ASV in Minden vor einem Spiel mit „besonderer Note“

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Fünf Jahre lang war Stephan Just für GWD Minden aktiv. Ob der angeschlagene ASV-Spielmacher gegen seinen Ex-Klub mitwirken kann, entscheidet sich erst kurzfristig.

Hamm - Es ist praktisch ein „Heimspiel“. Und daher hat die Partie schon „eine besondere Note“, sagt Niels Pfannenschmidt. Der Coach des Handball-Zweitligisten ASV Hamm-Westfalen ist gebürtiger Mindener, war einst Co-Trainer bei GWD und verantwortlich für die Zweitvertretung der Ostwestfalen. Zudem lebt er mit seiner Familie rund zehn Autominuten von der Kampa-Halle entfernt. Und hat damit beim ungewöhnlichen Spieltermin am Montag eine kurze Anreise, wenn der ASV um 20 Uhr beim Tabellenzweiten antritt.

„Das Ganze hat ja durchaus eine Vergangenheit für mich“, so Pfannenschmidt, der weiß: „Wenn ich auf die Tribüne gucke, werde ich einige bekannte Gesichter sehen.“ Nicht nur er. Im Kader des ASV gibt es mit Markus Fuchs, der aus Minden in den Hammer Osten gekommen war, und Stephan Just, der fünf Jahre lang für GWD aktiv war, zwei weitere Akteure mit einer speziellen Beziehung zum Gegner. Allerdings: Fuchs fällt ebenso weiter verletzt aus wie Ondrej Zdrahala, Jakob Macke und Savvas Savvas. Der Einsatz von Spielmacher Just ist zudem mehr als fraglich. Wegen einer Zehenverletzung hat er die gesamte Woche nicht trainiert. Immerhin: Jan Brosch ist nach seiner Krankheit wieder ins Training eingestiegen, aber, so Pfannenschmidt „noch nicht im Vollbesitz seiner Kräfte“.

Die angespannte personelle Situation und daraus resultierend die überschaubare Trainingsbeteiligung machen die ohnehin überaus kniffelige Aufgabe im westfälischen Derby zu einer – vorsichtig formuliert – immens schwierigen. „Alles andere als ein Sieg für Minden wäre eine Sensation“, sagt Pfannenschmidt, der mit Befremden zur Kenntnis genommen hat, dass die als Tabellenzweiter angesichts von sieben Zählern Vorsprung auf Rang vier deutlich auf Kurs Richtung Erstliga-Rückkehr liegenden Mindener „uns stark reden. Das ist Blödsinn, da muss man mal die Kirche im Dorf lassen. Die haben einen um zwei Millionen Euro höheren Etat, wir fünf Verletzte.“

Und da ist auch noch die immense individuelle Qualität von GWD, für die unter anderem Dalibor Doder, Christoffer Rambo und Nenad Bilbija im Rückraum ebenso stehen wie Rechtsaußen Aleksandar Svitlica oder am Kreis der erfahrene Schwede Magnus Jernemyr, der unter anderem bereits in Barcelona spielte, dessen Einsatz aber noch fraglich ist. Schon die zweite Halbzeit des Hinspiels hatte Minden nach einem Remis zur Pause zur Demonstration der Stärke genutzt und mit 26:18 triumphiert.

Doch trotz der klaren Rollenverteilung: Pfannenschmidt, dessen Team in der vergangenen Woche in einem „guten Test“ gegen die Junioren-Nationalmannschaft in Warendorf knapp verlor, will den großen Favoriten ärgern, ihn „vor Probleme stellen. Wenn Minden schwächelt, müssen wir da sein. Aber dafür müssen wir konstant unseren Matchplan durchziehen.“ Einen ähnlichen wie in Erlangen. Auch den Klassenprimus hatte der ASV-Rumpfkader in Verlegenheit gebracht – aber nur 25 Minuten lang. „Dann sind wir vom Kurs abgekommen, unruhig geworden – und ins offene Messer gelaufen“, blickt Pfannenschmidt auf den folgenden Einbruch zurück.

Der ASV-Trainer hofft, dass die taktischen Rezepte in Minden länger greifen. „Das wird eine sehr ambitionierte Aufgabe. Aber wir geben ganz sicher nicht vorher auf“, sagt er. Wieder soll sein Team innerhalb der verschiedenen Deckungssysteme „switchen“, um die Belastungen zu verteilen, und die Angriffe möglichst lange fahren, dabei die Fehlerquote gering halten. Das soll in der Summe das Mindener Spiel ins Stocken bringen. „Torwart plus Abwehr plus Gegenstoß – das ist das Prunkstück der Mindener. Und das müssen wir in den Griff bekommen“, so Pfannenschmidt. „Und dann schauen wir mal, was am Ende herauskommt.“ In diesem ganz besonderen Spiel.

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