Mehnert stellt Sinnfrage nach Rhynerns 1:3-Niederlage

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Mit 1:3 verlor Westfalia Rhynern – hier Mathieu Bengsch – gegen den SC Roland Beckum.

Hamm - Es ist eigentlich ein festes Ritual nach jedem Oberliga-Spiel des SV Westfalia Rhynern. Wenn die Partie beendet ist, ruft Trainer Björn Mehnert seine Akteure entweder direkt auf dem Platz oder in der Kabine zusammen, um mit ihnen kurz über die Begegnung zu reden.

Nach der 1:3 (0:1)-Niederlage gegen den SC Roland Beckum verzichtete der Coach allerdings auf jegliche Kommunikation mit seinen Spielern. „Da hatte ich keinen Gesprächsbedarf mehr. Alles, was ich da gesagt hätte, könnte in die falsche Richtung gehen“, betonte Mehnert – und fügte dann vielsagend hinzu: „Als Coach mache ich mir über das Training, die Vor- und Nachbereitung einer Partie so viele Gedanken, da muss ich jetzt erst einmal eine Nacht drüber schlafen, ob das alles noch Sinn macht, so viel Zeit und Leidenschaft zu investieren.“

Als Rücktrittsankündigung wollte der Ex-Profi seine Aussage allerdings nicht verstanden wissen. Sondern eher als deutliche Ansage an seine Schützlinge, die vor allem in der ersten Hälfte eine katastrophale Vorstellung abgeliefert hatten und den Beweis von höheren Ansprüchen komplett schuldig geblieben waren. „Ich kann mich dafür bei den Zuschauern nur entschuldigen“, zeigte sich Mehnert fassungslos. „Aber wenn die Mannschaft versucht, das zu spielen, was sie will. Und nicht das, was sie kann oder soll, dann muss man sich schon Gedanken machen. Da muss sich jetzt jeder hinterfragen, was der Anspruch und was die Realität ist. Denn nach neun Spieltagen hat das nichts mehr mit Glück oder Pech zu tun, da ist die Tabelle das Spiegelbild unserer Leistung.“

Und in der Tat hatten die Rhyneraner gegen den SC Roland, der zuvor erst einen Sieg auf seinem Konto hatte, gespielt wie ein Abstiegskandidat. So hatten die Beckumer vor dem Wechsel leichtes Spiel, die Partie zu dominieren und mit einer 1:0-Führung in die Pause zu gehen. Nach einem Freistoß und einer Verlängerung per Kopf hatte Bernd-Sebastian Sumelka am langen Pfosten mutterseelenallein gestanden und den Ball über die Linie befördert (24.). „Da gab es eine klare klare Einteilung. Das sieht dann bei einem Standard natürlich blöd aus“, schimpfte Thanh-Tan Tran später. Mit ein bisschen Glück hätten die Beckumer die Führung sogar noch weiter ausbauen können, zu harmlos agierten die Platzherren, die vollkommen überfordert waren, wenn sie von den Gästen frühzeitig attackiert wurden. Hinzu kamen Fehlpässe, technische Unzulänglichkeiten und immer wieder unglaubliche Nachlässigkeiten und Unkozentriertheiten.

Nach dem Wechsel änderte sich die Partie aber komplett – zumindest für etwas mehr als zehn Minuten. Mehnert hatte für den völlig indisponierten Linksverteidiger Jan Apolinarski Angreifer Joachim Mrowiec gebracht, zudem zeigten sich die Rhyneraner nun weitaus engagierter und zielstrebiger. Logische Konsequenz war in der 51. Minute das 1:1, als Tran im Strafraum unbedrängt an den Ball kam, sich das Spielgerät zurechtlegte und zum Ausgleich einschoss. Als dann Mrowiec nur das Außennetz traf (51.) und Jannick Kastner freistehend an Beckums Torwart Philipp Sandhowe scheiterte, schien es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, ehe Rhynern in Führung ging. „Nach dem 1:1 hatten wir wirklich Glück“, gab sogar Roland-Trainer Carsten Droll zu. „In den ersten 10, 15 Minuten nach dem Wechsel war Rhynern am Drücker, da hätten wir das 1:2 kriegen können.“

Doch es waren erneut die Gäste, die in der 73. Minute in Front gingen. Adrian Cieslak hatte sich auf der linken Abwehrseite von Temel Hop wie ein Jugendspieler austricksen lassen und damit nicht die Flanke auf Mike Pihl verhindert, der am kurzen Pfosten stand, den Fuß hinhielt und das Leder zum 1:2 über die Torlinie lenkte. Für den Schlusspunkt sorgte dann in der 89. Minute der eingewechselte Liridon Redjepi, der einen der vielen Konter zum 1:3 abschloss. Glück hatten die Rhyneraner in der 83. Minute, als Schiedsrichter Alexander Ernst nach einem Handspiel von David Schmidt, der einen Schuss mit dem Unterarm abgewehrt hatte, nicht auf Elfmeter entschied. „Wir sind viel zu spät aufgewacht“, ärgerte sich Tran auch nach der Partie noch über den schwachen Auftritt in den ersten 45 Minuten. „Ich weiß nicht, aber vielleicht brauchen wir erst einen Tritt in den Allerwertesten, ehe wir wach werden.“

Spannend wird aber erst einmal sein, was Björn Mehnert über die Lage in Rhynern und seine persönliche Situation denkt, wenn er am Montagmorgen wach wird.

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