Interview

"Ich hatte viele gute Träume": Rhynerns Trainer Michael Kaminski sieht sein Team gut aufgestellt

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Hat sich bestens eingelebt: Michael Kaminski fühlt sich inzwischen in Rhynern sehr wohl.

Für Westfalia Rhynerns Trainer Michael Kaminski steht die zweite Saison als Cheftrainer bevor. Trotz einiger Rotationen im Kader sind die Ziele eindeutig.

Hamm – Seit einem Jahr leitet Michael Kaminski die sportlichen Geschicke beim Fußball-Oberligisten SV Westfalia Rhynern. Zuvor war der 35-Jährige eine Saison lang als Co-Trainer am Papenloh tätig. Warum er in den vergangenen zwölf Monaten meist gute Träume hatte und worauf er sich in der neuen Spielzeit am meisten freut, hat er in einem Gespräch mit Patrick Droste verraten.

Herr Kaminski, hatten Sie in Ihrem ersten Jahr als Cheftrainer in Rhynern immer nur Freude oder gab es auch harte, unangenehme Tage für Sie?

Stand jetzt hatte ich eigentlich jeden Tag beim Training und bei den Spielen viel Spaß mit der Truppe. Nur dreimal war ich nicht zufrieden. Das war bei der Pokalniederlage gegen Steinhagen, das war die erste Halbzeit bei RW Ahlen und das war bei unserem Auswärtsspiel in Gütersloh. Ansonsten kann ich nach meinem ersten Jahr nur ein positives Fazit ziehen.

Was hat den Hauptunterschied im Vergleich zwischen ihrem Jahr als Co-Trainer und dem vergangenen Jahr als Chefcoach ausgemacht?

Sicherlich war es ein optimaler Einstieg für mich, zuerst als Co-Trainer gearbeitet zu haben. Da war ich das Bindeglied zwischen der Mannschaft und dem damaligen Chefcoach Torsten Garbe. Als ich dann den Zuschlag bekomme habe, hauptverantwortlich zu sein, war ich sehr froh. Klar macht man sich dann noch mehr Gedanken, wobei ich auch als Co-Trainer schon das eine oder andere Mal gegrübelt habe und einige Gedanken bezüglich des Teams abends mit ins Bett genommen habe. Das ist natürlich jetzt schon etwas intensiver geworden, seitdem ich das Sagen habe. Man denkt über die Aufstellung nach, man macht sich Gedanken über die Härtefälle und überlegt, wen lässt man draußen und wie sagt man es dem Spieler. Und nach Niederlagen oder schlechten Spielen schläft man nicht gut. Aber wir haben ja meistens recht gute Leistungen gezeigt, so dass ich viele gute Träume hatte.

Durch die Corona-Pandemie ist die Saison vorzeitig abgebrochen worden. Was hätten Sie mit Ihrem Team noch erreichen können, wenn alle Spiele hätten stattfinden können?

Für die Abschlusstabelle sind die erreichten Punkte jetzt durch die absolvierten Spiele geteilt worden. Demnach haben wir die Saison als Fünfter abgeschlossen. Ich denke, das entspricht auch den Leistungen, die meine Mannschaft gezeigt hat. Wir waren mit einem Sieg in Erndtebrück in die Rückrunde gestartet, dann kam der Abbruch. Besonders stolz bin ich darauf, dass wir zuhause wieder eine Macht geworden sind. Und dass wir eine so starke Defensive gehabt haben. Als Mannschaft haben wir richtig gut gegen den Ball gearbeitet, das fing vorne bei den Angreifern an und endete hinten in der Abwehr. Daran müssen wir in der neuen Saison anknüpfen.

Wann und wie die neue Saison startet, steht wegen Corona noch in den Sternen. Trotzdem: Welche Ziele verfolgen Sie in der kommenden Spielzeit mit Ihrem Team?

Erst einmal bin ich stolz darauf, dass wir wieder so viele Spieler aus unserem Kader gehalten haben. Das zeigt, dass wir in Rhynern so viel nicht falsch machen können. Dann haben wir wieder einige junge Leute geholt, die wir weiter entwickeln wollen. Wir haben hier acht oder zehn Spieler, die mit dem Fahrrad zum Training kommen können. Das ist ein Faustpfand. Und das schweißt zusammen. Und das ist gepaart mit der fußballerischen Qualität, die Erfolgsformel hier in Rhynern. Was am Ende möglich ist, muss man sehen. Einige Vereine rüsten mächtig auf. Für uns ist es wichtig, nach der langen Corona-Pause jetzt erst einmal wieder mit dem Training zu starten.

Wo wird Ihr Blick in der neuen Saison hingehen?

Mit dem fünften Platz haben wir die Messlatte natürlich gleich in meinem ersten Jahr als Oberliga-Trainer recht hoch gelegt. Und natürlich will man sich im zweiten Jahr nicht verschlechtern. Wir wollen das Bestmögliche rausholen. Und so etwas muss man nicht unbedingt an einer Platzierung festmachen. Wir wollen wieder erfrischenden Offensivfußball spielen, zuhause eine Macht sein, unsere jungen Talente weiter entwickeln und als Mannschaft den nächsten Schritt machen. Das ist alles nicht einfach, aber wir sind bereit dazu.

Mit Jeffrey Malcherek und Patrick Polk haben Sie nicht nur zwei Innenverteidiger, sondern das Herz der so gut funktionierenden Defensive verloren. Wie wollen Sie diese Abgänge auffangen?

Mit Jeff, Polki und Tim Neumann hatten wir in der Tat in der vergangenen Saison drei Top-Innenverteidiger. Jetzt haben wir noch Tim. Dazu kommt aber ein Marvin Joswig, der bei uns zuletzt immer links gespielt hat, sich aber zentral eigentlich viel wohler fühlt. Und ein Christopher Stöhr kann auch innen verteidigen. Von daher sind wir da gut aufgestellt. Ich vertraue den Jungs voll und ganz.

Sie haben aber nicht nur den Abgang von zwei Innenverteidigern zu verkraften. Mit Salvatore Gambino haben Sie auch Ihren Co-Trainer verloren, den Sie durch Julian Stöhr ersetzt haben. Wie wird dieses neue Trainerteam funktionieren?

Ich habe Julian jetzt schon ein bisschen kennengelernt und bin mir sicher, dass das sehr gut funktionieren wird. Er ist sehr engagiert und gewillt, Verantwortung zu übernehmen. Er soll und wird seine eigenen Ideen bei uns einbringen.

Worauf freuen Sie sich im Hinblick auf das neue Fußball-Jahr am meisten?

Dass ich wieder neue, hungrige und talentierte Fußballer kennenlernen darf. Im Zusammenspiel mit Julian Stöhr möchte ich diese jungen Leute weiter entwickeln, ihnen dabei helfen, fußballerisch das nächste Level zu erreichen. Dabei können die Jungs ruhig Fehler machen, die verzeihen wir ihnen. Aber wichtig ist, dass sie mitziehen. Ich erwarte, dass sie in jeder Trainingseinheit Vollgas geben, dass sie willig sind, dass sie alle Ansprachen aufsaugen und versuchen umzusetzen. Dann kann Rhynern für die Jungs ein Sprungbrett werden. Als Beispiel sehe ich da Sezer Toy, der vor einem Jahr aus der Bezirksliga zu uns gekommen ist und der sich dann zum Stammspieler bei uns entwickelt hat. Da kann man sehen, was man erreichen kann, wenn man Gas gibt. Es geht jetzt darum, diese Leute in ein gut funktionierendes Team einzubauen, sie besser zu machen und sie zu fördern, damit sie sich in der Oberliga durchsetzen können. Aber neben den jungen Talenten macht es uns auch stolz, dass sich ein Patrick Franke (Anm. der Redaktion: zuletzt Hammer SpVg) für Rhynern entschieden hat.

Aber ist Rhynern denn nur ein Ausbildungsverein?

Ja und nein. Zum einen ist es sicherlich so, dass wir hier jungen Spielern die Möglichkeit bieten, Oberliga zu spielen und ihnen helfen, den nächsten Schritt zu machen. Zum anderen haben wir aber auch Spieler wie Tim Neumann, Michael Wiese, Alexander Hahnemann oder Jan und Lennard Kleine, die schon lange im Verein sind. Und mit Patrick Franke haben wir einen gestandenen Oberliga-Spieler neu dazu bekommen. Das Ziel sollte es gerade im Hinblick auf das neue Stadion sein, das gebaut wird und in dem wir bald spielen, dass wir weniger Abgänge von Spielern zu höherklassigen Vereinen haben. Sondern dass wir die Leute besser binden und nicht für andere Vereine ausbilden.

Kader des SV Westfalia Rhynern

Zugänge: Patrick Franke (Hammer SpVg), Tom Franke (Concordia Wiemelhausen), Jonas Michler (SC Neheim), Gianluca Di Vinti (TuS Germania Lohauserholz), Eduard Probst (A-Junioren Preußen Münster), Dennis Gutsche, Fabian Hellmich, Ramazan Korkut, Oussama Daoudi (alle eigene A-Junioren)

Abgänge: Patrick Polk (SV Lippstadt 08), Jeffrey Malcherek (VfB Homberg), Kai-Jo Hartmann (SV Hilbeck), Leon Gensicke (SG Wattenscheid 09), Finn Köhler (TuS Altenberge), Salvatore Gambino (Co-Trainer RW Ahlen), Oskar Rajsowski (RW Westönnen)

Vertrag verlängert: Sezer Toy, Hakan Sezer, Alexander Hahnemann, Tim Neumann, Jan Kleine, Lennard Kleine, Akhim Seber, Robin Ploczicki, Marvin Joswig, Christopher Stöhr, Maximilian Eul, Michael Wiese, Mazlum Bulut, Leon Müsse

Trainer: Michael Kaminski (2. Jahr), Julian Stöhr (Co-Trainer neu)

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