Fußball

Trotz Stammplatz auf der Ersatzbank - Eul hält Rhynern schon lange die Treue

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Wenn er gebraucht wird, ist Torwart Maximilian Eul zur Stelle und ein sicherer Rückhalt im Kasten des SV Westfalia Rhynern.

Maximilian Eul hat beim SV Westfalia Rhynern einen Stammplatz auf der Ersatzbank. Dennoch hält der Torwart Rhynern seit Jahren die Treue. 

Hamm - Es ist eine alles andere als leichte Situation für Maximilian Eul. In jeder Trainingseinheit gibt der 24 Jahre alte Torwart des Fußball-Oberligisten SV Westfalia Rhynern, den alle nur „Eule“ nennen, Vollgas, bereitet sich gewissenhaft auf das Meisterschaftsspiel am Wochenende vor – und schaut dann meist von der Ersatzbank zu, wie Stammkeeper Alexander Hahnemann bei der Elf vom Papenloh zwischen den Pfosten steht. „Es gibt immer wieder Momente, wo das schon an einem nagt“, gibt der 2,04 m große Hüne zu. „Aber andererseits fühle ich mich in Rhynern wohl und habe da viel Spaß.“

Von der HSV an den Papenloh gewechselt 

Mit 15 Jahren war er im B-Junioren-Alter von der Hammer SpVg nach Rhynern gewechselt und hütete nach vier Jahren in der Jugendabteilung zuerst das Tor der zweiten Mannschaft in der Bezirksliga. Im Winter 2015 rückte er dann hoch in den Kader der ersten Mannschaft, musste sich aber von Beginn an als zweite Kraft hinter dem vom SC Wiedenbrück und mit Regionalliga-Erfahrung ausgestatteten Hahnemann begnügen. „Hahne hat sich diesen Standard als Nummer eins erarbeitet. Er ist immer klar gesetzt gewesen. Und da ist es schwer, an seiner Position zu rütteln, zumal ihm die Verantwortlichen in Rhynern zu 100 Prozent vertrauen. Und auch in meinen Augen ist er einer der besten, wenn nicht gar der beste Torwart der Oberliga“, sagt Eul, der daher nur auf eine bescheidene Zahl an Einsätzen in der ersten Mannschaft zurückblicken kann. Lediglich 14 Mal stand er in den vergangenen Jahren im Tor der Westfalia, ansonsten war und ist sein Stammplatz auf der Reservebank.

Dem TuS Wiescherhöfen wieder abgesagt

Daher liebäugelte er im Sommer 2017 auch mit einem Wechsel, hatte mit dem TuS Wiescherhöfen bereits eine mündliche Vereinbarung getroffen. Als die Rhyneraner dann aber völlig überraschend den Aufstieg in die Regionalliga schafften, sagte er den Verantwortlichen von der Wielandstraße wieder ab. „Ich wollte mir diese Chance nicht nehmen lassen“, erklärt er und hat aus dem Regionalliga-Jahr, in dem er sieben Mal das Westfalia-Tor hütete, auch die bislang schönste Erinnerung seiner Karriere. „Das beste Erlebnis war der letzte Spieltag, als ich im Tor stand und wir auf dem Tivoli bei Alemannia Aachen 2:2 gespielt haben“, berichtet Eul, der im Betrieb seines Vaters in Bergkamen derzeit eine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement absolviert.

Ähnlich stark wie Stammkeeper Hahnemann

Für den SV Westfalia Rhynern ist es eine überaus feine Sache, mit Eul einen so starken zweiten Mann in seinen Reihen zu haben, der Stammkeeper Hahnemann leistungsmäßig kaum nachsteht und daher jederzeit bedenkenlos eingesetzt werden kann. Für Eul fühlt es sich allerdings nicht immer so schön an, nur die zweite Geige spielen zu können. „Manchmal ist das schon hart. Und die Vorfreude auf die Wochenenden ist daher bei mir überschaubar. Aber ich bin nun mal jemand, der zuerst an die Mannschaft und weniger an sich selber denkt“, erläutert er und fügt auch gleich mehrere Gründe an, warum er trotz seiner Rolle als Nummer zwei der Westfalia die Treue hält: „Für mich ist der Weg zum Platz von Herringen aus kurz, die Jungs sind klasse, und das Training ist einfach gut. Es sind immer um die 20 Leute da. Das alles ist für mich die Motivation. Ich brauche den Sport einfach als Ausgleich zu meiner Arbeit.“

Lobende Worte von Trainer Kaminski

Trainer Michael Kaminski weiß die Lage seines Schützlings gut einzuschätzen und zeigt sich sehr angetan, wie Eul mit seiner Situation Woche für Woche umgeht. „Auf Eule kann man sich nicht nur als Mensch absolut verlassen, sondern auch dann, wenn er kurzfristig zum Einsatz kommt. Er ist ein Riesentyp, ein absoluter Teamplayer“, sagt der Coach. „Und dass er trotz seiner Rolle als Nummer zwei kein Wandervogel ist, spricht auch für ihn. Er hat ein gutes Verhältnis zu Hahne und verhält sich ruhig und kollegial.“

Dennoch wünscht sich Eul manchmal, auch mal bei einem Verein die Nummer eins zu sein. In Rhynern wird dies in naher Zukunft recht schwer sein. Denn Hahnemann hatte seinen Vertrag im vergangenen Frühjahr erneut gleich um zwei Jahre verlängert. „Das wäre schon eine gute Sache. Und es ist nicht in Stein gemeißelt, dass ich immer in Rhynern bleibe. Wenn das passende Angebot kommt, werde ich mir das auf jeden Fall genauer anhören“, meint er, fügt aber auch hinzu: „Man muss das schon abwägen. Lohnt es sich finanziell? Wie weit ist der Weg? Wie ist das Training?“

Bis er eine Entscheidung fällen wird, wo er ab der Saison 2020/21 zwischen den Pfosten steht, wird er in Rhynern weiter auf der Bank sitzen – und bereit sein, wenn er gebraucht wird. „Ich gebe alles, um dann zu 100 Prozent da zu sein“, stellt er unmissverständlich klar

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