Handball

Melf Krause: 2. Handball-Bundesliga statt Sabbatjahr

Mfrause ASV Hamm-Westfalen Handball
+
Hand am Harz: ASV-Akteur Melf Krause ist für das Zweitligateam im Einsatz.

Bundesliga statt Europareise: Melf Krause, Handballer des ASV Hamm-Westfalen, wollte eine Pause einlegen. Jetzt steht der 21-Jährige sogar im Zweitligakader.

Hamm – Wäre alles nach Plan gelaufen, würde Melf Krause gerade irgendwo im Zug durch Osteuropa fahren und neue Eindrücke aufsaugen. Transsibirien-Express, vielleicht. Oder schon auf dem Weg in den Norden, Richtung Schweden. Er wäre überall – nur nicht in der Sporthalle. Handball stand für dieses Jahr definitiv nicht auf der Agenda. „Ich bin Student, wollte Geld verdienen, um dann durch die Weltgeschichte zu reisen“, sagt der Kreisläufer. „Dann kam Covid 19 um die Ecke und hat einen Strich durch meine ursprünglichen Pläne gezogen.“ Statt Sabbatjahr im Handball stand Krause zuletzt sogar in den vergangenen drei Spielen im Kader der Zweitligamannschaft des ASV Hamm-Westfalen und bereitet sich gerade mit dem Team auf die Partie bei Bayer Dormagen vor (11. Dezember/19.30 Uhr).

Im März hatte Krause mit der zweiten Mannschaft des ASV den Aufstieg in die 3. Liga geschafft. Doch schon vor Corona war der Entschluss gereift, nach der Saison eine Auszeit zu nehmen. Der Sportliche Leiter Christof Reichenberger und Team-Manager Frank Scharschmidt waren bereits informiert, dass der Kreisläufer in dieser Saison nicht zur Verfügung stehen würde. Als dann irgendwann Ende Mai, Anfang Juni das Telefon schellte und Reichenberger noch einmal nachfragte, ob er nicht doch auch in der 3. Liga zum Kader gehören wolle, fiel die Entscheidung nicht schwer. „Da musste ich gar nicht überlegen, das ging relativ fix“, sagt Krause. „Es war ja nicht so, dass sich bei mir eine Handballverdrossenheit eingestellt hätte. Und dann hat es mich gereizt, an der alten Wirkungsstätte in der 3. Liga dabei sein zu dürfen.“

Fünf Spieltage sind dort absolviert, ganze zwei haben Krause und der ASV bestritten. Dass es nicht mehr als die 31:34-Niederlage beim HSV Hannover und der 38:34-Erfolg gegen die HSG Menden-Sauerland wurden, hatte auch mit ihm selbst zu tun. Denn bereits vor dem erneuten Lockdown, der den Spielbetrieb komplett lahm legte, war der 22-Jährige einer derjenigen Spieler des ASV-Kaders, die sich mit Covid 19 infiziert hatten. Die Folge: 14 Tage Quarantäne, Spielausfälle. „Die Symptome sind bei mir persönlich zum Glück nicht besonders heftig ausgefallen“, erzählt er. „Anfänglich hatte ich Husten, eine leichte Reizung im Hals, Gliederschmerzen, eine laufende Nase. Insgesamt war das wie eine heftigere Erkältung. Nach vier, fünf Tagen ging es wieder bergauf.“

Für Krause, der im siebten Semester Sport- und Gesundheitstechnik an der Hochschule Hamm-Lippstadt (HSHL) studiert, sogar in jeder Hinsicht. Denn nach einem Gespräch mit Zweitligatrainer Michael Lerscht war er plötzlich nicht mehr bloß zu den Prüfungen der HSHL in der Westpress Arena, sondern auch als Bestandteil des Bundesligakaders. „Unser Kreisläufer Jakob Schwabe war angeschlagen, Melf spielt die gleiche Position in der zweiten Mannschaft – da lag es ziemlich nah, dass wir ihn dazu nehmen“, schildert Lerscht die Aktion, Krause in seinen Kader zu ziehen. „Wenn wir nicht diese besondere Situation durch die Pandemie hätten, würde so etwas viel öfter geschehen.“ Was für den Trainer ein ganz normaler Vorgang ist, ist für den Spieler wie ein real gelebter Traum. „Als die Saison unterbrochen wurde, konnten wir mit der zweiten Mannschaft nichts mehr machen, nur noch laufen“, sagt er. „Daher war ich sehr überrascht, nach für mich insgesamt drei Wochen Pause plötzlich in der 2. Liga aushelfen zu dürfen. Es hat mich gefreut, derjenige zu sein, auf den zurückgegriffen wird. Und gerade für mich als junger Spieler ist das natürlich mega, da noch was zu lernen, mitnehmen zu dürfen.“

Einmal trainierte er mit der Mannschaft, dann saß er beim Sieg gegen den ThSV Eisenach schon auf der Bank – und kurz vor Ende der Partie bekam er seine ersten fünf Zweitligaminuten auf der Platte. Die Erkenntnis, die er schon im Training gesammelt hatte, bestätigte sich hier. „Auf jeden Fall ist das noch einmal ein ganz anderes Niveau als in der 3. Liga, eine viel größere Dynamik“, berichtet er. „Daran muss ich mich gewöhnen. Aber es ist eine geile Erfahrung. Schade, dass keine Zuschauer erlaubt sind. Dann wäre es sicher noch mal ein ganz anderen Eindruck – aber auch so ist es echt stark.“

Da lässt es sich gut verschmerzen, dass der Kreisläufer, der soweit es die Vorlesungen zulassen, jede Trainingseinheit mitnimmt, die folgenden Partien beim TuS Ferndorf (21:27) und zuhause gegen den HC Elbflorenz Dresden (19:25) nur als Bankdrücker verfolgen durfte. Wichtiger ist die Erfahrung, überhaupt dabei sein zu dürfen. „Mir ist das egal, ich mache mir da keinen Kopf, wenn ich nicht spiele“, versichert Krause. „Ich stelle ich mich in den Dienst der Mannschaft, freue mich auf jede Partie, bei der ich dabei bin. Und ob ich dann rein komme, muss der Trainer entscheiden.“

Integriert wurde er nach eigenem Empfinden schnell in der Mannschaft. „Kontakt hatte ich vorher eigentlich nur zu den vier jungen Spielern, die auch bei der Zweiten spielen“, sagt Krause. „Aber ich fühle mich sehr gut aufgenommen von den anderen. Da kann ich kein schlechtes Wort verlieren.“

Dass es den Lemgoer überhaupt nach Hamm verschlagen hat, lag an Frank Scharschmidt und der HSHL. Als er 2017 aus der Lemgoer A-Jugend-Bundesliga in den Seniorenbereich kam, „gab es einige Angebote. Und in Hamm hat es dann einfach gepasst“, sagt Krause, dessen Eltern noch vor seiner Geburt von der Husumer Nordseeküste nach Lemgo gezogen sind. „Vorher kannte ich Hamm kaum. Da fuhr man halt so durch, um zu den Spielen bei den anderen westlichen Vereinen zu kommen. Jetzt bin ich froh, dass ich mich für Hamm entschieden habe.“ Für die Stadt. Und den Verein, der ihm die Chance gegeben hat, ein wenig Zweitligaluft zu schnuppern.

Ab dem 10. Januar hofft er dann, mit der zweiten Mannschaft die Saison in der 3. Liga fortsetzen zu können. Bis dahin hat er eine ganz angenehme Alternative gefunden, um die Zeit zu überbrücken. „Solange ich dabei bin, werde ich jedenfalls alles für die Mannschaft geben“, verspricht der Nachwuchs-Kreisläufer. Vielleicht kommt ja noch die eine oder andere Auswärtsfahrt dazu – wäre jedenfalls nicht die schlechteste Entschädigung für die entgangene Reise mit der Bahn durch Europa.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare