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Netuschils Grand-Slam-Traum lebt weiter

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Von: Patrick Droste

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Täglich fünf bis sechs Stunden auf dem Platz: Der Hammer Tennis-Profi Marvin Netuschil quält sich weiter für seinen großen Traum, einmal bei einem Grand-Slam-Turnier aufzuschlagen.
Täglich fünf bis sechs Stunden auf dem Platz: Der Hammer Tennis-Profi Marvin Netuschil quält sich weiter für seinen großen Traum, einmal bei einem Grand-Slam-Turnier aufzuschlagen. © Schulz

Der gebürtige Hammer Marvin Netuschil, derzeit auf Rang 782 im Ranking der ATP platziert, jagt weiter seinem Tennis-Traum hinterher. Einmal möchte der 30-Jährige bei den Australian Open, bei den French Open, in Wimbledon oder bei den US Open aufschlagen.

Hamm - Es ist eine Schinderei, die ihm nicht immer Spaß macht. Und dennoch trainiert Marvin Netuschil, 30 Jahre alter Tennisspieler, derzeit jeden Tag fünf bis sechs Stunden lang. Vormittags jagt er meist für rund drei Stunden die gelbe Filzkugel über das Netz, am Nachmittag stehen zwei bis drei Stunden Training in einem Fitness-Studio an. „Bis Ende Januar, Anfang Februar lege ich die Basis für die ganze Saison. Dafür muss man so eine Art Hassliebe entwickeln“, erklärt er. „Das macht nicht immer Spaß. Aber man muss bereit sein für den Wettkampf. Ohne diese Grundlagen ist man nicht konkurrenzfähig. Und wenn man am Ende fitter und besser ist als sein Gegner, dann weiß man, wofür man das alles getan hat. Dann fühlt es sich richtig gut an.“

Ziel sind die Top 300 im ATP-Ranking

Der gebürtige Hammer, derzeit auf Rang 782 im Ranking der ATP platziert, jagt weiter seinem Traum hinterher. Totz der Corona-Pandemie. Trotz seiner mittlerweile 30 Lenze. Und trotz des Abrutschens in der Weltrangliste, in der er im Sommer 2017 schon mal auf Position 306 gestanden hatte. „Mein Anspruch ist es, da wieder hinzukommen. Die Top 300 sind mein Ziel“, betont er. „Und ich glaube, dass ich das auch erreichen kann. Und wenn ich dann da bin, befinde ich mich in Schlagdistanz zu den Qualifikationsplätzen für die Grand-Slam-Turniere.“ Denn genau davon träumt er, seitdem er vor mehr als zehn Jahren den Weg des Tennisprofis eingeschlagen hat: Einmal möchte er bei den Australian Open, bei den French Open, in Wimbledon oder bei den US Open aufschlagen.

Das vergangene Jahr war für Netuschil, dessen Großeltern immer noch in Hamm leben und für den Hamm nach eigener Aussage „Heimat“ bedeutet, ein eher durchwachsenes gewesen. Er trat zwar bei Turnieren quer durch Europa an – unter anderem in Italien, den Niederlanden, Belgien Spanien und der Türkei –, doch restlos zufrieden war er damit nicht. „Im Vergleich zu 2020 war ich viel unterwegs. Aber im Vergleich zu den Jahren vorher war das höchstens 50 bis 60 Prozent“, sagt er und erklärt, dass es angesichts der Pandemie und den damit vorgegebenen Hygienemaßnahmen schwer war, sich immer voll und ganz auf den Tennissport zu konzentrieren. „Das war sicherlich kein einfaches Jahr für uns alle. Denn gerade mein Sport ist geprägt vom vielen Reisen. Normalerweise ist man eine Woche da, eine Woche da. Aber in den vergangenen Monaten war man ja nicht frei in seinen Planungen. Es war manchmal schon kompliziert, das alles hinzubekommen. Und dann ist es eben schwer, den Fokus auf den Sport zu legen, wenn man so viele andere Dinge zu beachten oder zu regeln hat.“

Vergangene Saison war eher mittelmäßig

Und so ordnet er die Saison 2021, in der er ab Mitte des Jahres auch noch mit Schulterproblemen zu kämpfen hatte, eher als mittelmäßig ein: „Es war letztlich in Ordnung. Aber mein Anspruch von den Ergebnissen und vom Umfang der Turniere her ist natürlich ein anderer. Daher wäre es gelogen, wenn ich sagen würde, dass das ein gutes Jahr war. Das geht defintitiv besser, da ist noch Luft nach oben.“ Dennoch ist er zuversicherlich, dass seine Teilnahmen an den internationalen Turnieren „ein Schritt Richtung Normalität“ gewesen sind und dass diese Normalität jetzt wieder mehr und mehr Einzug in seine Sportwelt hält.

Viel Selbstdisziplin notwendig

Wobei sein Tennis-Alltag schon mit einer Menge Entbehrungen verbunden ist. Meist ist er alleine unterwegs, muss alles selbst organisieren und kann sich auch auf dem Spielfeld nicht hinter irgendwelchen Teamkollegen verstecken, wenn es mal nicht nach Wunsch läuft. „Natürlich hat man auch viele Privilegien, die man nicht unterschätzen sollte. Aber man ist schon einen Großteil des Jahres von seinem sozialen Umfeld getrennt. Dazu ist letztlich viel Selbstdiszplin nötig. Man ist selbst für den Erfolg oder Misserfolg verantwortlich, man kann keine Ausreden erfinden“, betont er und verrät: „Dafür muss man ein Stück weit gemacht sein. Und da wächst man auch ein bisschen im Laufe der Jahre rein. Für mich ist das letztlich keine Last, sondern meine Leidenschaft. Man muss da positiv verrückt sein.“

Und daher verschwendet er aktuell auch keine Gedanken an sein Karriereende oder an den geplanten Wechsel vom Spieler zum Coach. „Natürlich wäre angesichts der Coronapandemie und der eingeschränkten Möglichkeiten ein guter Zeitpunkt gewesen, um zu sagen, das war es jetzt, ich beende meine Laufbahn und mach den flüssigen Übrgang zum Trainer. Aber ich habe diesen Übergang bislang noch nicht gefühlt“, stellt er klar. „Das wird sicherlich in der Zukunft irgendwann passieren. Aber noch ist der Tag nicht da. Ich spüre in mir, dass ich das Maximale aus mir noch nicht rausgeholt habe.“

Trainingsbedingungen sind für Netuschil optimal

Aus diesem Grund absolviert er derzeit ein enorm hohes Trainingspensum, in dem die Grundlagen für den athletischen Bereich wie Kraftausdauer, Mobilität oder auch Verletzungsprophylaxe im Vordergrund stehen. Morgens nutzt er dabei die Kapazitäten, die ihm der Westfälische Tennisverband in Kamen bietet, am Nachmittag arbeitet er meist unter Leitung von Uwe Liedtke in dessen Fitness-Center in Lünen. „Dadurch habe ich top Trainingsbedingungen“, sagt Netuschil und gibt zu: „Das sind manchmal schon extrem harte Belastungen, wenn der Coach auf dem E-Bike neben mir herfährt und ich eine bestimmte Geschwindigkeit laufen muss. Aber da muss man beruflich denken. Das ist nun mal ein Teil meines Jobs.“

Und den will er noch möglichst lange ausführen – auch wenn er manchmal denkt, dass er es in seinem Leben durchaus entspannter haben könnte: „Noch brauche ich diesen Nervenkitzel. Und so lange ich dieses Feuer in mir spüre, brenne ich dafür.“ Für seinen Tennissport. Und vor allem für seinen immer währenden Traum von einem Start bei einem Grand-Slam-Turnier.

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