Fußball

Michael Lusch erinnert sich an den Pokalsieg 1989 und die schwarz-gelbe Explosion der Emotionen

Siegerfoto des BVB 1989 nach dem DFB-Pokalsieg.
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Gruppenbild mit Pokal: Der BVB gewann 1989 zum zweiten Mal den Titel.

Mit dem Erfolg im Pokalendspiel 1989 gegen Werder Bremen erlebte Borussia Dortmund eine Aufbruchstimmung. Der gebürtige Hammer Michael Lusch erzielte den Treffer zum 4:1-Endstand.

Hamm – Tradition wird beim Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund groß geschrieben. Zu bedeutenden Endspielen werden daher gerne verdiente Spieler aus der BVB-Geschichte eingeladen. Am Donnerstag, wenn das Team um den aktuellen Kapitän Marco Reus gegen RB Leipzig zum zehnten Mal im Finale nach dem DFB-Pokal greift, sieht das etwas anders aus. „Aktionen vom Verein? Das kannst du dieses Jahr ja alles knicken“, sagt Michael Lusch. „Da ist ja schon lange alles sehr, sehr eingeschränkt. Ich weiß gar nicht, wer da vom Verein überhaupt Zutritt hat.“ Er selbst wird die Partie völlig unspektakulär „zuhause gucken. Mit der aktuellen Ausgangssperre bleibt mir ja nichts anderes übrig.“

Beim zweiten von insgesamt vier DFB-Pokalerfolgen war Lusch nicht nur Teil der Mannschaft: Der gebürtige Hammer, der in der Jugend beim TuS Lohauserholz und TuS Germania Hamm das Fußball spielen gelernt hatte, ehe er zur A-Jugend nach Dortmund wechselte, schoss 1989 im Finale gegen Werder Bremen den krönenden vierten Treffer zum 4:1-Erfolg des BVB und löste damit eine Begeisterung im Umfeld aus, wie sie Dortmund seit dem Europapokal-Erfolg 1966 nicht mehr erlebt hatte. Nach 32 Jahren ist die Euphorie bei dem mittlerweile 56-Jährigen zwar weitestgehend verflogen. Die Erinnerungen an eine magische Partie sind dennoch weitgehend präsent. „Bei uns ist das sehr speziell, weil wir oft noch von den Fans auf dieses Spiel angesprochen werden und es immer wieder Aktionen dazu gibt“, sagt Lusch. „Man kann sich zwar nicht an alles erinnern, aber an ein paar Momente schon. Was nach dem Sieg los war, in Berlin und in Dortmund. Die Aktion im Sportstudio, die Feierlichkeiten am Rathaus, der Rückflug – und wie wir über den Borsigplatz gefahren sind.“

Es war eine schwarz-gelbe Explosion der Emotionen, damals im Olympiastadion. „Wir waren ja nicht Favorit“, erinnert sich der gebürtige Hammer. „Bremen war eine richtig gute Truppe und wir in der Bundesliga nur Siebter oder Achter. Aber das war ein Tag, wo alles passte.“ Bremen war sogar amtierender Deutscher Meister und durch den damals beim SV Werder spielenden Karl-Heinz Riedle in Führung gegangen (15.), ehe Norbert Dickel (21./73.) und Frank Mill (58.) die Partie zur Dortmunder 3:1-Führung gedreht hatten – und Lusch mit dem 4:1 das Glück der Borussen-Fans perfekt machte.

Mit dem rechten Fuß ins lange Eck

Nach gut 70 Minuten hatte Trainer Horst Köppel dem Mann mit dem Schnauzbart das Zeichen zur Einwechselung gegeben. In der 73. kam er für Günter Breitzke in die Partie – eine Minute später sorgte er mit einem Foulspiel an Mirko Votava für sein erstes Zeichen auf dem Platz, und kurz darauf drehte er jubelnd ab. Thomas Helmer hatte den Rechtsfuß mit einem langen Pass auf die Reise geschickt, und nach einem langen Sprint versenkte Lusch den Ball im linken Eck. Welche Gedanken gingen ihm in den Momenten durch den Kopf? „Ja, was denkt man da“, fragt er zurück. „Du freust dich, dass du reinkommst, versuchst, alles zu geben. Und dann kam der Glücksmoment, dass ich da getroffen habe – ein geiles Gefühl.“

Als sein Spiel des Lebens mag Lusch, der die rechte Seite der Borussia beackerte, die Partie dennoch nicht bezeichnen. „Das waren höchstens meine 15 Minuten für die Ewigkeit“, sagt er lächelnd. „Ich bin ja erst spät eingewechselt worden. Aber es gibt natürlich nichts Schöneres, als ein Finale zu gewinnen und dann auch noch ein Tor gemacht zu haben. Insofern war es eine richtig gute Viertelstunde.“

Es gab noch andere magische Momente im BVB-Trikot für Lusch. „Richtig gute im Uefa-Cup, wo wir viele gute Spiele gemacht haben“, sagt er. Und wo er 1993 erst in den Finalspielen gegen Juventus Turin (1:3/0:3) unterlegen war. „Aber der Pokalsieg bleibt dann haften, weil du immer drauf angesprochen wirst. Und allgemein herrschte in Dortmund danach eine Aufbruchstimmung.“

Elf Jahre spielte Lusch von 1982 bis 93 für den BVB, ehe er zum 1. FC Kaiserslautern und zwei Jahre später zum KFC Uerdingen wechselte, wo er seine Profikarriere ausklingen ließ. Zehn Tore erzielte er in dieser Zeit in der Bundesliga, vier weitere im Pokal.

In seiner nach der aktiven folgenden Trainerkarriere führte Lusch der Weg noch einmal für zwei Jahre nach Hamm. Mit Westfalia Rhynern feierte er damals 2010 den Aufstieg in die NRW-Liga. „Auch daran habe ich positive Erinnerungen“, sagt er. „Es war schön, dass wir im ersten Jahr sofort aufgestiegen sind. Die Mannschaft war richtig gut – alles hat gepasst.“

Kicken mit der Traditionsmannschaft fehlt

Bis die Pandemie vor einem Jahr den Sport in den Würgegriff genommen hat, hatte Lusch noch mehr Kontakt zur Borussia. Dadurch, dass er regelmäßig für die Traditionsmannschaft des BVB auflief. „Aber momentan geht da ja auch nichts“, fehlt ihm das Kicken. „Seit einem Jahr haben wir keine Termine mehr. Mal abwarten, wann da wieder was möglich ist.“

Seit vielen Jahre betreibt der Ex-Profi nun schon eine Soccerhalle in Dortmund, die ihn in Nicht-Corona-Zeiten so sehr einspannt, dass er den Trainerjob nach seiner Zeit bei der Westfalia aufgab. „Ich muss ehrlich sagen, dass ich mit der Halle genug zu tun habe“, betont Lusch, der seit 30 Jahren verheiratet ist und und einen erwachsenen Sohn hat. „Beides zu machen, war damals schon stressig. Ich war von morgens neun bis abends um zehn unterwegs, dazu kamen Trainings- und Spielvorbereitung. Und man wird ja auch nicht jünger.“

Für den Betrieb seiner Halle in der Corona-Krise wünscht sich Lusch, „dass wir in den nächsten zwei, drei Monaten wieder öffnen können und ein bisschen Normalität zurückkehrt.“

Am Donnerstag wird er aber erst einmal vor dem Fernseher sitzen und seinen Nachfolgern im BVB-Dress die Daumen drücken. „Ich hoffe, dass sie den Pott wieder nach Dortmund holen“, sagt er. Sein Tipp: „2:1 für uns.“

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