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Michael Gawlik ist beim SVF Herringen der Instagram-Beauftragte

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Von: Patrick Droste

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Social Media statt Fußball: Michael Gawlik beim SVF Herringen.
Social Media statt Fußball: Michael Gawlik beim SVF Herringen. © Ramadan

Es waren nur zwölf Minuten. Für die er am Ende auch noch bezahlen musste. Doch Michael Gawlik hatte sie an diesem 31. Oktober 2021 intensiv genossen.

Hamm - „Es juckt halt immer noch. Und als ich dann reingekommen bin, war das ein richtig tolles Gefühl“, sagt der 29-Jährige, der eigentlich seine aktive Laufbahn beendet hat und nur noch als Social-Media-Beauftragter beim Fußball-A-Kreisligisten SVF Herringen beschäftigt ist. Doch beim Spiel gegen den SV Stockum war Gawlik in der Schlussphase für Eduard Lorengel eingewechselt worden und strahlt auch Wochen später noch über das ganze Gesicht, wenn er an diesen Moment zurückdenkt: „Man geht halt joggen und versucht sich fit zu halten. Aber wenn man von kleinauf immer den Ball am Fuß gehabt hat, dann sind es diese Momente, die es ausmachen.“

Seine ersten fußballerischen Schritte hatte Gawlik als kleiner Steppke bei den Sportfreunden Bockum gemacht. Von dort ging es später weiter zum damaligen SCE Hamm, ehe er als A-Jugendlicher zum TuS Wiescherhöfen wechselte. Im Seniorenbereich zog es ihn zurück zu seinem Stammverein an die Dörholtstraße, 2013 dann weiter an die Schachtstraße zum SVF Herringen. Dort kickte er zuerst in der Reserve unter der Regie von Trainer Manfred Kalippke. Allerdings machte er dies dort so gut, dass ihn Ralph Oberdiek wenige Zeit später in die erste Mannschaft beorderte. Im Laufe der Jahre wurde die Zeit, die Gawlik für den Fußball übrig hatte, aber immer weniger. Denn neben seinem Studium der Biomedizinischen Technik, das er an der Hochschule in Hamm mit dem Bachelor und danach an der FH in Münster mit dem Master abschloss, jobbte er nebenbei auch bei einem Sportgeschäft im Alleecenter. „Das war so ein schleichender Prozess“, erklärt Gawlik, der zudem durch Bandverletzungen am Sprunggelenk immer wieder außer Gefecht gesetzt wurde, so dass er irgendwann beschloss, das Kapitel Fußball zu beenden. „Ich habe mir da gesagt, dass es vielleicht besser ist, wenn ich mit dem Kicken aufhöre.“

Auch in Hamburg ließ Gawlik der SVF nicht los

Außerdem war er in der Zwischenzeit nach Hamburg gezogen, wo er im Bereich der Medizintechnik im Außendienst tätig ist. Aber so ganz ließen ihn der Fußball im Allgemeinen und der SVF Herringen im Speziellen nicht los. „Da ist eben über Jahre was in Sachen Freundschaft zusammen gewachsen. Ich fühle mich in diesem Verein einfach wohl“, stellt er klar. Und als er irgendwann mit SVF-Trainer Sven Pahnreck und der ganzen Mannschaft einmal mehr im Vereinsheim an der Schachtstraße zusammensaß, entstand aus einer Laune heraus der Gedanke einer Zusammenarbeit. „Das war erst eine Schnapsidee beim Schocken, die wir dann aber in die Tat umgesetzt haben“, sagt Gawlik. „Ich konnte halt nicht ohne Fußball und habe gefragt, ob ich freitags nicht mittrainieren kann. Dafür würde ich den Instagram-Account des SVF eröffnen, damit sich der Verein über die Sozialen Medien in der Öffentlichkeit besser präsentieren kann.“

Und so reist Gawlik nun schon seit längerer Zeit jeden Freitag aus von Hamburg nach Hamm an, absolviert das Abschlusstraining mit, übernachtet entweder bei seinem Bruder oder bei seinen Eltern („Immer da, wo es gerade am besten passt.“), begleitet sonntags als Medienbeauftragter das Spiel des SVF und tritt anschließend die Heimreise nach Hamburg an. „Es klappt nicht immer, aber ich versuche möglichst oft bei den Partien dabei zu sein“, erklärt er und hat an diesem kleinen Nebenjob viel Freude gefunden – zumal er dadurch auch nah an der Mannschaft und weiter ein Teil eines Fußballteams ist. „Dadurch, dass ich bei der Abschlussbesprechung dabei bin und mit Pöhlern am Spielfeldrand stehe, bin ich natürlich genauso angespannt wie alle anderen und fiebere mit“, meint er.

Plötzlich saß Gawlik auf der Ersatzbank

Nur am 31. Oktober, da war alles anders. Aufgrund von Verletzungen und Sperren fielen an diesem Sonntag zahlreiche Spieler aus, so dass sich Trainer Sven Pahnreck an diesem Tag sogar selbst in die Anfangsformation beordert und seinen Social-Media-Beauftragten auf die Ersatzbank gesetzt hatte. „Was ich nicht wusste, war, dass Sven mich fest eingeplant hatte“, war Gawlik davon ausgegangen, dass er nur dann zum Einsatz kommen würde, wenn es unbedingt nötig ist. Doch beim Stand von 5:0 musste sich der 29-Jährige warm laufen und wurde in der 79. Minute für Kapitän Eduard Lorengel eingewechselt. Dies bedeutete, dass Gawlik auch die Kapitänsbinde übernahm und dafür nach der Partie der Mannschaft eine Kiste Bier spendieren musste. „Das ist Pflicht bei uns, und ich habe das total gerne gemacht“, erinnert er sich und würde auch ein weiteres Mal zur Verfügung stehen, wenn es die personelle Situation nötig machen würde: „Da wo ich helfen kann, springe ich ein. Aber ich muss ehrlich eingestehen, dass ich wahrlich keine gute Alternative mehr bin.“

Und daher kümmert er sich lieber weiter um den Instagram-Account des SVF Herringen, genießt das Training am Freitag und das Zusammensein mit seinen Freunden, die er im Laufe der Jahre an der Schachtstraße und durch den Fußball gefunden hat - und nimmt weiter gerne an fast jedem Wochenende die rund zweieinhalbstündige Fahrt von Hamburg nach Hamm in Kauf.

„Besondere Fälle“

„Besondere Fälle“ heißt die Serie, in der wir außergewöhnliche Spieler, verrückte Kicker, Stimmungskanonen, Kümmerer oder treue Seelen vorstellen, die in den Hammer Klubs auf und neben dem Platz wirken.

Folge 1: Erol Akyüz (TSC Hamm)
Folge 2: Michael Schäfers (Westfalia Rhynern)
Folge 3: Marlies und Freddy Pickhinke (TuS Wiescherhöfen)
Folge 4: Manuel Kampmann (BV 09 Hamm)
Folge 5: Tristan Jänsch-Krüger (Hammer SpVg)
Folge 6: Michael Gawlik (SVF Herringen)

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