach nur, ob es passt?

Ich meine, es hängt allein davon ab, ob es passt. Spekulationen darüber, welchen Platz wir am Ende belegen, sind da nicht entscheidend. Ich denke dabei an die offenen und ehrlichen Gespräche mit Ibrahim Weißleder. Die Vertragslaufzeit ist für beide Seiten gut. Für die Eisbären, um mich einfach kennen zu lernen, und für mich, zu sehen, wie sich in Hamm arbeiten lässt. Ibo und ich sind uns einig, dass wir uns am Ende der Saison in Ruhe an einen Tisch setzen und darüber reden, ob es passt und wir die Zusammenarbeit fortsetzen.

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