Eishockey

Martin Köchling und Robin Loecke - ein starkes Duo am Mikrofon

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Die ehemaligen Eisbären-Spieler Martin Köchling (Mitte) und Robin Loecke (rechts) sind jetzt bei den Heimspielen in der Oberliga als Live-Reporter im Einsatz.

Starkes Duo am Mikrofon: Die ehemaligen Eisbären-Spieler Martin Köchling und Robin Loecke  sind jetzt bei den Heimspielen in der Oberliga als Live-Reporter im Einsatz

Hamm - Der eine war ein kompromissloser Verteidiger mit einem knallharten Schlagschuss, der andere ein kleiner, quirliger Stürmer mit unbändigem Drang zum Tor. Zwei Spieler mit Eigenschaften, die die Hammer Eisbären nach dem Aufstieg in die Eishockey-Oberliga Nord eigentlich sehr gut gebrauchen könnten. Martin Köchling (37 Jahre) und Robin Loecke (27) sind derzeit bei allen Spielen der Hammer dabei. Aber nicht auf dem Eis, sondern am Rande der Bande in einer Funktion, die angesichts der Corona-Pandemie für die Eisbären immens wichtig geworden ist.

Das Duo, das aus dem eigenen Nachwuchs des Vereins stammt, kommentiert jetzt live die Oberliga-Heimspiele des Aufsteigers auf der Streaming-Plattform sprade.tv im Internet. Weil derzeit keine Zuschauer in die Eishallen dürfen, übertragen alle Vereine der DEL2 und der Oberligen Nord und Süd ihre Begegnungen direkt in die Wohnzimmer der Fans. Das zu einem Preis von 9,99 Euro pro Partie. Da die Klubs 75 Prozent der Einnahmen erhalten, versuchen sie damit, zumindest einen Teil der fehlenden Eintrittsgelder zu kompensieren.

„Es läuft ganz gut“, sagt Köchling und ist mit Blick auf die Einschaltquoten durchaus ein bisschen stolz. Am vergangenen Freitag buchten 650 Personen die Partie gegen die Hannover Inidans (0:5), darunter, wie Manager Jan Koch bestätigt, immerhin 535 Vollzahler. „Unsere Dauerkarteninhaber erhalten als Ausgleich einen kostenfreien Zugang“, erklärt Koch. Im Schnitt waren es bei den bisherigen Übertragungen immer etwa 300 Eishockey-Freunde, die die Heimspiele des Neulings von der heimischen Couch beobachteten. Die Investitionen haben sich aus Sicht des Vereins daher bereits gelohnt. Die Eisbären mussten die Kamera- und Übertragungstechnik selbst erwerben und in der Eishalle in Werries installieren

Köchling hatte nach weit über 500 Spielen in gut 19 Jahren für die Hammer seine Laufbahn in der ersten Mannschaft im März beendet. „Ich hätte gerne noch weiter gemacht, doch der Aufwand in der Oberliga war mit meinem Beruf einfach nicht mehr zu vereinbaren“, erzählt der gebürtige Hammer, der im direkten Umfeld der Eishalle aufgewachsen ist. „Eishockey ist mein Leben. Ich würde momentan eigentlich auch noch mit unserer 1b-Mannschaft trainieren und spielen, doch das ist auf Grund von Corona leider nicht möglich.“

Deswegen zögerte er keine Sekunde, als vor wenigen Wochen Philipp Alberti aus dem Vorstand der Hammer Eis eG, der für die Technik in der Halle verantwortlich ist, nachfragte, ob er nicht Lust hätte, die Spiele zu kommentieren. Da Köchling, der mit einem Freund eine Event-Agentur betreibt, große Feste mit Licht und Ton ausstattet und zudem als Disjockey unterwegs ist, wegen Corona derzeit beruflich wenig zu tun hat, sagte er sofort zu.

Purer Zufall, dass auch Loe-cke, der vor der Saison zum Regionalliga-Aufsteiger Eisadler Dortmund gewechselt war, momentan genügend Freiräume hat. Denn der Angreifer hat sich den Daumen gebrochen. „Da ja die Regionalliga aktuell wegen des Amateursportverbots nicht spielen darf, Robin wegen der Verletzung zudem ohnehin nicht trainieren kann, hat er ebenfalls viel Zeit“, sagt Köchling.

Beide spielen sich bei den Begegnungen der Eisbären auf einer eigens errichteten TV-Plattform zwischen den Spielerbänken der Teams nun die Pucks in Form von fachlich qualifizierten Kommentaren, teilweise garniert mit lustigen Sprüchen, zu. „Wir versuchen, das schon recht seriös zu machen“, beteuert Köchling. „Doch manchmal hauen wir natürlich einen raus“, erzählt der ehemalige Eisbären-Verteidiger, der den Zuschauern aufgrund seiner Nähe zu den Spielern viele Hintergrund-Informationen liefern kann.

Die Resonanz aus der Fanszene ist überaus positiv. „Wir haben inzwischen viele nette E-Mails aus den anderen Oberliga-Standorten wie Hannover oder auch aus Halle und Leipzig erhalten. Die haben uns bescheinigt, dass wir das ganz gut machen würden“, erzählt Köchling, der in den kommenden Wochen wohl nicht als DJ, sondern eher als Live-Kommentator gefragt sein wird. „Unsere Branche liegt doch fast komplett auf Eis. Wir halten uns schon seit März mit einigen kleineren Internetgeschichten über Wasser. Jetzt wären wir eigentlich mit den zahlreichen Betriebsfeiern und Festen vor Weihnachten ausgebucht, doch die wurden alle abgesagt“, berichtet der 37-Jährige, der bisher keine staatliche Hilfe in Anspruch genommen hat. Köchling hofft natürlich darauf, dass sich die Eisbären in den kommenden Wochen sportlich steigern werden. Denn die Leistungen des Teams von Ralf Hoja werden sich entscheidend auf die Einschaltquoten auswirken. „Gegen Tilburg haben die Jungs ja gezeigt, dass sie durchaus mithalten können“, sagt Köchling, der allerdings weiß, wo bei seinen ehemaligen Mannschaftskollegen in erster Linie der Schuh drückt: „Sie müssen einfach mehr Tore schießen, doch das ist in der Oberliga nicht so leicht wie in der Regionalliga.“

Allzu oft durfte er mit Loecke bei den Live-Übertragungen aus der Eishalle in Werries bisher keine Hammer Tore bejubeln. Die trafen in drei Heimspielen in der dritthöchsten deutschen Klasse lediglich einmal. „Ich hoffe, dass möglichst bald der Knoten bei den Jungs platzten wird“, sagt Köchling, der zwar gerne auf dem Eis helfen würde, momentan für den Verein aber auf dem Kommentatorenplatz weitaus wichtiger ist, um das finanzielle Überleben in diesen schweren Zeiten für den Sport zu sichern. Irgendwann wird er aber auf das Eis zurückkehren und noch einmal selbst das Eisbären-Trikot mit der Nummer 16 überstreifen. „Wir planen derzeit eine Art Abschiedsspiel. Aber das möchte ich erst dann bestreiten, wenn auch wieder Zuschauer in die Halle dürfen. Denn der Erlös soll für einen guten Zweck gespendet werden“, verspricht Köchling.

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