Eishockey

Mit 44 Jahren ist Igor Furda noch immer verrückt nach dem Puck

Dauerbrenner: Igor Furda von den Hammer Eisbären.
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Dauerbrenner: Igor Furda von den Hammer Eisbären.

Der altersbedingte Leistungsabfall im Sport beginnt schon früh. Mit 35 Jahren, so heißt es, sei der Zenit erreicht. Für Igor Furda scheint diese Erkenntnis aber in keiner Weise zuzutreffen.

Hamm - Denn der 44 Jahre alte Angreifer des Eishockey-Oberligisten Hammer Eisbären ist immer noch einer der Leistungsträger seines Teams, was er am Sonntag mit seinen beiden Treffern beim 4:3-Sieg über die Dragons aus Herford eindrucksvoll gezeigt hatte. „Wenn ich Trainer wäre, wäre es mir egal, wie alt ein Spieler ist. Hauptsache, er zeigt Leistung”, sagt der gebürtige Tscheche und verrät auch gleich sein Erfolgsrezept: „Man muss das, was man kann, frisch halten. Man muss effektiv spielen und die nicht mehr ganz so gute Physis durch Können ausgleichen. Und man darf natürlich nie den Spaß verlieren. Ich habe zum Beispiel immer Bock auf Eishockey.”

Igor Furda hatte das Eishockeyspielen bei Sparta Prag gelernt. Doch als er Ende der 1990er Jahre den Sprung in den Kader der ersten Mannschaft nicht schaffte, fand sich der Student in der Reserve wieder, die in der dritten Liga antrat. Als er über einen Bekannten eine Anfrage erhielt, ob er nicht nach Deutschland wechseln möchte, sagte er umgehend zu. „Ich wäre damals auch nach Japan gewechselt, wenn ich ein entsprechendes Angebot bekommen hätte. Denn ich wohnte noch bei meinen Eltern und wollte unabhängig sein”, erklärt er seine damaligen Beweggründe, seine Heimat zu verlassen. Er heuerte 1999 bei EJ Dorsten an.

Dass er 22 Jahre später immer noch in Deutschland wohnt und weiterhin Eishockey spielt, hätte er damals nie gedacht. „Das war nicht geplant. Aber jedes Jahr kamen neue Anfragen. Ich habe nie einen Spielerberater benötigt, der mich irgendwo unterbringen musste”, betont der in Dortmund wohnende und im Einzelhandel tätige Furda. So war er nach Dorsten in Neuwied, Dortmund, Grefrath, Oberhausen, Königsborn, Soest und eben Hamm aktiv. In Werries stand er sogar gleich viermal unter Vertrag. „Von Dortmund aus war Hamm für mich immer gut zu erreichen. Und im Bereich der dritten und vierten Liga ist da das beste Publikum im Ruhrpott, die Halle mit den Fans ist echt Bombe. Außerdem wird da natürlich auch gutes Hockey gespielt.“

Spaß trotz des Tabellenstandes

Und so genießt Furda auch die aktuelle Oberliga-Saison, auch wenn er mit Hamm derzeit auf dem letzten Tabellenplatz steht und in vielen Partien die Überlegenheit der Gegner sehr groß ist. „Wir haben eine recht unerfahrene Mannschaft. Und die Oberliga ist richtig stark geworden. Das ist wirklich hart für uns”, sagt er, fügt aber gleich hinzu: „Spaß macht es trotzdem.”

Denn ihm ist es wichtig, in einer möglichst hochklassigen Liga Eishockey zu spielen, und nicht, in einem unterklassigen Team der große Star zu sein. Natürlich kann aber auch er nicht seine Freude verhehlen, wenn er – so wie am vergangenen Sonntag – den Siegtreffer erzielt und damit seinem Team drei wichtige Punkte beschert. „Klar ist das ein Momentum, über das man sich freut”, erklärt Furda, der von Trainer Ralf Hoja aufgrund der personellen Sorgen zuletzt nicht mehr in der dritten, sondern in der zweiten Angriffsreihe neben Tobias Schwab und Ibrahim Weißleder eingesetzt worden ist. „Da kann ich ein bisschen offensiver spielen und muss nicht nur darauf achten, kein Tor zuzulassen. Mit Tobias und Ibo kann man das Spiel besser lesen und reagieren. Das ist etwas anderes als neben den jungen Wilden.”

Stets im Dienst der Mannschaft

Doch wenn ihn Hoja demnächst wieder in die dritte Reihe beordert, würde sich Furda auch hier in den Dienst der Mannschaft stellen. „Ich habe nie etwas umsonst bekommen. Ich stelle mein Ego gerne etwas nach hinten und habe keine Angst davor, Verantwortung zu übernehmen”, sagt er. Wie lange er noch dem Puck nachjagen will, weiß er nicht. Das lässt er entspannt auf sich zukommen und wartet ab, ob es im Frühjahr wieder Anfragen gibt.

„Wenn die Eisbären wollen, dass ich weiter spiele, können wir über alles reden. Ich will allerdings nicht nur einfach dabei sein, sondern der Mannschaft auch helfen. Wenn ich keine Anfrage mehr aus Hamm oder von woanders bekomme, dann ist Ruhe. Aber ich habe auch schon angemerkt, dass ich gerne einen Trainerschein machen und mein Wissen an junge Spieler weitergeben würde”, betont Furda, der übrigens noch nicht einmal der älteste Spieler der Oberliga ist. So steht im Team der Icefighters Leipzig mit Esbjörn Hofverberg ein Abwehrspieler, der bereits 50 Jahre alt ist.

„Aber der musste nie arbeiten, hat lange als Profi gespielt und jobbt jetzt ein bisschen als Golflehrer. Ich dagegen habe neben Eishockey immer Vollzeit gearbeitet, seitdem ich in Deutschland bin”, betont Furda – und will weiter seine bestmögliche Leistung zeigen und den Eisbären mit seinen Toren noch mehr Siege bescheren.

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